Bahnhof in Rhöndorf

Wartesaal komplett mit Stahlplatten verrammelt - Kunden stehen im Regen

Mit Stahlplatten hat die Bahn das ehemalige Rhöndorfer Bahnhofsgebäude samt Wartesaal gesichert.

RHÖNDORF. Bahnhofsgebäude sind vielerorts keine Schmuckstücke mehr, daran haben sich Bahnreisende längst gewöhnt. In Rhöndorf haben wartende Fahrgäste allerdings seit Kurzem nicht mal mehr ein Dach überm Kopf: die Deutsche Bahn AG hat das ehemalige Bahnhofsgebäude nebst Wartesaal komplett mit Stahlplatten verrammelt.

Als Grund für die Schließung nennt ein Bahnsprecher Vandalismus. Immer wieder wurden in letzter Zeit Fenster und Türen eingeschlagen und Wände mit Farbe und Graffiti beschmiert. Das war anders, als es in Rhöndorf noch einen Fahrdienstleiter gab, der seine Diensträume ebenfalls in dem Bahnhofsgebäude hatte. Im Dezember 2011 wurde der Posten allerdings abgeschafft, da auf der Strecke nun alles aus der Ferne gesteuert wird.

In der Tat sei der jetzige Zustand nicht zufriedenstellend, das musste selbst die Bahn zugeben. Wie ein Sprecher auf Anfrage des GA mitteilte, ist noch ungewiss, was in Zukunft mit dem Gebäude geschieht. Da es nun keinen Zweck mehr hat, "ist auch ein Abriss nicht ausgeschlossen". Fest steht aber wohl, dass sich Fahrgäste noch eine ganze Weile an der silbernen Fassade erfreuen dürfen. Immerhin soll in absehbarer Zeit ein neues Wetterschutzhäuschen auf dem Bahnsteig errichtet werden. Wann genau, konnte der Sprecher allerdings nicht sagen, da erst die Finanzierung geklärt werden muss. "Wir hoffen aber, dass dies noch vor der nächsten kalten Jahreszeit sein wird."

Dafür will sich auch die neue Initiative gegen Bahnlärm einsetzen. Deren Vorsitzender Gerd Kirchhoff reagierte mit Entsetzen auf das Vorgehen der Bahn. "Als ich 1979 nach Bad Honnef zog, konnte man im Bahnhof Rhöndorf noch Fahrkarten kaufen, Expressgut und Koffer aufgeben. Dann wurden über die Jahre das Expressgut und die Kofferaufgabe abgeschafft - für einen touristischen Ort wie Rhöndorf mit Adenauerstiftung und Drachenfels ein echter Verlust für Bahntouristen", ärgert er sich.

Und es kam noch schlimmer: "Danach konnte man Fahrkarten nur noch bar bezahlen." Begründet worden sei dies auf einem einem Schild mit den Worten "Wegen der Umstellung auf moderne Technik ist ein Bezahlen mit EC-Karte leider nicht mehr möglich - Wir bitten um Verständnis!"

Später habe man dann überhaupt keine Fahrkarten mehr kaufen können "und muss nun am bedienerunfreundlichen Automaten lernen, wie man eine Fahrkarte kauft. Und wenn man dann nach 14 Einzelschritten zur Auswahl der Fahrkarte ans Bezahlen kommt, funktioniert der EC-Kartenleser nicht", empört sich der Bahnlärmgegner.

Als Zumutung empfinden es viele Menschen, dass der Bahnhof immer noch nicht barrierefrei ist. Die Landesregierung schiebt die alleinige Zuständigkeit hierfür der Bahn zu. Unter anderem sind viele der 130 Schüler des Nell-Breuning-Berufskollegs in Rhöndorf auf die barrierefreie Erreichbarkeit ihrer Schule angewiesen.