Interview mit Bernd Cornely

Umgehung beschert Bad Neuenahr "mehr Lebensqualität"

Bad Neuenahr. Sie hat eine 40-jährige Vorgeschichte, ihr Bau dauerte neun Jahre. Am 12. Oktober wird die Umgehung Bad Neuenahr nun eingeweiht. Der General-Anzeiger hat mit Bernd Cornely, Leiter des Landesbetriebes Mobilität Cochem-Koblenz, über das Mammutprojekt gesprochen.

Die Umgehung Bad Neuenahr im Zuge der Bundesstraße 266 wird in drei Wochen eingeweiht. Dann hat die Verkehrsbelastung auf der Heerstraße ein Ende. Für die größte Straßenbaustelle im nördlichen Rheinland-Pfalz hat von Anfang an Bernd Cornely als Leiter des Landesbetriebes Mobilität Cochem-Koblenz verantwortlich gezeichnet.

Die Umgehung Bad Neuenahr soll am 12. Oktober für den Verkehr freigegeben werden. Fällt Ihnen da nach mehr als 40 Jahren Vorgeschichte und neun Jahren Bauzeit nicht ein Stein vom Herzen?

Bernd Cornely: Ja, auf jeden Fall. Wir sind froh, dass wir demnächst eine entscheidende Verkehrsentlastung der Heerstraße in Bad Neuenahr erreichen werden. Der Durchgangsverkehr wird komplett auf die neue Ortsumgehung verlagert. Das bringt den Anwohnern deutlich mehr Ruhe und Lebensqualität. Und auch für den Straßenverkehr bringt die Umgehung natürlich Verbesserungen.

Zunächst hieß es Eröffnung 2015, dann 2016, 2017. Jetzt ist es 2018.

Cornely: Bei einer großen Baumaßnahme wie der Ortsumgehung Bad Neuenahr ist es zu Beginn der Bauarbeiten sehr schwierig, absolut verlässliche Angaben für die Fertigstellung zu machen. Zu viele Faktoren treten während der Bauzeit auf, die zunächst nur schwer abgeschätzt werden können. Die Angaben wurden im Laufe des Baufortschritts regelmäßig aktualisiert.

Ihre Schwierigkeiten?

Cornely: Speziell bei der Umgehung von Bad Neuenahr kam ein weiterer Aspekt hinzu, der zu einer längeren Ausführungszeit als ursprünglich geplant führte: Die Arbeiten an den Bauwerken wie Brücken, Tunnel und Stützmauern wurden so weit wie möglich parallel ausgeführt. Aufgrund der Charakteristik als Linienbaustelle und der eingeschränkten Zuwegung zur Baustelle konnte aber nicht gleichzeitig an weiteren Stellen der Strecke gearbeitet werden, da ansonsten eine gegenseitige Beeinträchtigung der Baufelder eingetreten wäre. Im Gegenzug konnte mit dieser Bauweise die Ortslage von Bad Neuenahr weitestgehend vom Baustellenverkehr freigehalten werden, da die Zuwegung zur Baustelle fast ausschließlich über die bereits vorhandene Brücke „Im Schwertstal“ erfolgte.

Beim Zeitrahmen hat es nicht geklappt. Dafür beim Kostenrahmen. Das ist doch eher ungewöhnlich.

Cornely: Der genehmigte Kostenrahmen aus dem Jahr 2008 von 47,5 Millionen Euro wird eingehalten. Das ist in der Tat nicht selbstverständlich, insbesondere bei einem solch großen und komplexen Projekt.

Es war die größte Baustelle im nördlichen Rheinland-Pfalz. Was waren da die schwersten Brocken?

Cornely: Auf einer Umgehungsstraßenlänge von rund 1,8 Kilometern waren sehr viele Ingenieurbauwerke zu errichten (Brücke „Im Dellmich“, die beiden Tunnel „Im Muckental“ und „Bergstraße“, hohe Stützwände und Lärmschutzwände). Auf einer kurzen Strecke so viele Bauwerke zu errichten, ist eher eine Ausnahme. Das liegt natürlich an den vorhandenen beengten Geländeverhältnissen. Das war sicherlich eine besondere Herausforderung bei diesem Projekt, die alle Beteiligten aber gut gemeistert haben.

Alle haben gewartet, viele gedrängelt und einige auch geschimpft. Wie geht man damit um?

