RTL 2 dreht den "Trödeltrupp" in Bad Neuenahr

Das Geld liegt auf dem Platz an der Linde

KREIS AHRWEILER. Achim aus Bad Neuenahr rief und „Der Trödeltrupp“ kam. Einiges landete im Container, anderes auf einem Flohmarkt auf dem Platz an der Linde.

Was tut man nicht alles, um einmal ins Fernsehen zu kommen? Das Dümpelfelder Kreistagsmitglied Udo Stratmann, damals noch kein Regionalpolitiker, hat es sogar zwei Mal geschafft – in „Wetten, dass . . .?“. Für Frank Elstner hatte er Flüsse an ihren Verläufen erkannt, bei Thomas Gottschalk Menschen an ihrem Dialekt. Kinder einer Kripper Akrobatikschule trumpften bei „Klein gegen Groß“ mit Zwillingsrollen auf und Nonnenwerther Gymnasiasten zeigten Wissen bei „1, 2 oder 3“ im Kinderkanal.

Ein Dernauer hatte „in seinem früheren Leben“ ein Faible für Gerichtsshows und mimte mehrfach einen Zuschauer im Justizsaal, und ein Laienschauspieler aus der Kreisstadt klickt sich seit Jahren durch die einschlägigen Webseiten auf der Suche nach Statistenrollen. Und hatte auch schon mehrfach Glück.

Es gibt aber auch Leute, die für einen Auftritt richtig arbeiten müssen. Die kamen am Wochenende aus Niederzissen, Bad Neuenahr, Kempenich, Alfter und Neustadt/Wied. Es waren die „freiwilligen Helfer“ der RTL 2-Doku-Soap „Der Trödeltrupp“. Wobei es Regeln gibt. Denn wer sich bewirbt, sollte erstens im Umkreis des Drehortes wohnen und muss zweitens eine Zusage der Produktionsfirma bekommen. „Sonst gibt es außer dem Trödeltrupp-T-Shirt, einem Paar Arbeitshandschuhen und einem Imbiss nichts“, sagte eine junge Frau aus der Eifel dem GA. Sie machte mit, „weil ich Fan der Sendung bin und gerne helfe“.

Einen Hilferuf hatte denn auch Achim aus Bad Neuenahr an den Trödeltrupp gesandt. Dieser rückte mit kleiner Truppe im Heilbad an. Mit Trödelprofi Marco Heuberg. „Mauro und Sükrü kommen nur bei den ganz großen Einsätzen mit, kleine wie hier machen wir in Ein-Mann-Besetzung“, sagte Heuberg und „düste“ hupend mit einem Kleinbus samt Helferschar an einem Haus im Osten Bad Neuenahrs vor. Dass die Leute in den blauen T-Shirts nur 20 Meter entfernt erst eingestiegen waren, das bekommt das Fernsehpublikum später nicht mit. Auch nicht, dass die Container schon Tage vorher geordert wurden. Es soll ja schließlich alles echt aussehen. Live ist Achim, der dringend seinen Dachstuhl sanieren muss. Das „Geld“ dafür steht in seiner Garage und anderen Räumen. Denn Achim hatte von Floh- und Trödelmärkten meist oft mehr mitgebracht, als er verkauft hatte – Sammlerschicksal. So landete ein Großteil seiner gehorteten Sachen in Containern eines Ahrweiler Unternehmers.

Doch der Untertitel der Sendung, „Das Geld liegt auf der Straße“, sollte sich für ihn dennoch bewahrheiten. Allerdings nicht auf der Gass', sondern auf dem Platz an der Linde im Herzen von Bad Neuenahr. Dort war mit städtischer Genehmigung Achims Privat-Flohmarkt nicht nur Drehort, sondern auch Publikumsmagnet.

Achim packte richtig aus: Humpen, alte Schinken in Öl, Holzelefanten, ein Paar Skier anno dazumal, eine Nobel-Gastro-Kaffeemaschine aus den Siebzigern und ein Golfset, das schon bessere Tage gesehen hatte. Das Interesse war groß. Obwohl viele auch nur gekommen waren, um mal einen TV-Dreh zu sehen oder bei eben jenem „zufällig ins Bild zu kommen“. Das unterschied sie von den Trödel-Käufern, die, wie Achims Kassensturz später in der Sendung, deren Termin noch nicht steht, zu sehen sind. Da war eine schriftliche Einverständniserklärung bei der Regieassistenz fällig. Auch Soap-TV geht eben nicht ohne Bürokratie.