Badefreuden anno dazumal

Was von den Strandbädern im Ahrkreis übrigblieb

KREIS AHRWEILER. Abkühlung bei tropischer Sommerhitze - das funktionierte auch vor Jahrzehnten schon am besten im kühlenden Nass. Damals gab es in Bad Neuenahr und Sinzig noch Strandbäder. Von den meisten dieser Anlagen ist nichts geblieben außer Fotos und Ansichtskarten.

Heute kann man die Zahl der öffentlichen Freibäder im Kreis Ahrweiler an einer Hand abzählen: Ahrweiler, Bad Neuenahr, Remagen, Bad Bodendorf und Brohltal. Das war's.

Aber das war nicht immer so. Denn Erfrischung bei tropischen Temperaturen suchten auch schon frühere Generationen, nur dass weibliche Teenager damals Backfische hießen und auch die Bademode eine etwas andere war.

So gab es in Sinzig gleich zwei Bademöglichkeiten. Das 1928 eingeweihte Rhein-Strandbad befand sich in der heute noch bestehenden Bucht in Höhe des Vereinsheims des Wassersportvereins. Und welche „Unsitte“ damals: Männer und Frauen durften gemeinsam ins Wasser gehen.

Zweiter Weltkrieg zerstörte Schwimmbäder

Im Juni 1938 bekam das bis dahin beliebte Bad samt Café Konkurrenz. Das Mineral-Schwimmbad wurde ohne den einst vom Klerus befeuerten „Sittlichkeitsstreit“ eröffnet und hielt sich deutlich länger als sein Mitbewerber, an dem schon im Zweiten Weltkrieg das Interesse verloren ging. Mit dem Mineralbad in der Nähe des Sinziger Brunnens wollte Sinzig „Bad Sinzig“ werden, vom Kurbetrieb im benachbarten Bad Neuenahr eine gehörige Scheibe abhaben. Das hat nicht funktioniert. Das Bad blieb ein Zuschussbetrieb der Stadt und wurde mit der Saison 1980 geschlossen. Das Becken wurde verfüllt, das einstige Kurhaus gesprengt.

4000 Quadratmeter Wasserfläche, Sandstrand und ein Restaurantbetrieb, der wie ein Schloss daherkommt. Das war das „Strand-, Licht- und Luftbad“ in Bad Neuenahr. Dort, wo heute Tennisplätze sind, wurde das Bad mit Rutsche, Kinderbecken sowie Bereichen für Schwimmer und Nichtschwimmer 1929 eröffnet. Das Wasser kam über den Mühlenteich aus der Ahr. Doch der Zweite Weltkrieg machte auch diesem Bad den Garaus. Es verschlammte, war nicht mehr zu gebrauchen. Was blieb war das Lenné-Schlösschen, das in den 1980er Jahren abbrannte. 1951 wurde das Bad durch das Gartenschwimmbad ersetzt und vom damaligen Ministerpräsidenten Peter Altmeier eingeweiht. Heute ist dort das Hallen- und Freizeitbad Twin und nur die Straße Am Gartenschwimmbad erinnert noch an alte Zeiten.

Erinnerungen aus privaten Fotoalben

In Bad Breisig wurde in Rheinnähe 1928 das erste Thermalschwimmbad errichtet. Der Kurbetrieb hatte sich 1936 unter dem lokalen Unternehmer Johann Martin Schuh mit der Errichtung des Heilbäderhauses Geyrsprudel anstelle des ursprünglichen kleinen Fachwerk-Badehauses aus der Weimarer Republik erweitert. Sein Sohn Willy errichtete 1961 ein neues Thermalbad, nachdem die Marienquelle im Zweiten Weltkrieg durch Erderschütterungen zugeschüttet worden und das alte Bad nicht mehr nutzbar war. Das neue Bad von 1961 wurde im Dezember 1991 zu den Römer-Thermen, einem Wellness-Bad mit Saunalandschaft, umgebaut. Doch viele heutige Senioren kennen noch das Freibad, bei dem das Thermalwasser aus der riesigen Pumpe in das Becken sprudelte.

Und was blieb von den einstigen Bädern? Nur Erinnerungen in privaten Fotoalben und auf alten Ansichtskarten.