Parfüm aus Asien

Die Welt der Düfte neu entdecken

Wertschätzung der Gerüche: Dinah Jung mit dem Zubehör der japanischen „Kôdô“-Zeremonie, in der sich die Teilnehmer auf den innersten Gehalt edler Düfte konzentrieren.

Wertschätzung der Gerüche: Dinah Jung mit dem Zubehör der japanischen „Kôdô“-Zeremonie, in der sich die Teilnehmer auf den innersten Gehalt edler Düfte konzentrieren.

„Ein Duft kann wie ein galoppierendes Pferd im Schnee sein“: Die Heidelberger Kulturwissenschaftlerin Dinah Jung beschäftigt sich mit der Jahrtausende alten Parfümtradition Asiens.

Nicht nur zu Weihnachten oder zum nahenden Valentinstag sind Parfüms ein beliebtes Geschenk – und ein teures. Gute Düfte sind teuer. Doch was hierzulande im Laden steht, hält dem kritischen Auge und vor allem der kritischen Nase von Dinah Jung nur selten stand. „In vielen der industriell gefertigten Parfüms sind so gut wie keine Pflanzen mehr enthalten, dafür zahlreiche Derivate von Schwer-ölen“, sagt die Kulturwissenschaftlerin, die sich intensiv mit der Geschichte der Düfte auseinandergesetzt hat. „Dabei gibt es so viele natürliche Stoffe, die olfaktorisch anregend sind. Wir müssen nur wieder lernen, richtig zu riechen.“

Helfen kann dabei nicht zuletzt ein Blick nach Asien mit seiner reichhaltigen und jahrtausendealten Parfümtradition. „Hier im Westen beginnt man ja bei den alten Ägyptern und kommt über Frankreich im 16. Jahrhundert in die Neuzeit. Dabei vergessen wir, wie groß die Bedeutung von Düften etwa in Hochkulturen wie China, Indien und Japan war und ist.“

Die Parfüms im engeren Sinne, die den Körpergeruch verändern sollen, spielen dabei nur eine untergeordnete Rolle. Viel wichtiger seien Räucherwerk (das Wort „Parfüm“ kommt vom lateinischen „per fumare“ = „durch Räuchern“) und spezielle Mischungen, die im Raum einen Wohlgeruch verteilen. „Die Räucherkultur aus dem Osten ist dann irgendwann auf die Destillationskunst aus dem Westen getroffen, die die Perser verbreitet haben“, erklärt Jung. „So hat sich eine sehr reiche Duftkultur entwickelt.“

Heutzutage sind die ätherischen Öle allgegenwärtig, duftende Mehle und Pasten werden nur noch in abgelegenen Gegenden etwa des Jemen verwendet oder von buddhistischen Mönchen genutzt. „Öle lassen sich natürlich gut transportieren und aufbewahren“, sagt Jung und legt einen alten Flakon auf den Tisch, den Beduinen früher etwa auf der Seidenstraße verwendet haben, um edle Düfte zu transportieren. „Der besteht aus innerer Magenhaut“, erklärt die Wissenschaftlerin. „Tonkrüge zum Beispiel hätten nicht funktioniert, weil die Parfüms mit dem Material reagiert hätten.“

Ohnehin sei es in der vorindustriellen Zeit nicht einfach gewesen, Aromen dauerhaft zu erhalten – Gewürze ebenso wie für Räucherwerk. „Manche Parfüms waren daher auch ein Geschenk für Könige. Die biblischen Gaben für Jesus zählten dazu: Gold, Weihrauch und Myrrhe. Dazu passt übrigens auch, dass in jeder Religion ein besonderer Duft die Göttlichkeit repräsentiert.“ Diese Wertschätzung der olfaktorischen Sinneseindrücke wünscht sich Jung zurück – und findet sie im japanischen Kôdô. In der dazugehörigen Zeremonie „lauschen“ die Teilnehmer dem „Klang des Duftes“, versuchen ihn zu beschreiben und zu bestimmen. „Das hat sehr viel mit Poesie zu tun“, sagt Jung.

„Ein Duft kann wie ein galoppierendes Pferd im Schnee sein.“ Die Huldigung und Fokussierung auf den Geruchssinn, die auf diese Weise entsteht, sei eine prägende Erfahrung. „Man lernt, besser und bewusster wahrzunehmen.“ Einige der für das japanische Kôdô verwendeten Materialien hat Dinah Jung zusammen mit anderen Objekten aus der asiatischen Parfümtradition fotografiert und in Zusammenarbeit mit der Rhein-Sieg-Akademie für realistische bildende Kunst und Design bei Thalia am Bonner Marktplatz ausgestellt.

Dinah Jungs Website:www.mindful-breathing.info