Vom Raubritter zum Kapellenstifter

Löwenburg: Faszinierende Fundstücke, Fotografien und Werke Honnefer Künstler widmen sich Honnefs Hausberg zum 800. Geburtstag - Helmut Herles: Sie hat sich mehr Ursprünglichkeit bewahrt als der Drachenfels

Bad Honnef. Es war bei einem Spaziergang. Auf dem Gelände der Löwenburg. Da stolperte Karl Günter Werber regelrecht über das Fragment eines Kanonenrohrs. Es stammte aus der Zeit um 1480. Der Honnefer Buchhändler stiefelte noch öfter über das Terrain der Löwenburg, als jene noch tief im Dornröschenschlaf lag.

Dabei stieß er auf weitere Teile. Etwa Bruchstücke eines Dachziegels und den Spielstein eines Brettspiels aus der Römerzeit. Den gusseisernen Fuß von der Einfassung eines Kachelofens oder gar ein mittelalterliches Vorhängeschloss aus Eisen fand der Heimatkundler damals.

Erst mit den 1980 einsetzenden Ausgrabungen wurde die Löwenburg wachgerüttelt. Jetzt, zu ihrem 800. Geburtstag, sind eben diese Fundstücke Werbers im Kunstraum am Rathaus zu sehen. Und nicht nur sie: Der Verein zur Förderung von Kunst & Kultur in Bad Honnef hat eine bemerkenswerte Ausstellung zusammengetragen, die der Vorsitzende Werner Osterbrink jetzt im Beisein von Bürgermeisterin Wally Feiden und Ehrenlandrat Franz Möller eröffnete.

Ach was, Ausstellung: Regelrechte Löwenburg-Festwochen werden das bis zum 26. Juni, bei der nicht nur die Sujets zu bewundern sind, sondern auch mehrere Vorträge stattfinden. Den Appetit machenden Auftakt lieferte der Chefkorrespondent des General-Anzeigers, Helmut Herles, mit seinem Festvortrag.

Zuvor aber stellte Osterbrink einen "Schatz" vor: das Buch "Die Löwenburg" von Wilhelm W. Hamacher. Der Verein zur Förderung von Kunst & Kultur hatte es sich mit Unterstützung der Stadtsparkasse und unter fachlicher Hilfe der Rheinbreitbacher Heimatkennerin Martina Rohfleisch zur Aufgabe gemacht, das Manuskript des im vergangenen Jahr verstorbenen Heimatforschers in Buchform zu bringen.

Das erste Exemplar überreichte Osterbrink denn auch der Witwe des Autors, Irene Hamacher. Mit dem Werk sei Hamacher nach akribisch geführten Untersuchungen eine in sich geschlossene Darstellung der Burg und ihrer jeweiligen Herren gelungen, lobte Osterbrink.

Nicht etwa ein reines Zahlenwerk erwartet den Leser der 200 Seiten. Der Verfasser hat mit fast jedem Datum interessante Ereignisse verbunden. Die rätselhafte Vergangenheit der Burg, ihre Vorgeschichte bis zum Jahr 1138, schildert Hamacher genauso penibel wie die folgenden Phasen bis hin zur Ruinenromantik.

Einige Texte und Bilder aus dem Buch sind auch in der Ausstellung zu finden. Ebenso wertvolle Stiche, ein von Waltraud Heister-Cornelius gestickter Wandbehang mit der Abbildung eines Herren von der Löwenburg und ein Modell der Burganlage, gefertigt von Ingenieur Walter Irmgartz. Da staunte Wally Feiden nicht schlecht über die Freizeitaktivitäten ihres Mitarbeiters aus dem Bauamt.

Auch aktuelle Kunst zur Löwenburg gibt es im Kunstraum. Der Verein hatte zehn namhafte Künstler aus Bad Honnef gebeten, Bilder über die Löwenburg zu schaffen. Interessant alle. Aber ein Beispiel: der Linolschnitt von Angelina Konrad, der auf so genannten Weinfilterschichten gefertigt wurde, dem zelluloseähnlichen Stoff, durch den der Wein fließt, bevor er in die Flasche gefüllt wird. Das ist quasi die gefilterte Sicht auf die Welt, in diesem Falle auf die Löwenburg und außerdem auf einen neben die Ruine postierten Fotografen.

Fotos: Ja, auch diese sind zu sehen, alte und neue. Etwa die großformatigen vom Bonner Fotografen Axel Thünker. Sie sind schon beste Werbung für den 455 Meter hohen Honnefer Hausberg als Touristenattraktion. Einige ihrer Akzente hob Helmut Herles in seinem interessanten Vortrag hervor: die Löwenburg mit ihrem Fernblick, die im Gegensatz zu ihrer berühmten Nachbarin, der Drachenburg, ursprünglicher geblieben sei.

Der Kenner des Siebengebirges widmete sich zwei Gestalten, zwei Rittern, die beide Heinrich hießen: Heinrich III. von Sayn, dem edlen Ritter, dessen Bild sogar im Nürnberger Nationalmuseum gezeigt wird und der Bedeutung erlangt hat im Kampf gegen die Inquisition. Und jenem schwarzen Ritter, diesem Heinrich von der Löwenburg, der um 1310 die Kölner drangsalierte. 1335, so Herles, machte der Raubritter seinen Frieden mit der Stadt Köln und dem Erzbischof und wurde sogar zum Kapellenstifter. Schließlich zitierte Helmut Herles den Dichter Wolfgang Müller von Königswinter: "Es ist die Löwenburg, die ich erstieg, die stets das liebste Ziel von meinen Gängen." Keine schlechte Empfehlung. Zumal im Jubiläumsjahr.