Ein Gedicht für jeden Tag

Bonner Student entwickelt Lyrik-App fürs Handy

Lukas Hermann zeigt seine App „Poesi“ auf dem Handy.

Lukas Hermann zeigt seine App „Poesi“ auf dem Handy.

BONN. Jeden Tag ein Gedicht zu lesen – das ist so etwas, was sich viele Menschen vornehmen, aber nicht durchhalten. Deshalb hat Lukas Hermann, Student aus Bonn, eine Lyrik-App entwickelt.

„Ich wollte, dass die Hemmschwelle niedrig ist und auch einfach zum Lesen anregen“, sagt Lukas Hermann über seine App. Poesi – so der Name – kostet 3,50 Euro und hat mehrere Funktionen: Neben dem „Gedicht des Tages“ gibt es einen Zufalls-generator, der immer wieder neue Gedichte anzeigt. Aber auch Freunde bestimmter Dichter kommen auf ihre Kosten: Über die Suchfunktion können sie nach einem Autor suchen. „Mein Lieblingsdichter ist Hölderlin“, sagt Hermann – „ in anderen Apps gibt es nur ein oder zwei Gedichte von ihm, bei mir findet man eine große Auswahl.“

Der 23-Jährige bietet mit seiner App noch mehr Funktionen, die man bei vergleichbaren Programmen vergeblich sucht. Über sogenannte Filter lassen sich Gedichte nach bestimmten Themen oder Jahrhunderten sortiert suchen. Ein besonderes Plus: die Epochen-suche. „Meine App richtet sich besonders an Schüler und Studenten“, sagt Hermann. „Hier können sie direkt danach suchen, was sie brauchen.“

Gewissenhaft hat der Germanistik-Student zu jedem Gedicht Informationen über den Autor beigefügt sowie weitere Links zur Online-Enzyklopädie Wikipedia sowie zu einer Germanistischen Forschungsseite eingerichtet. „Die Idee ist, dass man die Gedichte direkt aus der App zitieren kann, deshalb gibt es auch Quellenangaben.“

Mehr als 1000 Gedichte

Hermann arbeitet mit wissenschaftlichen Angaben, gibt alle Gedichttexte selbst ein und kontrolliert sie anschließend. „Zwei bis drei Monate lang habe ich bestimmt jeden Tag bis zu fünf Stunden lang Texte abgetippt“, sagt er. „Ich habe begonnen, mich für Texte zu begeistern, von denen ich anfangs dachte, sie seien langweilig.“

Auf diesen Effekt hofft er auch bei seinen Nutzern: „Langfristig möchte ich, dass wieder mehr zum Buch gegriffen wird.“ Obwohl die App erst seit wenigen Wochen verfügbar ist, können alle Nutzer auf über 1000 Gedichte von Beginn des Mittelalters an bis zur Gegenwart zugreifen. Und das ist erst der Anfang, sagt Hermann: „Es werden in den nächsten Wochen noch wesentlich mehr Gedichte hinzukommen, und ich möchte auch Werke englischer und französischer Dichter aufnehmen.“

In die Entwicklung seiner App hat der Student nicht nur viel Zeit, sondern auch sein Erspartes gesteckt: „Eigentlich plant man immer ungefähr 4000 Euro für die Entwicklung einer App ein, so viel war es dann zum Glück nicht“, sagt Hermann. Obwohl er selbst auch Informatik studiert hat, kümmerte er sich nur um die Datenbanken und das Design der App. „Am meisten hat mich der Programmierer gekostet“, sagt Hermann. Obwohl er die Idee zur App bereits vor zwei Jahren hatte, entstand Poesi erst im vergangenen halben Jahr.

Manche Nutzer haben Gedichtwünsche

Immerhin 300 Nutzer haben die neue App bereits auf ihre Smartphones heruntergeladen. Manche melden sich sogar persönlich mit weiteren Gedichtwünschen bei Hermann. „Ich freue mich sehr über Rückmeldungen und Anregungen. Eine Frau habe ich gebeten, mir ihren Lieblingsdichter zu verraten, von dem habe ich dann noch einige Werke eingetragen. Die Leute, die meine App nutzen, sollen mitbestimmen dürfen.“ Kontakt mit Hermann aufzunehmen, ist leicht: Er hat extra seine Mail-adresse in der App hinterlegt.

Ob er in Zukunft noch mehr Apps entwickeln wird, weiß Hermann noch nicht. „Man braucht immer Geld, das man investieren kann“, sagt der Student, der momentan an seiner Masterarbeit schreibt. „Eine Idee hätte ich aber schon: eine App mit den Texten philosophischer Denker. Die wäre dann aber anders aufgebaut.“