Stadt Bonn lässt Berliner im Regen stehen

Unverheiratete Neubürger werden beim Ummelden zum Erstwohnsitz in Bonn gezwungen - In der Region ist man großzügiger

Bonn. Als "unfreundlichen Akt" betrachten viele Berliner die Art, wie die Stadt Bonn sie empfängt. Denn Singles, die des Jobs wegen herziehen, müssen beim Ummelden ihren Hauptwohnsitz in Bonn nehmen. Doch wer das tut, fürchtet folgende Konsequenzen: Dann werden die "Pendler"-Vorteile gestrichen, womit der Mietzuschuss verloren geht und vor allem die kostenlose Heimreise jedes Wochenende nach Berlin. Der Hintergrund: Wer den Erstwohnsitz in Bonn nimmt, gilt dem Vernehmen nach als "umgezogen" und nicht mehr als Pendler.

Für diejenigen, die jedes Wochenende nach Berlin fahren, ist das ein echtes Ärgernis. Es ließe sich beseitigen, wenn die Stadt Bonn ihnen beim Ummelden den Zweitwohnsitz zugestehen würde. "Das ist aber nicht möglich", sagt Kurt Dombrowski, Leiter des Bonner Bürgeramtes. Entscheidend sei der Lebensmittelpunkt. Und wer fünf Tage pro Woche in Bonn sei, müsse dort seinen Hauptwohnsitz anmelden. Dombrowski: "Wir halten uns nur an die Meldegesetze."

Doch was in Bonn nicht möglich ist, geht jenseits der Stadtgrenzen sehr wohl. Peter Eich, Leiter des Bürgerbüros in Rheinbach: "Hier ist das kein Problem, die Leute sind uns auch mit Zweitwohnsitz willkommen. Wir machen kein Kreuzverhör nach dem Lebensmittelpunkt." Auch sein Kollege in Meckenheim, Hans-Karl Müller, macht keinen Aufstand: "Wenn mir glaubhaft gemacht wird, der Lebensmittelpunkt ist noch in Berlin, akzeptiere ich das."

Gängige Praxis ist diese Auslegung des Meldegesetzes auch in Alfter. "Grundsätzlich soll die Hauptwohnung natürlich hier sein," meint Hans Gimnich, Leiter des Ordnungsamtes, "aber man könnte eine Nebenwohnung in Alfter anmelden, wenn nachgewiesen wird, die vorwiegend benutzte Wohnung ist in Berlin und man lebt auch zur Hälfte dort." Das müsse aufs Jahr umgerechnet werden, also inklusive Urlaub. In jedem Fall sei eine Einzelfallprüfung notwendig.

Dass im Umland so großzügig verfahren wird, kümmert die Bonner nicht. "Wenn andere es anders machen, ist das für mich kein Grund, in Bonn etwas zu ändern", meint Dombrowski. Menschlich könne er die Probleme der Betroffenen nachvollziehen. "Aber ich bin nicht der Verursacher des Problems", so der Bürgeramtsleiter. "Wer den Bonn/Berlin-Ausgleich geschaffen hat, hätte darauf Rücksicht nehmen müssen."

Aus dem Stab des Umzugsbeauftragten verlautete zwar: Die formalen Meldekriterien sind für die Pendel-Zuschüsse nicht entscheidend, sondern die Frage, ob die bisherige Wohnung beibehalten wird. Aber davon wissen die Neu-Bonner in den umgezogenen Behörden noch nichts. Ihnen ist offenbar mitgeteilt worden, die Frage des Zweitwohnsitzes sei entscheidend für die Pendler-Regelung. Warum sonst hätte es in der Frage schon Termine von Personalvertretungen einzelner Behörden mit dem Bonner Bürgeramt gegeben? Ohne Ergebnis übrigens.

Bevor die betroffenen Neu-Bonner ihre Pendel-Vorzüge riskieren, tricksen sie lieber herum. "Wir umgehen das Problem und melden uns einfach gar nicht in Bonn an", sagte eine Frau ohne schlechtes Gewissen: "Denn ein Normalverdiener kann sich den Verlust der Pendler-Regelung doch nicht leisten." Ein weiterer Berliner, der neu in Bonn ist: "Andere versuchen, eine Wohnung im Umland zu bekommen."

Sollte wirklich der Verlust der auf zwei Jahre angelegten Pendler-Vorzüge drohen, gäbe es eine weitere Möglichkeit: Heiraten. Denn wenn der Ehepartner noch in Berlin ist, erkennt auch die Stadt Bonn an, dass der Lebensmittelpunkt an der Spree ist. Dombrowski: "Bei Singles spielt die Freundin in Berlin keine Rolle."

Umgekehrt ist es für Bonner in Berlin durchaus möglich, sich nur mit Zweitwohnsitz anzumelden. Allerdings wird dort eine Zweitwohnungssteuer erhoben.