Mitgliederschwund beim Traditionsverein

Beuler Bürgerverein denkt an Fusion

Der Bürgerverein Beul serviert beim Sommerfest frische Waffeln.

Der Bürgerverein Beul serviert beim Sommerfest frische Waffeln.

BAD NEUENAHR. Eine Fusion mit den Bürgergesellschaften aus Wadenheim und Hemmessen zieht man im Beuler Bürgerverein in Erwägung. Denn jedes Jahr sinkt die Mitgliederzahl um rund 20 und Nachwuchs kommt nicht nach.

Eine Fusion der Neuenahrer Bürgergesellschaften zu einer großen Gesellschaft – das ist ein Thema, das derzeit zumindest die Verantwortlichen beim Bürgerverein im Ortsteil Beul umtreibt. Beim Beuler Treff, neben der Kirmes die größte Veranstaltung des Vereins, thematisierten der Vorsitzende Frank Jeub und sein Stellvertreter Heinrich Kohlhaas die Idee, die nach ihren Aussagen noch ganz am Anfang ist.

Das Fest selbst erfüllte seinen Zweck, nämlich das Zusammentreffen der Beuler Bürger, auch in diesem Jahr. Es gab Waffeln mit Kirschen und Sahne für die Leckermäuler, Würstchen für die Liebhaber des Herzhaften, Bier, Wein und Limonade und auf die Kinder wartete eine große Hüpfburg, die diese auch lebhaft nutzten. Raum und Zeit für Gespräche gab es zu genüge. Eigentlich schien alles in Ordnung, auch wenn vor allem am Abend doch viele Tische leer blieben. Hier könnten die „Schuldigen“ die Sommerferien und die Fußball-Weltmeisterschaft sein.

Aber so einfach macht es sich der Beuler Bürgervorstand nicht. „Wir sollten nicht die heile Welt kommunizieren, wenn es nicht so ist“, so Jeub. Kohlhaas wartete mit erschreckenden Zahlen auf.

Mitgliederzahl sinkt jährlich

Zwar habe der Verein noch rund 380 Mitglieder, aber vor drei Jahrzehnten, also in den Gründungsjahren, waren es 600. Jedes Jahr sinkt die Mitgliederzahl um rund 20. Alte sterben, Nachwuchs kommt nicht nach. Wer neu in der Stadt ist, geht eher in einen Sport- oder Musikverein. Die Ziele des Bürgervereins locken keine Neubürger und kaum Jugendliche, auch wenn das jüngste Vereinsmitglied erst sieben Jahre alt ist. Die Entscheidung zur Mitgliedschaft wird das Kind sicher nicht selbst getroffen haben. „Uns fehlt eine komplette Generation“, machte Kohlhaas mit Blick auf die 35- bis 55-jährigen klar. Und darum überaltert der Verein. „Viele Mitglieder kommen gar nicht mehr zum Beuler Treff, weil sie zu alt sind“, so die beiden Vorstände. Daher blieben auch die Tische leer. Und auch die Zahl der Helfer sinkt stetig.

Viele Lücken habe es in diesem Jahr im Arbeitsplan gegeben, so Kohlhaas. Wo einst 40 Bürger für ein rauschendes Zwei-Tage-Fest sorgten, kümmerten sich in diesem Jahr 15 Personen darum, dass die Gäste gut bewirtet und unterhalten wurden. Wobei sich die Unterhaltung auf Gespräche beschränken musste, denn Musik kann man sich nicht mehr leisten, schon gar keine Live-Musiker. Dafür wird der Vorstand immer mehr gefordert.

Homepage ist abgeschaltet

Jeub zählte auf: „Das Finanzamt sieht die Vereine heute unter ganz anderen Aspekten, die Verwaltung muss immer mehr Vorschriften auferlegen, und jetzt noch das Thema Datenschutz.“

Seine Vereinshomepage hat der Bürgerverein Beul abgeschaltet, zu lesen ist dort nur noch: „Auf Grund der neuen Datenschutzverordnung steht unsere Website bis auf Weiteres nicht mehr zur Verfügung, wir bitten um Ihr Verständnis.“ Die Lösung könnte eine Fusion der örtlichen Bürgervereine sein, zumindest wollen die Verantwortlichen in Beul dieses Thema nun vorantreiben. Die Zeit dränge, machte Jeub klar: „Wenn wir das nicht in den nächsten fünf Jahren schaffen, ist wahrscheinlich bald keiner der drei Vereine mehr da.“

Dass die Zusammenarbeit erfolgreich sein kann, beweist das Projekt des „Neuenahrer Maibaums“: Seit zwei Jahren stellen die Bürgergesellschaften aus Beul, Wadenheim und Hemmessen nur noch einen gemeinsamen Maibaum. Das gesellige Treiben rein in den Wonnemonat lockte dabei zwei Mal Hunderte von Gästen aus der gesamten Stadt an und bestätigte, dass der Kurs in die richtige Richtung geht.