Heimatvereins Alt-Ahrweiler

Die Brauchtumsgruppe wackelt

Die Brauchtumsgruppe des Heimatvereins steht auf dem Prüfstand.

AHRWEILER. Nach einer zunächst ruhig verlaufenden Jahreshauptversammlung des Heimatvereins Alt-Ahrweiler erlebten die 67 Mitglieder am Freitagabend teilweise hitzige, aber dennoch zumeist sachliche Diskussionen.

Im Mittelpunkt stand dabei die 2007 geschaffene Brauchtums- und Theatergruppe, die der Vorstand des Heimatvereins nach den Worten von Schriftführer Rolf Schmitz-Homberg "wohlwollend in die Selbstständigkeit entlassen wollte." Mit anderen Worten: man wollte sich von der Gruppe trennen, was der Vorstand bereits im Januar beschlossen hatte. Hierüber aber wollte Gisbert Stenz die Mitgliederversammlung informieren und deren Votum erbitten. Das erhoffte Votum jedoch blieb aus. Die Mitglieder sprachen sich weder für den Erhalt, noch für die Abschaffung der Gruppe aus. Es soll weitere Gespräche geben.

Was war passiert? Die "Chemie" zwischen Spielleiter Stenz und Rainer Sturm, dem Bindeglied der Gruppe zum Vorstand, stimmte nicht mehr, Kommunikation fand kaum mehr statt. "Es ist ein Verein im Verein entstanden, drückte Schmitz-Homberg die Entwicklung aus und wartete mit weiteren Vorwürfen auf: die Gruppe sei zu teuer, halte sich nicht an finanzielle Vorgaben, die Theaterstücke seien zu aufgebläht und am Vereinsleben beteilige sich die Gruppe auch nicht.

Zudem habe Gisbert Stenz im vergangenen Oktober seinen Rückzug als Spielleiter per Email erklärt, es habe somit nicht einmal mehr einen Ansprechpartner für die Gruppe gegeben. Das brodelnde Fass zum Überlaufen brachte nach Stenz? Aussage die Tatsache, dass die vereinbarte Bezahlung der Musiker unmittelbar nach der letzten Aufführung des Theaterstücks "Huh Zick em Städtche" nicht stattgefunden habe.

Mit den Aussagen konfrontiert reagierte die Versammlung sehr gelassen, zumal mit Matthias Becker ein Mitglied der Brauchtums- und Theatergruppe klare Worte fand: "Kultur gibt es nicht zum Nulltarif." Becker machte noch einmal klar, dass es "große Abspracheprobleme und menschliche Missverständnisse" gegeben habe und appellierte an die Versammlung, gegen die beschlossene Entlassung zu stimmen, zumal eine solche das Ende der Brauchtums- und Theatergruppe darstelle. Zu Abstimmung kam es nicht, weil die Versammlung ihr Votum verweigerte. Vielmehr gab es Applaus für den frisch im Amt bestätigten Vorsitzenden Wilbert Herschbach, der anregte, dass sich alle Beteiligten noch einmal an einen Tisch setzen, um die Dissonanzen zu klären.

Die Diskussion zum Ende der Versammlung überdeckte das viele Positive, dass der Heimatverein zu verkünden hatte. Wilbert Herschbach, seit sechs Jahren Vorsitzender, ließ die vielfältigen Aktivitäten des Vereins Revue passieren. Neben einem vollen Jahreskalender ist es heute in erster Linie die Dokumentationsstätte Regierungsbunker, die den Verein auf Trab hält. "Es ist eine der größten Aufgaben in unserer Vereinsgeschichte", so Herschbach.

Mittlerweile waren rund 390.000 Besucher im "Bunker", darunter auch 20.000 Schüler. 60 Mitarbeiter sind dort beschäftigt. Herschbach dankte bei diesen Zahlen Museumleiterin Heike Hollunder für ihr Engagement: "Sie ist ein Glücksfall für uns." Aktuell stehen die langwierigen Verhandlungen mit dem Eigentümer "BIMA" über den Bau eines Mehrzweckgebäudes im Vordergrund. Seit mehr als drei Jahre verhandelt der Heimatverein mit der Bundesbehörde über den Bau von Toiletten und einem Imbiss. "Ein unhaltbarer Zustand", so Herschbach.

Die Erfolgsgeschichte des "Bunkers" drückt sich auch in Zahlen positiv aus. Schatzmeister Bernd Schrading errechnete bei einem Jahresumsatz in 2012 von knapp 570.000 Euro einen Überschuss von mehr als 86.000 Euro, der zweckgebunden in die Kasse der BIMA fließe.

Nach der einstimmigen Entlastung des Vorstands gab es bei den Neuwahlen einzelner Vorstandsämter nicht eine Gegenstimme. So wurden Wilbert Herschbach als Vorsitzender und Schatzmeister Bernd Schrading ebenso für drei Jahre im Amt bestätigt, wie die Beisitzer Kurt Geller, Andreas Geschier, Hans-Georg Klein, Dominik Klein und Rainer Sturm. Für Franz Ulrich, der nach 42-jähriger Vorstandstätigkeit nicht mehr kandidierte, wurde Erich Nagel in ein Beisitzeramt gewählt.