Diskussion im Kreis Ahrweiler

Politikerinnen und die Quote

Frauen per Quote in Führungspositionen, der Weg dahin wird kontrovers gesehen.

KREIS AHRWEILER. Das Thema Frauenquote wird natürlich auch von Frauen kontrovers diskutiert. Und dass Frau dabei nicht wie ein Mann hinter Frau steht, wird deutlich, wenn die Meinungen der beiden großen politischen Frauenorganisationen im Kreis Ahrweiler, Frauen-Union (FU) und Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen (AsF), gegenübergestellt werden.

  • FU: Für die FU erklären die CDU-Kreistagsmitglieder Gabriele Hermann-Lersch und Ingrid Näkel-Surges unisono: "Der CDU-Bundesvorstand hat sich für eine feste Quote für Frauen in Aufsichtsräten ausgesprochen. Dies ist eine deutliche Weiterentwicklung des Parteitagsbeschlusses, der bereits eine gesetzliche Regelung für Aufsichtsräte und Vorstände vorsah.

    Das entspricht der Beschlusslage der Frauen-Union. Dafür haben wir seit 2010 gekämpft. Wir haben beim Thema Frauenquote nun eine große Geschlossenheit in der Union." Der Beschluss strebe an, dass vom Jahr 2020 an 30 Prozent der Aufsichtsräte in mitbestimmungspflichtigen sowie börsennotierten Unternehmen Frauen sein müssen.

    Dieser Vorschlag einer starren Quote soll in das gemeinsame Wahlprogramm von CDU und CSU aufgenommen werden. Bis 2020 soll der CDU-Parteitagsbeschluss einer "Flexi-Quote" gelten, die anstrebe, dass nicht nur die Aufsichtsräte, sondern auch die Vorstandsposten dieser Unternehmen per Selbstverpflichtung zu 30 Prozent von Frauen besetzt werden sollten.

    "Wünschenswert wäre es, wenn eine feste Frauenquote nicht durch Gesetz geregelt werden müsste. Dass bei Frauen die entsprechende Sachkompetenz vorhanden ist, steht ebenso außer Frage wie die Tatsache, dass Arbeitsprozesse in gemischtgeschlechtlichen Teams effektiver funktionieren.

    Aber die Arbeitswelt muss dies nun kurzfristig umsetzen und Konzepte zur Vereinbarkeit von Familien- und Erwerbsarbeit für beide Elterneile entwickeln und ausbauen, damit Frauen für die Aufgaben im Berufsleben und in Führungspositionen angesprochen werden können," sagen Gabriele Hermann-Lersch und Ingrid Näkel-Surges.
     
  • AsF: Die Arbeitsgemeinschaft sozialdemokratischer Frauen sieht das anders. Nur 13 Prozent der Aufsichtsratsposten seien mit Frauen besetzt. Rot-Grün habe in Berlin daher die Initiative zur Einführung einer gesetzlichen Frauenquote in diesen Gremien gestartet.

    Die Lantershofener SPD-Landtagsabgeordnete Petra Elsner, die auch Vorsitzende der AsF ist, zeigt sich empört: "Der Antrag wurde mit der Mehrheit von Union und FDP abgelehnt, obwohl sich im Vorfeld der Debatte etliche Frauen aus dem Regierungslager für eine feste Quote ausgesprochen hatten."Die "Flexi-Quote" hat in den vergangenen Jahren kaum Frauen in Führungspositionen gebracht.

    Elsner: "Sie ist ein untaugliches Instrument, wie die Realität beweist. Nun ist es Zeit für eine gesetzliche Quote, damit endlich kompetente und hochqualifizierte Frauen, auch zum Wohl der Wirtschaft, in Spitzenpositionen angemessen vertreten sind." Sie habe vergeblich darauf gehofft, dass sich die Politikerinnen in der Union und der FDP im Bundestag für berufstätige Frauen stark machen würden.

    "Die CDU-Fraktionsvorsitzende im Landtag, Julia Klöckner, und ihre Kollegen aus dem CDU-Bundesvorstand haben die Frauen aus der Regierungskoalition dazu verdonnert, gegen ihr Gewissen abzustimmen", kritisiert Elsner, die auch frauenpolitische Sprecherin der SPD-Landtagsfraktion ist. "Man hätte konkret etwas für die Frauen tun können, aber der Regierungskoalition war der Spatz auf dem Dach anscheinend mehr wert als die Taube in der Hand."

    Die SPD-Frauen im AW-Kreis sehen im Ausgang der Abstimmung ein Zeichen dafür, dass die "Interessen von berufstätigen Frauen in der derzeitigen Regierungskoalition in Berlin keine Rolle spielen".