Bronze-Medaille bei Olympia

Fechter Sebastian Bachmann kehrt heim nach Alfter

ALFTER. Das Glück wiegt 380 Gramm und kam auf Krücken. Bei seinem letzten Gefecht im Mannschaftsflorett verdrehte sich Sebastian Bachmann das Knie. Humpelnd brach der Fechter ab, übergab die restlichen 15 Sekunden an Ersatzmann André Weßels und war kurzzeitig auf Krücken angewiesen.

Dennoch ging die deutsche Florettmannschaft bei den Olympischen Spielen in London am 5. August aus allen neun Gefechten um Platz drei als Sieger hervor.

Die 380 Gramm schwere Bronzemedaille hängt nun am Trophäenbord von Sebastian Bachmann in seiner Wohnung in Alfter. Dort beglückwünschte den 25-Jährigen am Mittwoch Ortsvorsteher Werner Jaroch. "Davon träumt jeder Sportler, irgendwann eine olympische Medaille sein Eigen zu nennen", sagt Bachmann. Die Siegerehrung war für den Olympianeuling der unvergesslichste Moment der Spiele - und der Lohn für hartes Training und ein entbehrungsreiches Leben. Der letzte Urlaub mit seiner Freundin Ann-Kathrin Honeck war 2007.

Der Sportsoldat freut sich daher auf einen langen Urlaub, eine ausgedehnte Trainingspause und die Dankeschönreise der Deutschen Sportstiftung für die Medaillengewinner. Ende September geht es für eine Woche nach Kreta, gemeinsam mit Ann-Kathrin Honeck. Sie hat selbst sechs Jahre gefochten und war bei den Wettkämpfen im ExCel-Center in London als Zuschauerin dabei.

"Die ganze Stimmung - das war beeindruckend", sagt die 23-jährige Bürokauffrau. Den Einzug ins Finale hatte die deutsche Florettmannschaft knapp verpasst. Das wurmt Sebastian Bachmann. 40:40 stand es im Gefecht gegen Japan. Peter Joppich landete zwei Treffer, die zum Sieg hätten führen können. Doch der Kampfrichter ließ sie nicht gelten.

Die Leidenschaft fürs Fechten begleitet Bachmann von klein auf. Tauberbischofsheim in der Nähe seiner Heimatstadt Lauda-Königshofen war damals wie heute eine Fechthochburg. "Nach den Medaillen für die deutsche Mannschaft bei den Olympischen Spielen 1988 herrschte ein regelrechter Fecht-Hype." Mit fünf Jahren trat er in den Fechtclub ein, übte als Grundschüler mit Florett und Degen.

Als Teenager konzentrierte er sich aufs Florett und startete seine Karriere bei nationalen und internationalen Wettkämpfen. 2005 und 2006 war Bachmann Deutscher Juniorenmeister, mehrfach Deutscher Mannschaftsmeister. Weitere Erfolge: 2009 Mannschaftsbronze bei den Europa- und Mannschaftssilber bei den Weltmeisterschaften. 2011 kam Teambronze bei der WM und 2012 bei der Europameisterschaft hinzu.

Der Wechsel von Baden-Württemberg ins Rheinland hatte sportliche Gründe: "Ich wollte Anschluss an die Weltspitze bekommen", so Bachmann. "In Bonn besteht beim Olympischen Fechtclub eine sehr starke Florettgruppe. Auch der Bundestrainer ist hier."

Er zog mit seiner Freundin nach Alfter und wechselte zur Sportfördergruppe der Bundeswehr nach Köln-Longerich. Dort machte Bachmann sein Fachabitur und begann 2011 in Köln das Studium der Wirtschaftsinformatik. Doch nach einem Semester musste er wegen der Vorbereitungen auf London bereits wieder pausieren.

Langfristig setzt der 25-Jährige auf diese Ausbildung, doch zunächst bleibt der Fechtsport sein Beruf. Im Januar geht es zum Weltcup nach Paris, und bei den nächsten Olympischen Spielen will Bachmann natürlich auch wieder dabei sein.

Zur Person

Sebastian Bachmann, Jahrgang 1986, wuchs in Lauda-Königshofen in Baden-Württemberg auf und interessierte sich schon als Fünfjähriger für das Fechten. Im nahen Fechtclub Tauberbischofsheim lockte die größte und modernste Fechtanlage Deutschlands.

Aufgrund seiner Erfolge wurde Bachmann 2006 in die Sportfördergruppe der Bundeswehr in Stuttgart aufgenommen. Dort konnte er sich als Sportsoldat fast ausschließlich auf das Fechten konzentrieren. 2008 wechselte der Stabsunteroffizier zur Sportfördergruppe in Köln-Longerich. Seither wohnt Bachmann in Alfter und startet für den Olympischen Fechtclub Bonn.

Fechten

Bei den Olympischen Spielen in London wurden vom 28. Juli bis 5. August im Fechten sechs Einzelwettbewerbe ausgetragen: Degen, Florett und Säbel für Frauen und Männer sowie vier Mannschaftswettkämpfe: Degen und Florett bei den Frauen, Florett und Säbel bei den Männern.

Die deutsche Mannschaft war mit zwölf Athleten und drei Ersatzfechtern angetreten und holte zwei Medaillen: Britta Heidemann gewann Silber mit dem Degen, Bronze im Mannschaftsflorett ging an Peter Joppich, Benjamin Kleibrink, Sebastian Bachmann und André Weßels. Sie besiegten die USA im Kampf um den dritten Platz mit 45:27.