Kommentar zur Ahrtalbahn

Schlechteste Lösung

Soll nur noch zu Stoßzeiten verkehren: die RB 30.

Soll nur noch zu Stoßzeiten verkehren: die RB 30.

Kreis Ahrweiler. In einer Zeit, wo alle Welt ein Loblied auf den ÖPNV singt, ist die Einschränkung der Ahrtalbahn für Pendler völlig inakzeptabel, kommentiert GA-Redakteur Victor Francke.

Man kann nur noch ungläubig mit dem Kopf schütteln, wenn man über die öffentlich gewordenen Pläne der Deutschen Bahn nachdenkt. In sogenannten Nebenverkehrszeiten will der DB-Konzern die Taktfrequenz der RB 30, also der Ahrtalbahn, drosseln, damit der Güterverkehr auf der stark befahrenen linksrheinischen Strecke mehr freie Fahrt hat.

Nicht nur die vom Bahnlärm drangsalierten Menschen in Bad Breisig, Sinzig, Remagen oder Bonn wissen, wie überlastet die Strecke ist. Schließlich knallt ihnen ja der Lärm im Minutentakt um die Ohren.

Nun will die Bahn das kleine Ahrtalbähnchen quasi in die Schranken weisen, damit vor allem Güterzüge zwischen Remagen und Bonn besser durchrauschen können und Platz auf der Strecke geschaffen wird. Für die auf die Bahn angewiesenen Pendler, Ausflügler oder Touristen, die nicht zu Stoßzeiten im Berufsverkehr unterwegs sind, ist das Vorhaben völlig inakzeptabel. Erst recht in einer Zeit, in der alle Welt ein Hochlied auf den ÖPNV singt und Autofahrern eine Absage erteilt.

Klar ist, wer nachmittags mal schnell von Altenahr oder Bad Neuenahr nach Bonn will, wird dann das Auto nehmen und den Bonner Verkehr und die dortigen Parkhäuser anreichern. Oder er lässt es ganz sein.

Vielleicht wäre es schlauer gewesen, die Bahn hätte beispielsweise die Westerwald-Trasse vor dem Hintergrund des sich seit Jahrzehnten abzeichnenden zusätzlichen Schienenverkehrs gleich vierspurig gebaut, oder eine oberhalb des Rheintals verlaufende zusätzliche linksrheinische Trasse geschaffen, um das Rheintal vom Güterverkehr zu entlasten.

Den öffentlichen Personennahverkehr in einer zudem vom Tourismus lebenden Region zu kappen, ist wirklich die schlechteste Lösungsvariante.