Zukunftskonzept für die Grafschaft

Einwohner glauben überwiegend an positive Entwicklung

GRAFSCHAFT. Die Grafschaft entwickelt sich zur Mitmach-Gemeinde. Ein Gemeindeentwicklungskonzept soll Wege in eine gute Zukunft aufzeigen. Dabei sollen die rund 11.000 Einwohner fest in die Zukunftsgestaltung eingebunden werden.

Zum Auftakt gab es eine groß angelegte Umfrage: Ein Meinungsforschungsinstitut hatte seit Herbst mehr als 700 Grafschafter angerufen und in je 20-minütigen Interviews ermittelt, wie sich die Einwohner ihre Grafschaft der Zukunft vorstellen. Dabei wurde auch der Ist-Zustand analysiert. Insgesamt sind die Zufriedenheit und die Identifizierung der Grafschafter mit ihrem Ort groß. Allerdings wurden auch Schwächen und Nachteile, die das Leben auf dem Lande mit sich bringt, aufgezeigt. In der Ringener Sporthalle wurden nun die Ergebnisse präsentiert.

Die Grafschafter Bevölkerung fühlt sich insgesamt an diesem Wohn- und Lebensstandort sehr wohl, ergaben die Interviews, die Meinungsforscherin Barbara Vielhaber durchführen ließ. Wurden die Stärken und Schwächen der Gemeinde angesprochen, so überwog im Vergleich die Zahl der genannten Stärken bei weitem die der aufgeführten Schwächen.

54 Prozent der Befragten verwiesen auf die landschaftliche Schönheit hin, 38 Prozent schätzten die (Straßen-)Verkehrsanbindung als Standortqualität, gefolgt von 32 Prozent, die die gute Gemeinschaft hervorhoben, während 29 Prozent besonders die naturnahe Wohnlage betonten. „Hinsichtlich der Schwächen, die den Grafschaftern auffallen, ist das Bild deutlich gestreuter.

So weist lediglich das als schlecht empfundene ÖPNV-Angebot mit 35 Prozent einen größeren Anteil auf“, berichtete Vielhaber. Als nächstes in der Rangliste folgt dann mit 15 Prozent der Hinweis auf zu große Industriegebiete. In gleicher Größenordnung (14 Prozent) wird hier die Sorge um die Errichtung eines Güllebeckens angeführt.

Haus im Grünen als Motivation zum Umzug

Die Einwohnerzahl der Grafschaft hat sich seit den 80er Jahren beinahe verdoppelt. Diejenigen, die zuzogen, haben dies aus unterschiedlichen Gründen getan. Von großer Bedeutung war der Umfrage zu Folge, dass für die Neubürger die Möglichkeit gegeben war, ein Eigenheim im Grünen zu bauen. Vielhaber: „Bemerkenswert ist aber die Tatsache, dass insgesamt für die Hälfte der Neubürger auch die Aussicht auf ein Leben in dörflicher Gemeinschaft eine Rolle in der Ansiedlungsentscheidung gespielt hat.“ Mehrheitlich berichteten die Neubürger davon, dass ihnen das Einleben leicht gefallen sei.

Von besonderem Interesse für die Erarbeitung des Gemeindeentwicklungskonzeptes sei nach Vielhabers Darstellung die Frage, wie die gesamte Bevölkerung die intensiven Veränderungen der vergangenen 15 Jahre wahrgenommen habe. Ergebnis: Grundsätzlich zeigte die Befragung, dass sowohl die Entwicklung der vergangenen Jahre als auch die Erwartungen für die weitere Entwicklung mehrheitlich positiv ausfallen. 66 Prozent der Grafschafter bezeichneten die Entwicklung insgesamt als vorteilhaft, elf Prozent nahmen sie als nachteilig wahr.

„Diejenigen, die eine vorteilhafte Entwicklung wahrnehmen, führen zu 59 Prozent die Ansiedlung von Unternehmen und den damit verbundenen Zuwachs an Arbeitsplätzen an. 20 Prozent nennen ein verbessertes Einkaufsangebot und 18 Prozent eine gute Ausstattung mit Bildungseinrichtungen“, so das Umfrageergebnis.

Es wird von vorteilhafter Entwicklung ausgegangen

Diejenigen, die eine negative Entwicklung wahrnehmen, kamen zur gegenteiligen Ansicht. Für jeden Zweiten dieser Befragten sind die Industriegebiete zu groß und die Ansiedlung von Unternehmen zerstöre die landschaftliche Schönheit. Flächenfraß zu Lasten der Landwirtschaft und eine zunehmende Verkehrsbelastung stellen für diese Befragten also Problemfelder dar.

Interessant auch der Blick in die Zukunft: Auch hier geht eine Mehrheit der Grafschafter davon aus, dass die Entwicklung der nächsten 15 Jahre vorteilhaft für die Gemeinde sein wird. Diese Mehrheit fiel aber mit 59 Prozent etwas schwächer aus. Entsprechend lag auch der Anteil derjenigen, die eine nachteilige Entwicklung befürchten, mit 17 Prozent etwas höher als hinsichtlich der vergangenen Entwicklung.

Wer eine positive Entwicklung erwartet, geht vor allem von einem weiteren Zuwachs an Arbeitsplätzen aus (47 Prozent dieser Befragten). Weitere Zuzug von (jungen) Leuten (14 Prozent), gute Steuereinnahmen (11 Prozent) und ein besserer ÖPNV (10 Prozent) folgen in der Rangliste der Nennungen.

Bürger können sich weiterhin beteiligen

Wer eher Nachteile erwartet, kam erneut zu einer gegenteiligen Bewertung des führenden Kriteriums: 58 Prozent dieser Befragten befürchteten das weitere Wachstum der Industriegebiete und 43 Prozent sahen darin auch die Zerstörung der landschaftlichen Schönheit. Weitere Verkehrsbelastungen aufgrund von Autobahnumfahrung oder mit Produktionsbeginn bei Haribo wurden von 27 Prozent befürchtet.

Die Ergebnisse sollen nun einen Baustein für die erste Phase der Erstellung des Gemeindeentwicklungskonzepts bilden. Zudem können sich die Bürger auch weiterhin aktiv in die konzeptionelle Arbeit einbringen. Beispielsweise im Mai, wenn zu Ortsteilwerkstätten geladen wird.

Im Herbst sollen die Ergebnisse im Rahmen eines zweiten Bürgerforums der Bürgerschaft präsentiert und zur Diskussion gestellt werden. Dann soll ein Gesamtwerk geschmiedet werden, das wegweisend für die Zukunftsgestaltung sein soll.