Grafschafter Start-up-Unternehmen

Mit Lukas und Lara auf Weltreise

BIRRESDORF. Das Grafschafter Projekt „Lulatour“ möchte einen Beitrag zur Leseförderung von Kindern leisten.

Schon seit mehr als 20 Jahren gibt es in deutschen Buchhandlungen und Spielwarengeschäften die „Briefe von Felix“, dem kleinen Stoffhasen auf Weltreise. Regelmäßig kommt er seiner Besitzerin Sophie abhanden, um sich dann quer durch alle Kontinente auf Abenteuerreise zu begeben. Von unterwegs schickt er Briefe, die über seinen jeweiligen Aufenthaltsort und die waghalsigsten Abenteuer berichten. Kindern die Welt nahebringen und einen sinnvollen Beitrag zur Bildung nebst Leseförderung leisten, das wollen auch Norbert Jansen (33) aus Bonn und Jan Riedl (32) aus Birresdorf. Mit ihrem Start᠆up-Unternehmen „Lulatour“ mit Sitz auf der Grafschaft stellen sie Kindern zwischen fünf und zehn Jahren zwei neue Brieffreunde an die Seite: das Geschwisterpaar Lukas und Lara.

Jansen, Vater einer 16 Monate alten Tochter, studierte in Bonn Jura, promovierte, absolvierte ein BWL-Studium und blieb nach einem Praktikum bei der Postbank, wo er heute als Referent im Personalmanagement tätig ist. „Sowohl die Idee der Selbstständigkeit als auch die, Kindern spielerisch die Welt näherzubringen, fand ich faszinierend“, sagt er im GA-Gespräch.

Beim Lesen von Zeitschriften über Unternehmensgründungen aus aller Welt stieß er auf ein vergleichbares Projekt in den USA. „Das läuft dort übrigens super mit Millionen-Umsätzen“, so Jansen. Auch wenn es sicher noch ein weiter Weg ist, bis das Duo, das sich selbst finanziert, von „Lulatour“ leben kann, teilt Riedl, Senior-Vorstandsassistent bei der Postbank, die Leidenschaft für die Idee mit Jansen. „2012 haben wir das Konzept entwickelt, den Businessplan erstellt, an einem Wettbewerb von 'Neues Unternehmertum Rheinland' teilgenommen und ein positives Feedback erhalten.“

2014 wurde die GmbH gegründet, vor einem Jahr, nach der Konsultation einer professionellen Illustratorin, gingen die beiden behutsam mit ihrem Online-Shop an den Start.

„Wir haben als Kinder nie eigene Post bekommen, daher war uns wichtig, dass die Briefe, die die Kinder über drei oder sechs Monate – je nach Abopaket – erhalten, personalisiert sind“, so Jansen. So steht der Name des Kindes auf dem braunen wattierten Umschlag im Adressfeld, der Absender ist „Von: Lukas und Lara“ und wird natürlich um den Stempel des jeweiligen Landes ergänzt – ob Japan, Australien, Südafrika, Brasilien oder Mexiko. Das Unternehmer-Duo hat sich viele Gedanken gemacht, scheint zum Perfektionismus zu neigen, denn es versendet die monatlichen Briefe in Schreibschrift sogar so, dass sie an einem Samstag ankommen, damit das Kind sie selbst vom Briefträger in Empfang nehmen oder sie im Briefkasten vorfinden kann.

Zum Starterpaket gehört nicht nur ein knallroter Koffer, sondern auch eine Weltkarte, ein Reisetagebuch und die Basisgeschichte: Lukas und Lara entdecken auf dem Dachboden eine Holztruhe mit dem verstaubten Reisetagebuch der Großeltern und entscheiden dann, die Kontinente selbst kennenzulernen und möglichst viele Gleichaltrige an dem Abenteuer teilhaben zu lassen. Dazu gesellt sich mal ein Weltenbummler-Quiz, mal ein Bilderrätsel sowie erste Vokabeln und – ganz wichtig – ein Online-Code. Riedl: „Leseförderung ist das eine, aber wir wussten, dass wir das Projekt auch mit dem Internet verknüpfen müssen. Im Netz können die Kinder dann 'einchecken', spielerisch werden weitere Lerninhalte vermittelt.“

Mit Liebe zum Detail sind die Briefkuverts bestückt. Aus Japan verschicken Lukas und Lara beispielsweise Essstäbchen und Origami-Faltblätter mit der entsprechenden Anleitung für einen Hund aus Papier. „Uns ist wichtig, dass die Produkte zertifiziert sind“, betont Jansen. Das gilt für alle „Souvenirs“ aus fernen Ländern, ob Fernglas oder Bumerang.

Was den beiden Jungunternehmern ganz wichtig ist: Wenn Eltern oder Großeltern das Drei- oder Sechs-Monats-Paket abonnieren, tappen sie nicht in eine Abofalle. „Mit dem letzten Brief endet der Vertrag“, so Riedl. Schon jetzt plant er mit Jansen eine Europareise, dann eventuell für Sieben- bis Zwölfjährige. Infos unter www.lukasundlara.de.