Chronik des Kriegsendes in Bonn

Der von massiven Bombardierungen unterstützte Vormarsch der amerikanischen Armee erreicht am 4. März 1945 Euskirchen. Am folgenden Tag überschreiten die Soldaten die Grenze des Landkreises Bonn. Nach Überquerung des Kottenforstes wird am 7. März Röttgen besetzt.

Deutsche Flak und Artillerie auf dem Hardtberg und in Lessenich können am 8. März das rasche Vordrängen zweier Bataillone auf die Bonner Innenstadt nicht verhindern. Ohne die für die Verteidigung vorgesehenen SS-Divisionen, die in der Eifel abgeschnitten wurden, schaffen es die verbliebenen Einheiten nicht mehr, ernsthaften Widerstand zu leisten.

Oberbefehlshaber von Küchler verzichtet auf eine Verteidigung des mit 5 000 Zivilisten belegten Windeckbunkers. Nach Abzug des größten Teils der verbliebenen Verbände hat Ortskommandant von Bothmer am Abend des 7. März die seit Spätsommer 1944 verminte Rheinbrücke sprengen lassen.

Am Morgen des 8. März sieht sich von Bothmer angesichts in die Innenstadt vorgerückter US-Panzerverbände nicht mehr in der Lage, den befohlenen Brückenkopf zu bilden. Er setzt sich später auf einem Schleppdampfer auf die rechte Rheinseite ab. Wegen seiner Weigerung, die Festung zu verteidigen, verübt von Bothmer, zu einer Gefängnisstrafe verurteilt, Selbstmord.

Die Liste der beim Kampf um Bonn getöteten deutschen Soldaten führt 56 Namen auf, 1 700 Wehrmachtsangehörige geraten bei der Besetzung der Stadt in Gefangenschaft.

Die zivile Übergabe findet am 9. März im Dienstzimmer von Stadtrechtsrat Dr. Horster statt. Als letzte wichtige Maßnahme hatte die Stadtverwaltung gegen die Anweisung der Gauleitung Lastwagen mit Lebensmitteln in Bonn festgehalten. Im Hauptquartier Eisenhowers soll Bonn später als die einzige einigermaßen gut versorgte Stadt des linken Rheinufers bezeichnet worden sein.

Das gnädige Schicksal des vom Luftkrieg weitgehend verschonten Godesberg, der ersten größeren Stadt, die den Amerikanern kampflos und unzerstört übergeben wurde: General Schimpf, dessen dritte Fallschirmjägerdivision bis zum letzten Mann halten sollte, sieht sich doppeltem Druck ausgesetzt, den mehrfach erneuerten Befehl nicht zu befolgen.

Nachschubschwierigkeiten und die zahlenmäßige Unzulänglichkeit der vorhandenen 6 000 Mann starken Gruppen lassen eine Verteidigung ebenso sinnlos erscheinen wie die starke Belegung der Kurstadt mit Verwundeten, Fliegergeschädigten und alten Menschen. Noch in der Nacht zum 8. März entschließt sich Schimpf, den größten Teil seiner Division auf die rechte Rheinseite zu bringen. Buchstäblich in letzter Minute können die ohnmächtigen örtlichen Behörden nach Flucht der Parteivertreter jetzt wenigstens Einfluss auf die Übergabe-Entscheidung gewinnen.

Dem Vize-Bürgermeister Ditz - Bürgermeister Alef hat sich am 6. März ins Rechtsrheinische abgesetzt - gelingt es, den amerikanischen Kampfkommandanten, der von der Godeshöhe telefonisch die sofortige Übergabe fordert, so lange hinzuhalten, bis der Rückzug der verbliebenen deutschen Einheiten abgeschlossen ist. Wenige Stunden nach der Gefangennahme des deutschen Fallschirmjägergenerals wird der Befehl, der dem Rückzug auf die rechte Rheinseite entgegengestanden hat, widerrufen.

In Friesdorf leistet bis zum Nachmittag des 8. März eine circa 350 Mann starke Flak-Einheit Widerstand. Hier sind es die Mannschaften, die den Durchhaltebefehl des kommandierenden Hauptmanns ignorieren, ihre Geschütze sprengen und damit dem Ort weitere Kampfhandlungen ersparen. Es soll noch über zwei Wochen dauern, bis auch im Rechtsrheinischen die Waffen schweigen. (bal)

(Aus: Geschichte der Stadt Bonn, Band 4).