Evaluierungsbericht zum Grünen C

"Ziel erreicht, Freiräume gesichert"

BONN/RHEIN-SIEG-KREIS. Rüdiger Wagner hält zwei Schautafeln hoch. Die eine Karte zeigt die Struktur der Region aus dem Jahr 1975, die andere von 2001. "Da können Sie mal sehen, wie sehr sich das Rot ausgedehnt hat", sagt der Bonner Umweltdezernent. Das Rot steht für den Siedlungsraum, und der hat tatsächlich viel Grün und Gelb, also Natur und Landwirtschaft verdrängt.

Und genau darum gehe es beim so umstrittenen Projekt "Grünes C". Wagner und seine Kolleginnen und Kollegen aus den anderen fünf Kommunen flankierten die beiden Projektleiter des Evaluierungsberichts zum Grünen C, André Simon von der BKR Aachen und Manfred Lieber (Lieber Planung).

Jetzt, da das Projekt abgeschlossen ist, legten die beiden einen umfangreichen Bericht darüber vor, ob die Ziele des interkommunalen Regionale 2010-Projekts erreicht worden seien.

Die Antwort der beiden war ein deutliches Ja. Den einzigen Schwachpunkt bei dem Projekt sahen die beiden Berichterstatter in der Öffentlichkeits- und Kommunikationsarbeit. Da hätten es die Kommunen - Bonn, Alfter, Bornheim, Niederkassel, Troisdorf und Sankt Augustin - einfach versäumt, "Verständnisprobleme" in der Bevölkerung zu mindern. In der Tat sehen auch die Gutachter einige Schwächen im "in Teilen schwer verständlichen Wegweisungssystem". Der ein oder andere Hochstand, gab Lieber zu, habe ihn auch verwundert.

Dennoch: Für die Gutachter ist das Projekt Grünes C in seiner Gesamtheit ein gelungenes Projekt, die Freiräume in einer sehr dynamischen Region zu sichern und für die Bevölkerung erlebbar zu machen. Angesichts der Kosten von 18,6 Millionen Euro seien das gerademal 50 Cent für jeden geschützten Quadratmeter.

Die Erfahrung der Evaluierer: Die Akzeptanz der Bevölkerung für das Projekt war hoch - wenn die Bürger an einer Führung teilnahmen. Ihre dringende Empfehlung an die kommunalen Vertreter: öffentlichkeitswirksame Aktionen durchzuführen.

Daran hat indes noch niemand gedacht. Die Vertreter verwiesen auf die Angebote von Wandervereinen oder des ADFC. Außerdem, so David Baier von der Stadt Bonn, wollte man ja erst einmal den Evaluierungsbericht abwarten. Zudem müsse sich das Projekt bei den Bürgern auch noch etablieren.

Nein, betonte Sankt Augustins Erster Beigeordneter Rainer Gleß, er wolle ja nicht in "Rechtfertigungsmodus" verfallen, aber solch ein Projekt wie die integrative Gartenanlage in seiner Stadt wäre ohne die finanziellen Mittel aus dem Grünen C nicht möglich gewesen. Das gelte auch für das Herausarbeiten der Villa Fortuna in Bornheim, die Neugestaltung der Mondorfer Fähre, den Wanderparkplatz in Bergheim, das Green Gardening und den Spielplatz in Buschdorf und andere Projekte auch.

Solche Dinge würden von den Bürgern als selbstverständlich angenommen, aber bei der Kritik am Grünen C würde man sich lediglich an den Gestaltungselementen festhalten und diese als Steuerverschwendung hinstellen. Gleß und seine Kollegen empfinden das als ungerecht, die Öffentlichkeit sehe die wirklichen Errungenschaften, wie eben die Freiraumsicherung, nicht.

So sehr die Gutachter die schlechte Kommunikation nach außen kritisieren, so sehr loben sie das Engagement vieler Beteiligter in den kommunalen Verwaltungen. Und: Das Projekt Grünes C sei ein Beispiel für gelungene interkommunale Kooperation. Der nächste Schritt könnte eine gemeinsame Flächennutzungsplanung sein, so Simon und Lieber.

Das Projekt Grünes C

18,6 Millionen Euro wurden für das Projekt Grünes C ausgegeben - davon kamen 9,3 Millionen von der EU, 2,3 Millionen vom Bund, 3,3 Millionen vom Land, 3,7 Millionen von den sechs Kommunen. Mit dieser Investition sollte auf einer Fläche von rund 35

Quadratkilometern zwischen Bonn und Sankt Augustin ein Naherholungsraum gesichert, neun Landschaftsräume besser erlebbar gemacht und durch das durchgängige Wegesystem des "Link" vernetzt werden, heißt es. Das Grüne C stellte die verschiedenen einzelnen Kulturlandschaften in einen regionalen Zusammenhang.

"Mit der Verbindung über den mehr als 60 Kilometer langen ,Link' einschließlich des Leuchtturmprojekts Mondorfer Fähre gelang auch der Brückenschlag zwischen rechts- und linksrheinischen Landschaftsteilen", so die Gutachter. Es besteht eine 20-jährige Zweckbindungsfrist, das heißt, dass die sechs Kommunen verpflichtet sind, den Freiraum zu erhalten und die Anlagen zu pflegen.

Sind Sie auch der Ansicht, dass sich die Investition gelohnt hat? Was denken Sie über das Grüne C? Kommentieren Sie direkt unter dem Artikel oder senden Sie eine Mail an bonn@ga-bonn.de