Wanderer kollabiert: Rettungseinsatz in der Wahnbachtalsperre

Ein 75-jähriger Wanderer bricht im unwegsamen Gelände zusammen - Rettungshubschrauber landet in der Talsperre - Retter haben Probleme, ihn zu erreichen - Wachmann zählt an manchen Tagen bis zu 300 Schaulustige auf dem Damm

Siegburg. Die Vorfälle mit Schaulustigen auf der Baustelle und im geleerten Stauraum der Wahnbachtalsperre reißen nicht ab: Am Donnerstag gegen 19.45 Uhr wurden Polizei und Siegburger Feuerwehr zu einem Notfall im Staubecken oberhalb der Derenbachtalbrücke gerufen: Ein 75-jähriger Mann hatte einen Herzanfall erlitten.

Im unwegsamen Gelände konnten die Retter aber zunächst nicht helfen. Daher musste Rettungshubschrauber "Christoph 3" an der Unfallstelle landen. Besucher auf der Aussichtsplattform unmittelbar am Damm waren auf den Notfall aufmerksam geworden und meldeten um 19.48 Uhr der Rettungsleitstelle, dass sie Hilferufe gehört hatten, berichtete Polizei-Pressesprecher Burkhard Rick.

Nachdem Polizisten und Wehrleute unter großen Mühen die Einsatzstelle erreicht hatten, gelang es der Besatzung von "Christoph 3" den Mann aus dem Hang oberhalb der Derenbachtalbrücke zu bergen und in die Unfallklinik Köln-Merheim auszufliegen.

Wie sich erst später durch eine Vermisstenmeldung um 21.17 Uhr herausgestellt habe, so Rick, handelte es sich bei dem 75-Jährigen um "die Vorhut einer Wandergruppe". Da es offensichtlich versäumt worden sei, die Information über die Rettung des Mannes weiterzugeben, sei anschließend noch eine Suchaktion mit Handypeilung, Suchhunden und einem Hubschrauber gestartet worden.

Für Peter Jarosch, Mitarbeiter einer Mechernicher Sicherheitsfirma, die der Wahnbachtalsperrenverband (WTV) mit der Bewachung der Baustelle beauftragt hat, passt der Vorfall ins Bild: Täglich bis zu 300 Neugierige zählt Jarosch allein an Wochenenden auf der Baustelle.

Sie kommen in Scharen, entweder als Fußgänger, Jogger oder Mountainbiker, die ihre Drahtesel über die Absperrung gehoben haben. Er kann das sogar anhand seines Logbuchs, in dem er alle Vorfälle penibel notiert hat, belegen: "Am vergangenen Sonntag hat es jede Stunde zwischen 7 und 19 Uhr einen Vorfall gegeben."

Für Ermahnungen, dass das Betreten verboten und gefährlich ist, "haben die Leute oft nur ein Lachen übrig", so der Wachmann. "Es klettern sogar Eltern mit ihren Kindern in dem steilen Geröllhang oberhalb des Wasserturmes auf Happerschosser Seite herum." Viele Schaulustigen würden sich überhaupt nicht klar machen, dass in dem schwer zugänglichen Gelände schnelle Hilfe schwierig ist.

Auch WTV-Bauleiter Andreas Venzke warnt vor den Gefahren. Vielerorts sei der Boden immer noch äußerst morastig. Allein die Begehung der alten Wahnbachtalstraße könne man "dulden", so Venzke: "Aber auf eigenes Risiko." Nicht zu unterschätzen sei gerade an schwülen Sommertagen, dass "im Stauraum die Luft steht."

Kollabiert dann ein Neugieriger, ist die Rettung oft schwierig: "Da es sich bei der Wahnbachtalsperre um ein Trinkwasser-Reservoir handelt, sind alle Zufahrten mit Schranken abgeriegelt", so Venzke.