Ausstellung im Krankenhaus Königswinter

Neuanfang auf der "Endstation"

Königswinter. 80 Künstler stellen sechs Monate im leer stehenden Königswinterer Krankenhaus aus und präsentieren ein umfangreiches Programm.

Beim Betreten des Gebäudes wird es schlagartig um ein paar Grad kälter, aber wenigstens fehlt der typische Krankenhausgeruch. Sankt Josef, das alte Hospital im Zentrum von Königswinter, hat ausgedient. Seit dem Umzug nach Bad Honnef steht das Gebäude leer, das Mobiliar ist verkauft, die Heizung abgestellt.

165 Jahre Krankenpflegedienst in Königswinter sind Geschichte. Vor dem Abriss im Herbst soll es allerdings noch einmal so richtig lebendig werden auf den sechs Etagen, in rund 100 Räumen, auf etwa 3000 Quadratmetern. Daran ist Helmut Reinelt, Honnefer Künstler und Fotograf mit Hang zu Multimediaprojekten, schuld.

Er wartet bereits im Foyer, denn wir haben uns zu einem Rundgang durch Sankt Josef verabredet. Die "Stationsleitung", bestehend aus fünf weiteren Künstlern aus der Region, hat sich auch versammelt. Die Visite kann beginnen. "Eigentlich ging bisher alles recht problemlos", berichtet Reinelt, der die Idee hatte, das leer stehende Krankenhaus temporär in eines der größten Kunstprojekte der Region zu verwandeln.

Die Cura, Eigentümerin der Immobilie, sagte Unterstützung zu, ebenso die Lokale Agenda 21. Der Aufruf an die Künstlerschaft übers Internet brachte 170 Interessenten, von denen 80 geblieben sind. Ein oder mehrere Zimmer gibt es für jeden zum Arbeiten und außer der Vorgabe, keine tragenden Wände einzureißen, ist alles erlaubt, was künstlerisch Spaß macht.

Verschiedene Gruppen können künstlerisch agieren

Allerdings bleibt auch jeder auf sich gestellt. "Das hier ist eine servicefreie Veranstaltung", sagt Reinelt schmunzelnd, der den Verwaltungsaufwand so gering wie möglich halten möchte.

Inzwischen haben wir die vierte Etage erreicht. Hier betreut Franca Perschen unter dem Titel "Krankenbesuch" ein Projekt, in dem verschiedene Gruppen, darunter eine 11. Schulklasse und eine Bikergruppe, künstlerisch agieren können. "Zu Beginn ist es oft schwierig, aus der Freiheit heraus, hier alles machen zu dürfen, produktiv zu werden", erzählt Franca Perschen. "Aber ein Krankenhaus lässt niemanden kalt. Jeder bringt seine eigene, oft intensive Geschichte mit."

So wie Künstlerin Sabine Herting, die ihre Krebserkrankung verarbeitet, indem sie die Wände mit Textseiten aus medizinischen Fachbüchern verklebt. Oder Nora Münch, die als ehemalige Krankenschwester nun dabei ist, eine rote "Sterbe-Suite" einzurichten.

 Auch Eva Wal hat eine besondere Beziehung zum Ort, denn sie hat früher als Nebenjob in einem Krankenhaus geputzt. Auch jetzt habe sie erst einmal "geschrubbt wie blöd", damit das weiß gekachelte Zimmer sich in einen sonnenhellen "Lyrik-Raum", in dem selbst geschriebene Gedichte über Wände und Boden wuchern, verwandeln kann.

Auf dem Rückweg macht Helmut Reinelt auf einen Flur aufmerksam, in dem es äußerst zerstörerisch zugegangen ist. Das Glas der Zwischentüre liegt zersplittert am Boden, jede der Zimmertüren wurde gewaltsam aufgebrochen, im letzten Raum hat das Fenster ein faustgroßes Einschussloch. "Hier hat die GSG 9 eine Geiselbefreiung geübt", erzählt Reinelt.

Erst einmal wird gründlich geputzt

Das am Boden verschmierte Kunstblut wirkt erschreckend echt. Ganz im Gegensatz dazu macht der OP einen intakten und ungewöhnlich sauberen Eindruck. Der Grund dafür sind die beiden Filme, die hier bald gedreht werden. Einer wird die Biografie von Niki Lauda sein, der andere ist eine Charlotte Link-Produktion. "Die OP-Szene spielt dann in Marokko und wir sind sehr gespannt auf die 150 Leute vom Film", sagt Reinelt und lacht.

Wir sind zurück im Foyer, wo jetzt noch eine verdorrte Yucca-Palme vor sich hin gammelt, aber bald eine Bühne und eine Bar entstehen soll. Helge Kirscht - "leitender HNO-Arzt" - und erfahrener Organisator der "7 Mountains Music Night", hat dafür schon genaue Pläne und bereits ein fast volles Programm. "Jeden Samstagabend wird hier Musik gemacht und sonntags ab 11 Uhr gibt es Lesungen, Performances und Diskussionsrunden. Es ist eine Krankenhaus-Soap geplant und vielleicht bekommen wir noch jemand, der Ärzte-Witze vorträgt", berichtet der "HNO-Arzt" mit Sinn für Humor.

Der ist auch bitter nötig, denn zum Schluss werfen wir noch einen Blick in die Pathologie. Eines der vier Kühlfächer steht offen, der Seziertisch dient als Ablage für Reinigungsmittel. Regine Kleiner aus Bonn hat sich für die makabre Umgebung entschieden. Bevor sie künstlerisch loslegt, wird erst einmal gründlich geputzt.