Chef der Autobahnpolizei Mendig

Harte Linie gegen Gaffer und Gassensperrer im Kreis Ahrweiler

Dauerthema Rettungsgasse: Uneinsichtige Autofahrer haben im vergangenen Jahr Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst auf der A 61 in Höhe Ringen behindert.

Dauerthema Rettungsgasse: Uneinsichtige Autofahrer haben im vergangenen Jahr Einsatzfahrzeuge von Feuerwehr und Rettungsdienst auf der A 61 in Höhe Ringen behindert.

KREIS AHRWEILER. Auf Autofahrer, die bei Unfällen keine Rettungsgasse bilden, kommen harte Zeiten zu. Das kündigte Heribert Hänzgen, Chef der Autobahnpolizei Mendig, im Gespräch mit dem GA an.

Denn künftig werden die Gassensperrer von Polizeihubschraubern aus per Video erfasst, und „dann hagelt es Anzeigen“. Gleichermaßen geht die Polizei gegen Gaffer vor, die Handyaufnahmen am Unfallort machen. „Da geht es um das Recht am eigenen Bild. Diese Fälle geben wir an die Staatsanwaltschaft weiter“, so Polizeichef Hänzgen, der auch die Unfallstatistik für seinen Bereich vorstellte.

973 Verkehrsunfälle haben sich im vergangenen Jahr im Zuständigkeitsbereich der Polizeiautobahnstation (PAST) Mendig ereignet. Davon wurden 636 Unfälle auf der A 61 mit den Zubringern A 571 (Sinzig) und 573 (Ahrweiler) sowie 337 Unfälle auf der A 48 registriert. Entgegen dem Landestrend – hier wurde ein Anstieg der Verkehrsunfälle um 2,3 Prozent registriert – ist bei der PAST Mendig ein Rückgang von 7,8 Prozent zu verzeichnen.

Auch bei den Unfällen mit Personenschäden gab es einen leichten Rückgang: von 120 auf 115. Ein Mensch wurde 2017 bei einem Unfall getötet, im Jahr zuvor waren es fünf. Ebenso ist die Anzahl der Schwerverletzten von 30 auf 27 und die der Leichtverletzten von 144 auf 138 zurückgegangen.

Die Autobahnpolizei Mendig ist zuständig für die A 61 vom Meckenheimer Kreuz bis Metternich sowie die A 48 vom Koblenzer Kreuz bis Ulmen. Insgesamt werden 102 Kilometer Autobahn betreut. Die tägliche Belastung der A 61 liegt bei 72.000 Fahrzeugen (22 Prozent Lastwagen), die der A 48 bei 31.000 Fahrzeugen (17 Prozent Lastwagen).

Hauptunfallursache ist, wie auch in den vergangenen Jahren, nicht angepasste Geschwindigkeit. 249 Unfälle oder 25,5 Prozent sind dieser Unfallursache zuzuordnen. An zweiter Stelle folgt mangelnder Sicherheitsabstand mit 21,5 Prozent und an dritter Stelle die Unfallursache Fehler beim Überholen mit 6,8 Prozent.

Anzahl der Verkehrsunfälle durch Alkohol leicht zurückgegangen

Im Berichtsjahr waren an 386 Verkehrsunfällen Lkw beteiligt. Gegenüber dem Vorjahr ist das ein Rückgang von 50 Unfällen oder 11 Prozent. Bei 283 Unfällen war Hauptverursacher der Lkw-Fahrer. Das bedeutet, dass 29,1 Prozent aller Unfälle bei der PAST Mendig durch Lkw verursacht wurden. Im Jahr zuvor waren es noch 32,6 Prozent. Bei 53 Verkehrsunfällen unter Beteiligung des Schwerverkehrs wurden 73 Menschen verletzt und ein Mensch getötet.

2017 wurden insgesamt zwölf Falschfahrer gemeldet. Davon fünf auf der A 48, einer auf der A 61, einer auf der A 571 und fünf auf der A 573. In zwei Fällen konnten die Falschfahrer ermittelt werden. Auf der A 48 kam es zu einem Unfall mit einem Falschfahrer. Dabei wurden zwei Menschen schwer verletzt. Zurückgegangen ist die Zahl der Unfälle mit Unfallflucht: von 213 auf 162. Die Aufklärungsquote hingegen sank von 32,4 auf 22,2 Prozent.

Die Anzahl der Verkehrsunfälle verursacht durch Alkohol, Drogen oder Medikamente ist im Vergleich zum Vorjahr leicht zurückgegangen. Wurde 2016 noch bei 21 Unfallverursachern Alkohol, Drogen oder Medikamente festgestellt, so waren es im Berichtsjahr 13 Fahrer. 99 Fahrzeugführer sind den Polizeistreifen aufgefallen, weil sie unter Einfluss berauschender Mitteln unterwegs waren. „Die höchste Alkoholkonzentration hatte ein Pkw-Fahrer mit 2,62 Promille. Auch wurde ein Motorradfahrer überprüft, der trotz 1,78 Promille noch fahren konnte“, sagte Hänzgen. 68 Fahrer standen unter Drogen, im Vorjahr waren es 61, 2015 „nur“ 31. „Dabei schrecken auch die Fahrer von Lastwagen mit 40 Tonnen Gesamtgewicht nicht davor zurück, unter Drogeneinwirkung zu fahren“, schimpft der Polizeichef.

Sein Fazit: „Trotz der positiven Entwicklung ist es auch zukünftig Ziel der PAST Mendig, die Hauptunfallursachen Geschwindigkeit und Abstand beim Überholen zu bekämpfen. Dafür hat das Land zusätzliche Blitzer und Abstandkontrollgeräte angeschafft, die verstärkt zum Einsatz kommen werden.“