Cornely: Ich kann das nachvollziehen, weil wir uns natürlich selbst auch eine kürzere Bauzeit gewünscht hätten. Jetzt freuen wir uns, dass dieses anspruchsvolle Projekt fertig ist.

Mal etwas ketzerisch: Das Planfeststellungsverfahren hat vor dem Bau der Ahrtalbrücke begonnen. Woran lag’s, dass mit dem Bau der A 61-Abfahrt Bad Neuenahr-Ahrweiler (A 573) und der Umgehung Heimersheim gerade die 1,8 Kilometer nicht durchgezogen wurden?

Cornely: Die angesprochenen Planfeststellungsverfahren wurden bereits in den 70er Jahren durchgeführt. Die Reihenfolge der baulichen Umsetzung erfolgte nach dem damaligen verkehrlichen Bedarf. Es kann davon ausgegangen werden, dass man beim Bau der Abschnitte von einem zügigen Weiterbau bei Bad Neuenahr ausging, was damals leider nicht erfolgte. Aufgrund zwischenzeitlich geänderter Rechtsgrundlagen musste in den 90er Jahren ein neues Planfeststellungsverfahren zur Schaffung des erforderlichen Baurechts durchgeführt werden. Der Planfeststellungsbeschluss, also die Baugenehmigung, wurde am 3. Mai 2001 rechtskräftig. Nachdem dann zwischenzeitlich auch die finanziellen Mittel seitens des Bundes bereitgestellt wurden, konnte im Frühjahr 2009 mit dem Bau begonnen werden.

Zurück zum Neubau. Gibt es da etwas, worauf Sie besonders stolz sind?

Cornely: Stolz bin ich auf alle, die an diesem tollen Projekt mitgewirkt haben: die Bürgerinitiative, die sich für den Bau der Ortsumgehung eingesetzt hat, die Anwohner, die während der Bauarbeiten sehr großes Verständnis gezeigt haben, meine Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter im Landesbetrieb Mobilität Cochem-Koblenz, die Gutachter, Planer, Ingenieurbüros, die Stadtverwaltung Bad Neuenahr-Ahrweiler, mit der wir sehr konstruktiv zusammengearbeitet haben, und natürlich die Baufirmen mit den vielen Bauarbeitern, die die Maßnahme schließlich Wirklichkeit werden ließen.

Folgt da ein Aber? Hat Sie etwas besonders geärgert?

Cornely: Natürlich gibt es auch schon einmal Momente, wo einen etwas ärgert, aber ich weiß wirklich nichts Konkretes mehr. Als Bauingenieur ist man ja in erster Linie auch ein Gestalter und Problemlöser, da hilft Ärger nicht weiter. Es ist ein vielseitiger und spannender Beruf, der Infrastruktur, die den Menschen dient, schafft. Und das bringt Freude und Zufriedenheit über das, was man tagtäglich tun kann.

Wäre es nicht schön, wenn Sie gleich mit der Umgehung Lohrsdorf weitermachen könnten? Da warten die Menschen auch schon seit Jahrzehnten.

Cornely: Ja, das wäre natürlich klasse. Als Bauingenieur will man bauen und Situationen verbessern. In Lohrsdorf ist auf jeden Fall Handlungsbedarf, was ja auch dadurch dokumentiert ist, dass die Maßnahme im aktuellen Bedarfsplan des Bundes enthalten ist. Das ist für uns im Landesbetrieb Mobilität die entscheidende Voraussetzung, dass wir planerisch an dem Projekt arbeiten können.

Hoffnung besteht also. Und wann können die schwarzen Fahnen in der Ortsdurchfahrt eingeholt werden?

Cornely: Das kann ich leider seriös nicht prognostizieren. Derzeit werden die erforderlichen Untersuchungen und die daraus resultierenden Planungen erarbeitet. Auf diesen Grundlagen ist dann ein Planfeststellungsverfahren für die Baugenehmigung erforderlich. Wenn diese dann rechtskräftig und die Maßnahme finanziert ist, können die Bauarbeiten starten. Insoweit sind noch viele Schritte erforderlich. Wir im Landesbetrieb Mobilität werden jedenfalls alles daran setzen, die technischen und rechtlichen Voraussetzungen für eine Verkehrsentlastung in Lohrsdorf zu schaffen.