Festakt und Vernissage

Eine Ansammlung elender Hütten im Bad Neuenahrer Rathaus

Bei der Ausstellung im Rathaus: Schultes Wilfried Sommer (von links), Hans-Jürgen Ritter und Birgit Laux. GAUSMANN

Bei der Ausstellung im Rathaus: Schultes Wilfried Sommer (von links), Hans-Jürgen Ritter und Birgit Laux. GAUSMANN

BAD NEUENAHR. Neuenahrs Ortsteil Wadenheim feierte die erste Erwähnung vor 1025 Jahren mit einem Jubiläumsfest. Die Ausstellung ist noch bis Ende Juli im Rathaus-Altbau zu bewundern.

Schon ein Vierteljahrhundert ist es her, dass in Wadenheim, einem der drei Orte, aus denen Bad Neuenahr entstand, das 1000-jährige Bestehen gefeiert wurde. Also gilt es, in diesem Jahr die 1025-Jahr-Feier zu begehen. Die fällt natürlich ein paar Nummern kleiner aus, als es beim großen Jubiläum 1992 der Fall war. Seinerzeit wurde, wie auch in diesem Jahr, nicht die Gründung, sondern die erste urkundliche Erwähnung gefeiert. Im Jahr 992 wurde schriftlich „ein Wildbann am rechten Ahrufer bei Vuadenheim“ vergeben.

„Eine Ansammlung elender Hütten und Zelte hat es hier vermutlich schon vorher gegeben“, drückte es Hans-Jürgen Ritter in seinem launigen Festvortrag aus, der Höhepunkt eines Festaktes zum Jubiläum am Samstag im Rathaus der Stadt Bad Neuenahr-Ahrweiler war. Nicht nur, weil dieses mitten in Wadenheim steht, hatte Bürgermeister Guido Orthen gerne die Schirmherrschaft über das Jubiläumsfest übernommen und den Sitzungssaal zur Verfügung gestellt. Orthen ist ein Verfechter des Erhalts der Traditionen in den einzelnen Stadtteilen.

Der Blick soll nach vorne gehen

Den Festakt würdigte er als „eine gemeinsame Reflexion der Geschichte“ und ermahnte die rund 80 Besucher, den Blick nach vorne zu richten. „Wer will schon in die Zeit von 1025 Jahren zurück, als es einigen wenigen gut und vielen schlecht ging?“, fragte das Stadtoberhaupt. Wilfried Sommer, der Schultes der Bürgergesellschaft Wadenheim, hatte den Neuenahrer Teil zuvor als einen Ortsteil mit eigenem Charakter bezeichnet, in dem die Menschen für Gemeinsinn und ehrenamtliches Engagement stehen. Den Wadenheimer an sich, früher und heute, die Gründer des Orts und die, die dort Geschichte schrieben, beleuchtete Hans-Jürgen Ritter in seinem kurzweiligen Festvortrag ganz besonders und aus ganz unterschiedlichen Blickwinkeln. Dabei gab es oftmals einiges zum Schmunzeln. So kommuniziere der Wadenheimer, der in früheren Tagen andauernd Streit mit den Nachbarorten hatte, heute noch wie ein Neandertaler. Kurz und knapp. Für die Herkunft des Namens Wadenheim hatte er eine neue Erklärung, „ad vadem“ bedeute im Lateinischen „an der Furt“. Es habe wohl eine solche in der Ahr gegeben, durch die ein Nord-Süd-Weg hin zur nahen Aachen-Frankfurter Heerstraße geführt habe.

Mit dem Festakt eröffnet wurde die Ausstellung „1025 Jahre Wadenheim“, die noch bis zum 28. Juli im ersten Stockwerk des Rathaus-Altbaus zu den normalen Öffnungszeiten besichtigt werden kann. Dort werden in Bilderrahmen und Vitrinen Stücke aus dem Wadenheimer Leben vor allem der jüngeren Vergangenheit gezeigt. Die alte Junggesellen-Fahne und das „Heulesbuch“ der Junggesellen sind zu sehen, der Philipp-Büchler-Pokal, der verdienten Wadenheimern in den ersten Jahren der Bürgergesellschaft verliehen wurde. Auf zahlreichen alten Fotos sind die mondänen Neuenahrer Hotels aus der Blütezeit des Kurbetriebs zu sehen, aber auch die 1938 zerstörte Synagoge, der Winzerverein oder der 1879 entstandene Bahnhof mit der elektrischen gleislosen Bahn davor, die bis 1917 Bad Neuenahr, Ahrweiler und Walporzheim ansteuerte.