A61 auf der Grafschaft

Autobahn war einst Landebahn für den Regierungsbunker

GRAFSCHAFT. Wozu dient der künstliche Hügel an der Autobahn 61 bei Eckendorf? Von dort hat die Autobahnpolizei den besten Überblick. So könnte die Antwort lauten. Stimmt zwar, ist aber dennoch falsch. Denn der Hügel ist ein Relikt des Kalten Krieges.

Was heute kaum noch jemand weiß: Das 1,9 Kilometer lange Autobahnstück zwischen dem Meckenheimer Kreuz und der Landwirtschaftsbrücke zwischen Vettelhoven und Eckendorf ist eine Landebahn. Respektive wurde die Piste dort als solche gebaut.

Und dass die Strecke immer noch ein sogenannter Autobahn-Behelfsflugplatz ist, davon zeugen neben dem Hügel, der als Standort eines Tower- und Radarwagens vorgesehen ist, die weiß-roten "Bälle" an der Hochspannungsleitung über der Autobahn.

Landebahn A 61, aber bitte warum? Die Antwort lag Luftlinie wenige Kilometer entfernt tief in den Schieferbergen des Ahrtals: der Regierungsbunker. Hochrangige Persönlichkeiten sollten im Notfall eingeflogen werden können. Und dafür mussten eben Flugzeuge auf der A 61 landen können.

Das ist bisher nur ein einziges Mal passiert. Es war nach der Fertigstellung des Autobahnteilstücks vor 40 Jahren, also 1973. Ein Jahr nach dem Geiseldrama bei den Olympischen Spielen in München wollte die Bundesluftwaffe zeigen, was sie so drauf hat. Mit ohrenbetäubendem Lärm landete und startete eine Harrier zwischen Gelsdorf und Vettelhoven.

Ein Spektakel, das damals sogar der Tagesschau einen Bericht wert war. Doch das ist Geschichte. Der Regierungsbunker dito. Und aus der vierspurigen Autobahn, die für "alle Ewigkeit" gebaut worden war, sind längst sechs Spuren geworden.

Von Anfang an hatte die Grafschaft am Meckenheimer Kreuz ihre eigene Auf- und Abfahrt. Und zwei Brücken, die durchaus als Zwillinge durchgehen könnten: die Talbrücken Bengen und Karweiler. Letztere im Zuge der Abfahrt ins Ahrtal. Eingeweiht wurden sie gleichzeitig mit der Ahrtalbrücke durch den damaligen Bundesverkehrsminister Kurt Gscheidle aus Bonn und den Mainzer Ministerpräsidenten Helmut Kohl. Man schrieb den 18. Dezember 1975, als Ahrweinkönigin Hedwig Hörsch, heute Gräfin Schweinitz, mit den beiden Spitzenpolitikern das rote Band auf der Brücke durchtrennte.

Anderthalb Jahrzehnte später kam unter Kohl dann die deutsche Einheit, Berlin sollte Hauptstadt werden, und die Region forderte Ausgleich ein. Auf der Grafschaft waren das die Mittel für den Innovationspark Rheinland zwischen Ringen und Oeverich. 2005 siedelte sich dort der erste Betrieb an, und die Rufe der Grafschaft nach einem zweiten Autobahnanschluss wurden lauter. "Denn nur perfekt angebunden an die A 61 macht der Innovationspark Sinn", fanden Politik und Wirtschaft auf der Grafschaft unisono.

Dem wurde vor nunmehr vier Jahren entsprochen. Seit Ende September 2009 läuft der Verkehr auf dem "Schnürsenkel", sprich der Auf- und Abfahrt Innovationspark. Wer sich über den Begriff "Schnürsenkel" wundert, der braucht nur einen Blick auf die nebenstehende Luftaufnahme zu werfen.