Kolumne zur Arbeitswelt der Zukunft

So sieht die Zukunft mit Kollege Roboter aus

Der Mensch und die Roboter nähern sich immer mehr an.

Der Mensch und die Roboter nähern sich immer mehr an.

Bonn. Besonders Mitarbeiter im betrieblichen Rechnungswesen werden in Zukunft ersetzbar sein - lässt sich zumindest im Internet herausfinden. Unsere Zukunft mit Kollege Maschine wirft jedenfalls viele Fragen auf.

Weihnachtsmänner und Intendanten können aufatmen. Sie sind nach Ansicht von Arbeitsmarktexperten sicher. Die Wahrscheinlichkeit, dass ihre Stellen in absehbarer Zeit von Robotern ausgefüllt werden, tendiere gegen null. Diese Vorhersagen spuckt zumindest der „Job-Futuromat“ im Internet aus, mit dem ARD und Bundesagentur für Arbeit Beschäftigten ihre Ersetzbarkeit vor Augen führen. Besonders verzichtbar sind demnach in Zukunft Mitarbeiter im betrieblichen Rechnungswesen. Eine Kolumne wie diese wird für die GA-Leser jedoch garantiert weiterhin von echten Journalisten geschrieben – versprochen: Laut Futuromat können Roboter erst 20 Prozent der Redakteurstätigkeiten maschinell erledigen.

Nach den Erfahrungen der Menschheit mit Glaskugeln dürfte jedoch auch klar sein, dass ein „Futuromat“ für Zukunftsplanungen eine wenig vertrauenswürdige Quelle ist. Stürzen uns die Roboter bald alle in Arbeitslosigkeit? Oder werkeln die meisten Menschen noch jahrelang weiter wie bisher? Dazu gibt es so viele Prognosen, wie es Experten gibt. Laut Unternehmensberatung McKinsey könnten bis zum Jahr 2030 weltweit 400 Millionen Vollzeitstellen von Kollege Roboter übernommen werden: Lastwagen fahren selbstständig, Roboter pflegen Kranke, Drohnen tragen Pakete aus.

Saudi-Arabien hat im vergangenen Jahr als erstes Land der Welt einem Roboter die Staatsbürgerschaft verliehen. Er (sie? es?) heißt Sophia und ist nach eigenen Angaben stolz auf den Saudi-Pass. Sophia trägt übrigens keinen Schleier und dürfte wohl auch ohne Erlaubnis eines Mannes das Land verlassen – ganz im Gegensatz zu ihren Geschlechtsgenossinnen aus Fleisch und Blut.

Die Maschine arbeitet, der Mensch genießt

Ob die digitale Staatsbürgerin einem saudischen Arbeitnehmer bereits den Job abspenstig gemacht hat, ist nicht bekannt. Man kann nur hoffen, dass Sophias Nervpotenzial geringer ist als das ihrer digitalen Schwestern – der dümmlichen Apple-Auskunftsstimme Siri oder Amazons spionierender Lautsprecherin Alexa. Solche Kolleginnen würden ganze Konzerne innerhalb von Wochen in den Wahnsinn treiben.

Wann auch immer die Roboter übernehmen – es lohnt sich, frühzeitig über die Folgen nachzudenken. Die UN-Konferenz für Handel und Entwicklung (Unctad) fordert zum Beispiel neue Entlohnungsmodelle. Verhindert werden müsse, dass die erwirtschaftete Rendite vor allem bei den Roboterentwicklern und -besitzern lande, heißt es in einem Bericht der Organisation aus dem vergangenen Jahr. Die Experten schlagen vor, Mitarbeiter nach der Rentabilität ihres Unternehmens zu bezahlen. Erwirtschaftet die Firma hohe Gewinne, verdienen die Angestellten mit. So könnten alle vom Einsatz der automatisierten Helfer profitieren.

Roboter-Enthusiasten gehen noch weiter: Die Maschine arbeitet, der Mensch genießt gleichzeitig seine Freizeit – so ihre Hoffnung. Während die Roboter unsere Drecksarbeit erledigen, können wir die dadurch geschaffenen Werte als Grundeinkommen verteilen. Hört sich gut an. Zu gut?

Ungelernte Hilfskräfte sind leicht zu ersetzen

Wie bei vielen Entwicklungen sind es auch bei der Digitalisierung die ohnehin schon benachteiligten Menschen, die am stärksten gefährdet sind. Ungelernte Hilfskräfte sind leicht zu ersetzen. Und in Entwicklungsländern fehlt das Geld für Bildung oder zur Investition in neue Wirtschaftszweige, in denen die von Robotern ausgebooteten Beschäftigten eine neue Chance erhalten.

Neu ist die Vision der robotisierten Welt ohnehin nicht. Seit Jahrzehnten arbeiten sich Science-Fiction-Filmer an Invasionen von Androiden ab. Bereits 1978 landete die legendäre Band Kraftwerk mit „Wir sind die Roboter“ einen ihrer größten Hits. Und trotzdem: Auch heute noch singen vorwiegend Menschen.