"Black Matters – Urban Photography"

Ausstellung in Bonn widmet sich schwarzer Hautfarbe

Mit seinen ausdrucksstarken Stadtfotografien bringt Wilfried Raussert die Selbstbehauptungsbewegung der schwarzen Community in Nord- und Südamerika aus dem Blickwinkel eines weißen Europäers nach Bonn.

Mit seinen ausdrucksstarken Stadtfotografien bringt Wilfried Raussert die Selbstbehauptungsbewegung der schwarzen Community in Nord- und Südamerika aus dem Blickwinkel eines weißen Europäers nach Bonn.

Bonn. Das Wissenschaftszentrum zeigt derzeit die Ausstellung „Black Matters“ mit Fotografien von Professor Wilfried Raussert. Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert dabei drei seiner Projekte.

In leuchtenden Farben ist ein riesiges angeschnittenes Porträt eines schwarzen Mannes an eine Wand gemalt oder gesprüht. Auf diesem Ausstellungsfoto von Wilfried Raussert im Wissenschaftszentrum Bonn blickt eine blonde weiße Frau neugierig empor. Der gigantische Schwarze schaut konzentriert und ernst ins Weite, erhobenen Hauptes, stolz und sympathisch. Die in edlem Schwarz-Weiß-Chic gekleidete Blonde mit der Sonnenbrille reckt den Kopf. Ihren Kaffee-to-go-Becher hält sie noch in der Hand. Jetzt wird sie den Gesichtsausdruck des selbstbewussten Schwarzen studieren.

„Black Matters – Urban Photography“ hat der Fotograf seine Ausstellung genannt. Die schwarze Hautfarbe bedeutet also etwas gerade in der heutigen Gesellschaft – nicht nur Nordamerikas. Das nimmt Raussert als Motto seiner Stadtfotografie, die das Wissenschaftszentrum Bonn noch bis zum 21. Juni präsentiert. Der seit Jahren erfolgreiche Hashtag der Bewegung „#blacklivesmatter“ lässt grüßen, und auch die erhobenen Fäuste der Olympioniken Tommie Smith und John Carlos bei der Medaillenverleihung von 1968 in Mexico City sind nicht vergessen.

Gerade in den letzten Jahren sei ein starkes Wiederaufflammen von Rassismus im amerikanischen Alltag wie in der Politik zu beobachten, sagt der Fotograf. Deshalb vernetzten sich aktuell immer mehr Schwarze Nord- und Lateinamerikas, um auf die zunehmende Gewalt gegen sie zu reagieren.

Wilfried Raussert ist an der Universität Bielefeld Professor für Literatur und Kultur Nordamerikas. Seine Forschungen beschäftigen sich mit soziokulturellen, wirtschaftlichen, politischen und künstlerischen Verflechtungen auf dem amerikanischen Doppelkontinent.

DFG fördert drei Projekte Rausserts

Die Deutsche Forschungsgemeinschaft (DFG) fördert dabei drei seiner Projekte: zur karibischen Diaspora-Literatur des 21. Jahrhunderts, zur Musikmigration in der Black-Power-Ära von 1965 bis 1975 und generell zu interamerikanischen Vergleichspraktiken der Kulturproduktion, Sozialwissenschaft und Politik. Rausserts derzeitige Ausstellung im Wissenschaftszentrum wird ebenfalls von der DFG unterstützt.

Dabei bringen seine expressiven Fotografien die Selbstbehauptungsbewegung der schwarzen Community Nord- und Südamerikas aus dem Blickwinkel eines weißen Europäers nach Bonn. „Art Begins in Streets / Art Lives in Streets“ hat der Professor Teile der Serie genannt. Kunst beginne also schon in den Straßen, wenn man genau hinschaue, und lebe auch dort.

Und genau diesem lebendigen Austausch ist der Experte, der sich ansonsten wissenschaftlich mit den afrostämmigen Kulturen Amerikas beschäftigt, in vielen Städten auf der Spur gewesen. Die Motive seiner Exponate stammen aus New York, Mexiko Stadt oder Guadalajara und fokussieren – auf originelle Weise und mit sicherem Blick für das Wesentliche – die Beziehungen zwischen Stadtmensch und Straßenkunst.

Da ist der brave Ordnungshüter schwarzer Hautfarbe in Seattle per Verkehrskontrolle gerade dabei, einen Strafzettel zu schreiben. Und da zeigen ungeduldige, ja wütende Gesichter junger Schwarzer in den Straßenschluchten, dass es mit dem Frieden zwischen den Bevölkerungsschichten in vielen Städten Nord- und Lateinamerikas nicht mehr weit her ist.

Raussert hat vor Ort die Dringlichkeit gespürt, mit der die Betroffenen auf den anwachsenden Rassismus reagieren. Und er erhoffe sich, dass dabei Wissenschaftler, Künstler und politisch Aktive an einem Strang zögen, hat Raussert zu seiner Ausstellung gesagt. Seine ausdrucksstarken Fotografien bringen dem europäischen Betrachter genau diese Botschaft nahe.

Die Ausstellung „Black Matters“ von Wilfried Raussert ist noch bis zum 21. Juni im Foyer des Wissenschaftszentrums Bonn, Ahrstraße 45, zu sehen. Geöffnet: Mo-Fr 8-19, der Eintritt ist frei. Mehr Infos finden Sie hier.