Bahn baut im Siebengebirge auf Beton

Bei Bockeroth steht erstes Exemplar einer neuen Generation von Schutzwänden - Vorgänger waren nicht stabil

Siebengebirge. Die erste Betonwand steht. Bei Bockeroth hat die Deutsche Bahn AG durch die Firma Züblin die instabilen alten Aluminium-Schutzwände, die dem Druck der schnellen ICE-Züge nicht mehr standhielten, ersetzen lassen. Mit den Arbeiten war im Oktober begonnen worden.

Zurzeit wird auch im Abschnitt der ICE-Brücke über den Hasenpohler Bach und die Straße Im Harperoth bei Thomasberg gearbeitet. Danach rücken die Bautrupps zur Bahnunterführung am Libellenweg vor. Mit dem Austausch der Wände wurde auf der Ostseite der Trasse begonnen. Bis zum Jahresende sollen nach Auskunft der Baufirma beidseitig im Siebengebirge alle neuen Wände stehen.

Auf den Brücken werden die alten durch neue stabilere Aluwände ersetzt. Ansonsten baut die Bahn auf Betonwände mit erheblich stabileren Stahlpfosten, die vor drei Jahren auf einer Teststrecke südlich des Rottbitze-Tunnels bei Köhlershohn getestet worden waren.

Bei den Wänden handelt es sich teils um Schallschutzwände, wie östlich von Stieldorferhohn sowie Bellinghauserhohn und Bellinghauserhof sowie nördlich und südlich der Hasenpohler Bachtalbrücke. Zum Teil handelt es sich auch um Sichtschutzwände, die verhindern sollen, dass sich Fahrzeuge auf der Autobahn und Züge gegenseitig blenden.

Die neuen Wände stehen dabei durchschnittlich in einem um 70 Zentimeter größeren Abstand zur Gleisachse als die alten. Ihre Höhe ist unterschiedlich und richtet sich nach den Werten der Schallschutzgutachten.

Ersatzlos abgebaut wurden sämtliche Windschutzwände. Einerseits ist die jüngere Generation der ICE-Züge nicht mehr so für Seitenwind anfällig, andererseits beruft sich die Bahn auf Gutachten, nach denen diese Wände nicht notwendig sind, um die gesetzlichen Vorgaben beim Lärmschutz einzuhalten.

Windschutzwände fanden sich bisher nordöstlich von Rauschendorf, auf der Westseite der Brücke über die Bockerother Straße sowie beiderseits der Trasse auf und nördlich der Brücke über die Straße "In der Vorstadt" bei Stieldorferhohn. Für die dortigen Anwohner bedeutet der Wegfall dennoch eine höhere Lärmbelastung.

"Die Bürger in Stieldorferhohn sind gar nicht begeistert, denn die dortigen Windschutzwände hatten natürlich auch eine Lärmschutzfunktion", sagt Monika Soeding vom städtischen Planungsamt.

Noch keine Klagen haben Günther Hilger, den Vorsitzenden des Stieldorferhohner Bürgervereins, erreicht. Allerdings wären die Windschutzwände ja auch noch bis vergangene Woche abgebaut worden, so dass es dafür wohl noch zu früh sei. Bei der Mitgliederversammlung am 28. Februar steht das Thema jedenfalls auf der Tagesordnung.

Für die Bauarbeiten steht nachts nur ein schmales Zeitfenster zur Verfügung, weil sonst die Gefahr für die Bauarbeiter an der Strecke zu groß wäre. Die Sperrzeit, in der die bis zu 300 Stundenkilometer schnellen Züge nicht zwischen Köln und Frankfurt verkehren, beträgt gerade einmal vier Stunden.

Davor und danach darf jeweils zwei Stunden lang gearbeitet werden, allerdings auch nur im Gleiswechselbetrieb, was bedeutet, dass der ICE vor der Baustelle auf das Gegengleis umgelenkt wird. Etwas einfallen lassen muss sich die Bahn auch nördlich und südlich der Scheurenstraßen-Brücke.

Dort wurde bei der vorgeschriebenen halbjährlichen Untersuchung im Rahmen des "Besonders überwachten Gleises", wodurch Schallemissionen an der Quelle ihres Entstehens gemindert werden sollen, festgestellt, dass die zulässigen Grenzwerte um drei bis vier Dezibel überschritten werden.

Das bekommen in erster Linie die Rauschendorfer zu hören. "Die Bahn prüft jetzt, ob es an den Schienen liegt", sagt Monika Soeding.

Die Kosten
Über die Kosten des Großprojektes hüllt sich die Bahn in Schweigen. Allerdings ist klar, dass die Sanierung der Wände viele Millionen Euro verschlingen wird. Jeder laufende Meter kostet rund 1 000 Euro. Wer die Verantwortung für die wackligen Aluminiumwände und damit die Kosten tragen muss, darüber haben sich die Bahn und die beauftragten Firmen vor Gericht gestritten.

Die Bahn hat im Beweissicherungsverfahren vor dem Frankfurter Landgericht die Schuld auf die Firmen geschoben, diese beriefen sich jedoch darauf, die Aluminiumwände entlang der Hochgeschwindigkeitstrasse genau nach den Vorgaben der Bahn gebaut zu haben. Ob und wie sich beide Parteien geeinigt haben, dazu will die Bahn keine Angaben machen.