Tipps für Hoteliers und Servicekräfte

Mit Stil und Stimme

BAD NEUENAHR. Dienstleister informieren sich in einem IHK-Seminar in Bad Neuenahr über das richtige Auftreten.

. Kleider machen bekanntlich Leute. Nicht jeder verfügt allerdings über das erforderliche Augenmaß, über den sicheren Geschmack, der notwendig ist, um die gewollte Außenwirkung zu erzielen. Ohne Geschmack kein Stil, ohne Stil kein souveräner Auftritt. Den sollten aber gerade diejenigen haben, die in ihrem Beruf wirkungsvoll auftreten müssen. „Mit Stimme und Stil“ lautete daher ein Seminar, zu dem die Industrie- und Handelskammer (IHK) Dienstleister ins Bad Neuenahrer Dorint-Hotel eingeladen hatte. Gekommen waren Hoteliers, Servicekräfte, Menschen, die täglich mit Kunden zu tun haben.

Bereits in einem Bruchteil von Sekunden einer Begegnung entscheiden Menschen – in der Regel völlig unbewusst –, ob eine Person als sympathisch, kompetent oder überzeugend eingestuft wird. „Der erste Eindruck beeinflusst maßgeblich den Erfolg“, so Referentin Claudia Merz, Image- und Typberaterin. Moderne Umgangsformen und Tischkultur, Outfitberatung, Make-up-Coaching, Dresscodes oder Garderobencheck sind ihr Spezialgebiet.

„Ich unterstütze Menschen dabei, stilvoll und authentisch zu sein“, erklärt die Imageberaterin. Ihr Credo: Wie souverän und professionell man auf Menschen im eigenen Umfeld wirkt, ist entscheidend für den privaten und beruflichen Erfolg. „Wertig“ müsse man dem Betrachter erscheinen – was immer das ist. In jedem Fall habe es etwas mit Wertschätzung zu tun, fügt Merz an. Farben, Frisur, Material, Muster, Make-up, Accessoires: Solche Faktoren bestimmten, ob Menschen freundlich oder unfreundlich rüberkommen.

Dass ein Hotelier in Jeans und mit Strickpullover anders auf den Betrachter wirkt als mit Anzug und Krawatte, leuchtete den Zuhörern schnell ein. Weniger vielleicht die Mitteilung, dass Tattoos und Piercings im Servicegeschäft längst gesellschaftsfähig seien. „Allerdings“, so räumt Merz ein, „reagiert nicht jeder Kunde, Gast und Besucher gut darauf.“

Ob guter Geschmack antrainiert werden kann, bleibt offen. „Die Maxime 'Über Geschmack lässt sich nicht streiten' bedeutete ursprünglich nicht unbedingt, dass Geschmack diskutierbar ist, sondern dass jedem klar ist, was guter und was schlechter Geschmack ist. Darüber kann man nicht streiten“, meinte einst die Kulturwissenschaftlerin Barbara Vinken hierzu. Den zahlreichen IHK-Seminarteilnehmern wurde zumindest schnell Nietzsches vor fast 150 Jahren entwickelte Weisheit deutlich: Der gefundene Stil ist eine Beleidigung für den Freund des gesuchten Stils.

Stimmen sind indes hörbare Stimmungen. „Wie klingt Ihre Stimme, wenn Sie vor und mit anderen Menschen sprechen? Zu laut oder zu leise? Zu schnell oder zu langsam? Zu hoch oder zu tief? Und wem hören Sie selbst lieber zu – der hektischen Person mit der hellen Piepsstimme oder der ruhigen Person mit der klangvollen Altstimme?“, fragt Stimm- und Sprechtrainerin Anne Weller im IHK-Seminar. Überzeugend müsse nicht nur sein, was man sagt, sondern wie man es sagt. Die Stimme sei so etwas wie eine Eintrittskarte.

Ein langsames, akzentuiertes Sprechen erzeuge beim Zuhörer mehr Aufmerksamkeit als ein mit Sing- oder Monotonstimme präsentierter Schnell- oder Hellrednervortrag. Eine „vertrauenswürdige“ Stimme sei eine „Wohlfühlstimme“. Und die könne man trainieren.

Beispielsweise mit der richtigen Atemtechnik. „Ruhiges Reden und Atmen, klares und klangvolles Sprechen verbunden mit einer souveränen Körpersprache sind die Grundlagen überzeugender Kommunikation und begeisternder Präsentationen“, weiß Anne Weller. Und: „Machen Sie Sprechpausen. Das ist dem Dialog förderlich – und dem eigenen Nachdenken.“