GA-Serie "Rheinische Redensarten"

Der mööch wie ne jruße Hond pisse

Der möchte wie ein großer Hund pinkeln.

Der möchte wie ein großer Hund pinkeln.

In der Serie „Rheinische Redensarten“ beleuchten wir mit Unterstützung von Dialektsachverständigen bedeutungstiefe Redewendungen.

Es gibt im Dialekt sprachliche Wendungen, die unmittelbar assoziativ klar sind. Da muss man gar nicht viel erklären. Unsere heutige Rheinische Redensart heißt: „Der mööch wie ne jruße Hond pisse, kann ävve dat Been net huh jenooch hevve.“ Wir nähern uns der Bedeutung schrittweise. Erst einmal die Übersetzung ins Hochdeutsche: „Der möchte wie ein großer Hund pinkeln, kann aber das Bein nicht hoch genug heben.“

Eine Frage des Charakters

 Es geht wieder einmal um die Frage des Charakters und der Persönlichkeit. Ist jemand authentisch, oder versucht er, etwas darzustellen, das er gar nicht ist. Die erste Form des Schauspielenden ist der Angeber. Und genau der ist auch damit gemeint. Unsere Mundartsachverständigen sagen dazu: „Hier ist einer, der über seine Verhältnisse lebt, einer, der groß tut, sich dabei aber völlig überschätzt.“ Sehr häufig wird der Satz benutzt, wenn jemand über seinen tatsächlichen finanziellen und materiellen Rahmen hinaus agiert. Etwa, wenn er einen großspurigen Lebensstil pflegt, ihn aber eigentlich nicht bezahlen kann. Das dicke Ende kommt dann bestimmt. In Form eines hohen Schuldenberges.

 

Fähigkeiten und Fertigkeiten

 Der Satz kann sich aber auch auf die Fähigkeiten und Fertigkeiten beziehen. „Einer der alles machen möchte, aber in Wirklichkeit nichts kann“, beschreibt Mundartsprecherin Liesel Lorscheidt. Und das ist ein echtes Drama.

Wissen, was man nicht kann

 Anders herum kann man sagen, derjenige hat die größte Lebenszufriedenheit, der weiß, was er kann und der weiß, was er nicht kann. Und dem ist nichts hinzuzufügen. Der Glückliche!

 Unser Sprachbild entstammt der Tierwelt. Genauer: Der Hundewelt. Denn des Menschen liebster Vierbeiner nutzt den Akt des Gassigehens, um erstens sein Revier abzustecken und zweitens mit der Pinkelhöhe auch die Hierarchieposition zu markieren. Damit jeder nachfolgende Hund von vorne herein weiß, auf welcher Höhe der Hundegesellschaft er sich einzuordnen hat. Und wer versucht, das Bein höher zu recken, als er physiologisch kann, der fällt unweigerlich um.

Die Artikel zum rheinischen Dialekt entstehen in Zusammenarbeit mit dem Heimatfilmer Georg Divossen (www.bönnsch-abc.de). Haben auch Sie einen Lieblingsspruch, dann mailen Sie ihn uns an rheinisch@ga-bonn.de.