Rheinbreitbacher Wasserburg wird zum idyllischen Kleinod

Eine der ältesten Wasserburgen zeigt Konturen - Grundmauern des mittelalterlichen Gebäudes freigelegt - Im Mai 2009 soll Platz an der Unteren Burg neu gestaltet sein

Rheinbreitbach. "Was soll ich hier denn machen?" Ziemlich fassungslos stand Jutta Hundhausen im Dezember 2006 vor dem Erdhügel hinter der Rheinbreitbacher Kirche, aus dem zahllose Baumstümpfe herausragten. Mit der Dokumentation der Sanierungsarbeiten an der Unteren Burg, einer der ältesten Wasserburgen des Rheinlands, war die junge Architektin von der Mainzer Denkmalbehörde beauftragt worden.

Aber von einem mittelalterlichen Gebäude war damals weit und breit nichts zu sehen. "Meine Skepsis ließ immer mehr nach. Die Mannschaft des Projekts »Trockenmauerbau« hat ganz hervorragende Arbeit geleistet", erinnerte Hundhausen im Burghotel Ad Sion. Dorthin hatte der Heimatverein eingeladen, um das Projekt "Untere Burg" vorzustellen.

Die Untere Burg war der Sitz der Herren von Breitbach, erklärte Vereinsvorsitzender Bernd Hamacher. Und diese rheinische Adelsfamilie war im Mittelalter einflussreich, wie ihre zahlreichen Mitglieder belegen, die als hohe kirchliche Würdenträger auftauchen.

"Durch geschickte Heiratspolitik waren die Herren von Breitbach dann im 17. und 18. Jahrhundert mit fast allen Kurfürsten von Trier und Mainz verwandt", berichtete Hamacher. Und mit Emmerich Joseph von Breidbach zu Bürresheim, der 1763 auf den Stuhl des heiligen Bonifazius gehoben wurde, stellten sie dann selber den Kurfürsten von Mainz, der als deutscher Reichskanzler am 3. April 1764 Joseph II. in Frankfurt zum Kaiser krönte.

Da hatte das Adelsgeschlecht seinen bescheidenen Stammsitz in Rheinbreitbach, der erstmals in einem Lehnsbrief 1276 erwähnt wird, längst Richtung Nettetal verlassen und logierte ab 1473 auf Schloss Bürresheim. "Die Untere Burg bestand ursprünglich nur aus dem massiven, von einem Wassergraben umgebenen Turm im Osten, wie die Anbauten ohne Mauerverbund belegen" berichtete Hundhausen.

In einer zweiten Bauphase wurde dann der lange Westtrakt vorgebaut. Später folgten ein Wirtschaftsraum im Nordosten und ein kleiner Anbau, wohl eine Kapelle mit Kreuzgratgewölbe, und der Schlussstein im Anschluss an den runden Turmaufgang. In den 60er Jahren hat man das sehr baufällige Gebäude eingerissen. Mühsam und mit äußerster Vorsicht habe sich das Sanierungsteam durch den hohen Schuttberg vorgearbeitet, den Hundhausen zuvor in "Fundfelder" eingeteilt hatte.

"Weit über 200 Fundstücke konnten wir sichern, darunter ein Gesims mit Stern- oder Diamantfries aus der 1. Hälfte des 13. Jahrhunderts", berichtete die Architektin. Daneben konnten Steinfragmente aus Trachyt und Tuffbasalt geborgen werden, so gekehlte Fensterabschlüsse und Gewändesteine. Und auch ein Stück der Wendeltreppe gab der abgetragene Schuttberg preis.

"Die werden wir an Ort und Stelle wieder einbauen, während andere Fundstücke in Glasfenstern in der Mauer ausgestellt werden, durch die man von der Westerwaldstraße aus auf das Bodendenkmal sehen kann", berichtete Markus Fehlinger, der mit der Gesamtleitung des Projekts beauftragte Architekt.

Von der ursprünglichen Mauer, die wegen der Verbreiterung der Straße in den 70er Jahren abgerissen worden war, kündet heute nur noch der große Torbogen gegenüber des Kirchenchores.

Anschaulich demonstrierte Fehlingers Fotoschau, wie die Mauerreste der Burg Zentimeter um Zentimeter aus dem Schuttberg heraus gearbeitet worden waren. "Wir sind nur von einem niedrigen Mauerstreifen ausgegangen. Aber jetzt können wir sogar die Grundrisse der einzelnen Räume in verschiedenen Ebenen wieder zeigen", so der Architekt.

Dabei ist die Burgruine nur der zentrale Teil des Gesamtprojekts, das sich vom Torbogen bis hin zum Parkplatz an der Dahmen-Halle erstreckt.

Im Westen entsteht ein Platz, der von Dauerparkern verschont bleiben soll. Dafür werden Parkplätze für Anlieger geschaffen. Von der Ruine, die zumindest im Osten und Süden von einem Wassergraben umgeben wird, steigt das Gelände, in dem ein kleiner Pavillon Platz findet, zum neu gestalteten Parkplatz der Dahmen-Halle an. "Bis Ende des Jahres könnten die meisten Arbeiten abgeschlossen sein, wir planen aber die Eröffnung sicherheitshalber für Mai 2009 ein.

Dann aber wird Rheinbreitbach ein schönes Zentrum haben, das, eingefasst vom Gesindehaus der Burg, den Fachwerkhäusern der Westerwaldstraße und der Kirche, ein idyllisches Ambiente zum Verweilen bieten wird", war sich nicht nur Fehlinger sicher.