Schäden in den Weinbergen

Weinblatt-Diebe zerstören Rebstöcke an der Ahr

KREIS AHRWEILER. Rebblatt-Diebe treiben zurzeit ihr Unwesen in den Wingerten an der Ahr und zerstören damit ganze Rebstöcke. Besonders betroffen sind Weinberge an der Einfallstraße von der A61 aus.

Die Weinblüte in den Wingerten der Ahr ist ideal verlaufen. Mit der Trockenheit können die Rebstöcke gut leben. Lediglich die Junganlagen müssen gewässert werden. Hubert Pauly, Präsident des Weinbauverbandes Ahr, hätte also eigentlich allen Grund, zufrieden zu sein und sich auf die Lese im September zu freuen.

Doch aktuell treiben Rebblatt-Diebe ihr Unwesen in den Weinbergen und zerstören damit ganze Weinstöcke. Das berichten Winzerverband und Genossenschaften. „Besonders betroffen sind Weinberge an der Einfallstraße von der Autobahn 61 aus“, schimpft Pauly und spricht von „Blätter-Tourismus aus den Ballungsgebieten“. Gefüllte Weinblätter gelten besonders in der orientalischen Küche als delikate Beilage.

Dem Weinbaupräsidenten wurden bereits mehr als 250 geplünderte Rebstöcke gemeldet. „Da kann der Schaden je nach Grad der Schädigung des Stocks zwischen 15 und 45 Euro liegen“, rechnet Pauly vor. Besonders groß sei der Schaden, wenn die Rebstöcke komplett entblättert würden. „Dann findet keine Reife statt“, heißt es von der Landwirtschaftskammer Rheinland-Pfalz. Und auch im Jahr drauf bringe der Weinstock dann keine Frucht – Totalausfall.

„Die Weinblätter werden an eine ganz spezielle Kundschaft verkauft, die diese in ihren Küchen verwendet. Das ist kein Diebstahl für den Eigenbedarf mehr“, sagt Pauly, der die Täter nach von Winzern notierten Autokennzeichen von Bonn bis Dortmund verortet. Auch die Polizei spricht von professionellen Banden, die in die Weinberge einfallen.

 

Erst am Wochenende hatte die Polizei Bad Neuenahr-Ahrweiler nach Hinweisen vier Rebblattdiebe in Weinbergen zwischen Dernau und Ahrweiler auf frischer Tat ertappt. Zudem wurden bei einer Verkehrskontrolle gleich fünf Personen dingfest gemacht, die tütenweise Weinblätter aus den Wingerten geplündert hatten. Strafanzeigen wegen Diebstahls waren die Folge. Die Weinblätter wurden beschlagnahmt.

Spritzhubschrauber drehte seine Runden

Besser so für die Diebe. Denn erst in der vergangenen Woche hatte der Spritzhubschrauber seine Runden über dem Ahrtal gedreht. Dieser bringt unter scharfen Auflagen Rebschutzmittel aus. „Da ist vom Verzehr abzuraten“, heißt es vom Dienstleistungszentrum ländlicher Raum als Kontrollbehörde. „Denn gesund ist das dann nicht.“ Auch in dieser Woche hat der Spritzhubschrauber wieder seine Ladung von Ehlingen bis Altenahr abgelassen. Weinblätter müssen übrigens nicht geklaut werden.

In den Monaten Juli und August beginnen die Winzer ohnehin mit der Laubarbeit. „Durch das professionelle Entfernen der Blätter in der Traubenzone sorgen die Winzer für eine gute Durchlüftung und Abtrocknung der Trauben, ohne dass ein weiterer Einsatz von Pflanzenschutz benötigt wird“, erklärt Hubert Pauly. Da fallen dann wie beim Gipfeln der Rebstöcke genügend Blätter für Feinschmecker an. Pauly rät daher, sich frühzeitig mit den Winzern in Verbindung setzen: „Dann kann mit diesen die Entnahme von Weinlaub, möglichst unter fachlicher Begleitung, abgestimmt werden.“

Der Appell des Weinbaupräsidenten: „Wir wollen als Tourismusregion zufriedene Gäste. Das geht aber nur, wenn sich alle an die Spielregeln halten. Kein Winzer hat etwas dagegen, wenn Leute bei der Laubarbeit nach Blättern oder im Herbst bei der Lese nach einer Traube fragen. Aber das Zerstören von Weinstöcken werden wir nicht hinnehmen.“

Letzteres sagt auch der Recher Winzer Otger Schell, in dessen Weinberge eine ganze Truppe wie Stare eingefallen war: „Die haben mich nur ausgelacht. Und wundern sich dann, wenn wir nach der Polizei rufen.“