Fotograf Walter Vollrath

Fotografien von Ahrweiler der 50er Jahre

AHRWEILER. Szenen aus der alten Kreisstadt, auf Zelluloid gebannt: Hans-Jürgen Vollrath präsentiert bei der Ahrweiler Kulturnacht im Weißen Turm Fotografien seines Vaters Walter Vollrath aus den 1950er Jahren. Sie erzählen von Wiederaufbau und Wirtschaftswunder dieser Zeit.

„Nicht Pest und Krieg, nicht Not und Brand, besiegten unsere Stadt, die alt, doch immer wieder jung, aufs neu geblühet hat.“ Wie keine anderen beschreiben diese Zeilen aus dem „Ahrweiler Lied“ von „Viechdokta“ Bubi Josten die Stimmung, die im Ahrweiler der 1950er Jahre herrschte. Eine Stimmung, die Pressefotograf Walter Vollrath in dieser Zeit auf Schwarz-Weiß-Fotos festhielt, die sein Sohn Hans-Jürgen am Samstag, 15. September, zur Ahrweiler Kulturnacht aus Anlass der erstmaligen Erwähnung von Arwilre vor 1125 Jahren im Güterverzeichnis der Abtei Prüm in der Stadtgalerie im Weißen Turm an der Altenbaustraße zeigt.

Ahrweiler in den Fünfzigern, das waren Wiederaufbau und Wirtschaftswunder. An der Kalvarienbergstraße standen noch die Notunterkünfte der ausgebombten Bürger, das Ahrtor lag in Trümmern, doch überall hieß es: „Wir leben noch.“

Tradition und Schützen gaben Halt

Es war die Zeit von Bürgermeister Christian Ulrich (1894-1969), ohne den es das heutige Stadtbild nicht geben würde. Denn er war es, der die Devise ausgegeben hatte: „Wer wieder in Fachwerk aufbaut, bekommt sein Holz aus dem Stadtwald.“ Weitblick angesichts der Folgen des zerstörerischen Krieges. Ulrich gehörte auch zu den Gründern des Heimatvereins, dem der Wiederaufbau des zerstörten Ahrtores am Herzen lag. Dafür spendeten selbst einst ausgewanderte Ahrweiler Bürger aus aller Welt gerne. Auch für die Statue der heiligen Barbara, die der Ahrweiler Bildhauer Hanns Matschulla schon 1951 für das Ahrtor anfertige, auch wenn dieses erst sechs Jahre später wieder in alter Pracht und Macht erstrahlte.

In den 50er Jahren brauchten die Menschen so etwas wie einen Anker. Für die Ahrweiler waren das ihre Tradition und damit auch die Schützen. Von den Nazis verboten, lebte das Brauchtum wieder auf, gipfelte 1953 in der großen 550-Jahr-Feier der Bürgerschützen mit Königsschießen im Ahrstadion. Das ging damals noch, denn die angrenzende Ramersbacher Straße war noch kaum bebaut, ein hölzerner Kugelfang reichte für die Sicherheit aus.

Polizei bemühte sich um neues Image

Apropos Sicherheit: Die Polizei residierte damals noch am Marktplatz, führte ein eher ruhiges Dasein, wenn nicht gerade ganze Sonderzüge aus dem Ruhrgebiet zum Winzerfest in der Altstadt einfielen. Die Schupos trugen auch keine Tschakos mehr, sondern Dienstmütze, bemühten sich eifrig, das Bild von Obrigkeit in das des Freundes und Helfers zu wandeln. Beispiel: die große Fahrradkontrolle der Schüler 1953 vor dem zerstörten Ahrtor. Und niemand fand etwas dabei, wenn die Wache für den Mittagstisch nebst kurzem Schläfchen auf dem heimischen Sofa mal anderthalb Stunden geschlossen war. Bei den wenigen Autos, die unterwegs waren, kam es höchstens in der Ahrhut und der Niederhut mal zu Staus. Das Wort Fußgängerzone stand in den Fünfzigern noch nicht im Duden.

Ein Brauchtum, das bis heute Bestand hat, begründeten damals die Junggesellen Ernst Heuwagen und Erich Kohlhaas. Ihnen ist zu verdanken, dass heute noch am Martinstag zusätzlich zu den Martinsfeuern riesige Fackelschaubilder an den Bergen rund um die Stadt leuchten.

Verdrängt wurde hingegen die Urheberschaft des Ahrweiler Winzerfestes. Da waren 1936 die Nazis die Initiatoren. Das hinderte jedoch die Ahrweiler nicht daran, es weiterhin zu feiern. Mit Burgundia, Festzug und allem Drum und Dran. Eitel Sonnenschein mit zumindest Anfang der 50er dem Zeitgeist entsprechenden pausbackigen Weinköniginnen. Der Tourismus, damals noch Fremdenverkehr genannt, wurde zum Standbein der Stadt.

Deren kirchliches Oberhaupt war Dechant Joseph Rausch, der mit seinen Schäfchen durchaus auch seine liebe Mühe hatte. So bei seiner Forderung, dass eine junge Frau, weil guter Hoffnung, gefälligst in Schwarz zu heiraten habe. Da hatte er die Rechnung ohne den Brautvater gemacht. Denn dieser bot dem Pfarrherrn, den Vorschlaghammer griffbereit, eine „spontane kostenlose Renovierung seines Pfarrhauses“ an. Da spielte schlagartig die Farbe des Brautkleides keine Rolle mehr.

Und ja, es gab auch ein „Nachtleben“ in Ahrweiler. Zumindest wenn die junge Frau nicht gerade in Bad Neuenahr auf Kurgästefang war.