1804 kamen an der Oberahr 65 Menschen ums Leben

Ahr-Hochwasser haben Geschichte

KREIS AHRWEILER. Hochwasser gab es jeher. In den Chroniken von der Ahr und Bruchtal sind viele Tote und eine private Spende Kaiser Wilhelms II. erwähnt.

Hochwasser gab es zu allen Zeiten. Sie haben Eingang in Chroniken von Dörfern und Städten gefunden, denn sie haben auch viele Menschenleben gekostet. An der Ahr und auch im Brohltal. Es waren sogenannte Jahrhundert-Ereignisse, deren schwerste sich stets im Monat Juni abspielten.

1910 kam es zur größten Hochwasser-Katastrophe, als an der Oberahr 52 Menschen starben und das Heilbad Neuenahr komplett unter Wasser stand. Wie kam es zu diesem Drama vor 106 Jahren? Es hatte wochenlang geregnet, der Boden nahm kein Wasser mehr auf. Dann gingen in der Nacht zum 13. Juni im Einzugsbereich von Trierbach, Ahrbach, Nohner Bach und Adenauer Bach mehrere Wolkenbrüche nieder. Die Ahr wurde wurde durch 33 Millionen zusätzliche Kubikmeter Wasser zum reißenden Ungetüm. Im damaligen Neuenahr stand das Wasser bis weit über den heutigen Platz an der Linde hinaus in der City. Zur Todesfalle wurden die Baracken der Arbeiter, die damals die Eisenbahnstrecke von Dümpelfeld nach Jünkerath bauten. Bei Antweiler wurde die Kantine Schober mit 40 Insassen fortgetrieben, obwohl sie hätte rechtzeitig geräumt werden können.

Der Wirt hatte sich aber dadurch täuschen lassen, dass das Wasser eine Zeit lang fiel. Das Todesurteil für die Arbeiter. Auch Arbeiter aus einer weiteren Kantine starben. Ein Wirt kam bei dem Versuch, seine Tochter zu retten, ums Leben.

Eine Adenauer Zeitung berichtete damals: „Ein Ingenieur sah sechs seiner Leute auf einem Giebel herantreiben. Dieser staute sich an einem Hindernis. Im nächsten Augenblick traf ein großer Klotz die Brücke. Mit tiefen Wehmut musste der Ingenieur diese ihm bekannten Leute, tüchtige Arbeiter, versinken sehen.“

Die meisten der Opfer des Hochwassers wurden am 15. Juni in Schuld und Antweiler in Massengräbern beigesetzt. Die Identifizierung der Opfer hatte sich schwierig gestaltet, da die Arbeiter in vielen Fällen aus anderen Kreisen oder aus dem Ausland kamen. Zehn Menschen kamen namenlos ins Grab.

Doch schon damals setzte schnell Hilfe ein. Bereits am Abend des Unglückstages rückte eine Kompanie des Rheinischen Pionierbataillons an. Die Soldaten waren für die Aufräumarbeiten abkommandiert worden – insgesamt 173 Mann mit fünf Offizieren. Sechs Tage nach dem Unwetter war die Straße nach Altenahr und weiter aufwärts wieder passierbar.

Altenahrer Tunnel zeigtHochwasserstand von 1804 an

Schon damals gab es große Hilfsbereitschaft. Bei einer Sammlung in der Rheinprovinz und den Nachbarprovinzen kam eine halbe Million Reichsmark für die Opfer zusammen. Kaiser Wilhelm II. spendete aus seiner Privatschatulle 10 000 Reichsmark. Der Gesamtschaden wurde damals von den Behörden auf 2,7 Millionen Reichsmark (heute etwa eine Kaufkraft von 27 Millionen Euro) geschätzt, denn an der gesamten Ahr, so auch in Dernau und Ahrweiler, waren die Brücken weggerissen worden. Aber auch in Bad Bodendorf klagt der Chronist: „Am Ahrbett machte das Wasser großen Schaden, so dass wohl ein vollständiger Neubau der Uferbefestigung notwendig wird.“ Übrigens: Noch heute zeigt eine Markierung am Straßentunnel von Altenahr den Stand des Hochwassers vom 13. Juni 1910 und 1804 an.

Die älteste Aufzeichnung stammt aus einem Ratsprotokoll der Stadt Ahrweiler:

1488 hat die Ahr vor dem Ahrtor eine Brücke weggerissen.

1582 wurde durch Hochwasser die Mühle in Bad Neuenahr beschädigt.

1687 riss der Fluss nach der Schneeschmelze zwei Brücken in Ahrweiler weg.

1761 wurde das Dorf Green, heute östlichster Teil der Kreisstadt, durch Hochwasser fast komplett zerstört.

1804 kamen beim Hochwasser an der Oberahr 65 Menschen ums Leben. 1859 (11. Juni) forderte ein ein Unwetter im heutigen Kreisgebiet 44 Menschenleben.