Hospiz-Verein Rhein-Ahr

280 sterbende Menschen in 2013 begleitet

Führungsteam: Therese König (von links), Hildegard Schneider, Sabine Heller, Claudia Wengenroth, Ulrike Dobrowolny und Ulla Berretz vom Hospizverein.

BAD NEUENAHR. Ihr Vater starb, und doch zeigte er in den Wochen und Monaten vor seinem Tod längst nicht nur Schwäche, sondern auch beeindruckende Stärke. Das ist nicht ohne Wirkung auf seine Tochter geblieben und war auch ein Grund für Claudia Wengenroth, das hauptamtliche Schwesternteam des Hospiz-Vereins Rhein-Ahr zu verstärken. Zum Welthospiztag hat sie sich vorgestellt.

Gleichzeitig lud der Hospiz-Verein zum Tag der offenen Tür in seine Begegnungsstätte an der Bad Neuenahrer Kreuzstraße ein, wo er über seine Arbeit bei der Begleitung schwerstkranker, sterbender und trauernder Menschen informierte. Wie wichtig es ist, sich im Leben frühzeitig Gedanken über die eigene Endlichkeit und die Zeit zu machen, wenn man sich vielleicht nicht mehr selbst richtig äußern kann, zeigte Vorstandmitglied Andreas Reuther in seinem Vortrag zum Thema Patientenverfügung und Vorsorgevollmacht auf.

Zur Einstimmung auf den Welthospiztag war am Morgen der Film "Blaubeerblau" im Kino-Center Rhein-Ahr gezeigt worden. Darin ging es um einen Architekten, der beruflich in ein Hospiz musste und schon vorher Angst vor der Begegnung mit den schwerstkranken Menschen hatte.

Seine Begegnung mit einem ehemaligen Schulkameraden und einer alten Frau, die dort ihre letzte Lebenszeit verbringen, macht aus ihm indes einen anderen, glücklicheren Menschen. Auch für Claudia Wengenroth war die Erfahrung des langsamen Sterbens ihres Vaters keine bloß schwermütige oder bedrückende. "Die Zeit war überhaupt nicht nur traurig, es gab auch viele schöne Stunden", erklärt die 48-jährige Mutter aus Berg. Seit 25 Jahren arbeitet sie als Krankenschwester.

Sie komme gut klar mit der Hektik und dem oft turbulenten Treiben in der Klinik, hat für sich aber als Ergänzung die ruhigere Tätigkeit als Palliativschwester entdeckt: "Kurze Abschnitte werden wichtiger. Ein erfüllter Tag kann für einen Sterbenden so viel sein wie ein ganzer Urlaub, und das Loslassen ist eine wichtige Erfahrung."

Sie begleitet gerne "Menschen in besonderen Lebenssituationen", und es erfüllt sie, "wenn jemand nicht mehr weiß, wie es weitergehen soll, mit ihm individuell Wege zu suchen und gemeinsam weiterzukommen". Wengenroth sieht sich zudem als Bindeglied zwischen dem betroffenen Menschen und dem Arzt.

Sie hat für die symptom- und schmerzorientierte Betreuung als Hospizschwester eine Palliativweiterbildung erhalten und wird für den gesamten Kreis Ahrweiler tätig sein, insbesondere zunächst aber das Team mit Therese König und Sabine Heller in Adenau unterstützen.

"Steigende Anfragen an den Verein nach Begleitungen haben die Einstellung einer zusätzlichen Hospizfachschwester unumgänglich gemacht", erklärt Ulla Berretz, geschäftsführendes Vorstandsmitglied des 755 Mitglieder zählenden Vereins. Die rund 40 speziell geschulten Ehrenamtler und jetzt fünf hauptamtlichen Fachschwestern haben dieses Jahr bereits rund 280 sterbende Menschen und deren Angehörige begleitet.

Der Verein will zudem mehr Menschen das Sterben "daheim" ermöglichen, und denen, die unter dem stetigen Wechsel von Aufenthalten in der Klinik und Zuhause leiden, stattdessen einen Ruheort in einem Hospiz.