Hauptversammlung

Mehr Buchungen beim Reisekonzern Tui

Tui-Vorstandschef Friedrich Joussen (l.) und Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG, vor der Hauptversammlung von Tui.

Tui-Vorstandschef Friedrich Joussen (l.) und Dieter Zetsche, Vorstandschef der Daimler AG, vor der Hauptversammlung von Tui.

Hannover. Die Umsätze von TUI für Reisen im Sommer sind um acht Prozent gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Begleitet wurde die Hauptversammlung des Reisekonzerns von einer Kontroverse um Daimler-Chef Dieter Zetsche.

Das Geschäft läuft rund für den weltgrößten Reisekonzern TUI: Selbst die Pleite des Ferienfliegers Niki hat er gut verkraftet. 20 Millionen Euro muss Tui jedoch abschreiben, weil Niki seinen Verpflichtungen aus Charterverträgen nicht mehr nachkommen konnte. Das teilte TUI bei seiner Hauptversammlung mit.

Die TUI-Fluggesellschaft betrieb für Niki bis zur Insolvenz im Dezember sieben Flugzeuge. Inzwischen wurden die an Eurowings verchartert, wenn auch zu etwas schlechteren Konditionen als mit Niki. Doch der Verlust zwischen Oktober und Dezember, dem ersten Quartal des neuen Geschäftsjahres, fiel mit knapp 100 Millionen Euro trotzdem um 15 Prozent geringer aus als noch ein Jahr zuvor. Um ihn abzupuffern, hatte der Reisekonzern drei seiner Riu-Hotels verkauft. Ein Verlust im letzten Quartal des Kalenderjahres ist jedoch nicht ungewöhnlich für einen Reisekonzern. Das Hauptgeschäft verbuchen sie im Sommer zur Hauptreisezeit.

Für das laufende Jahr ist TUI-Chef Fritz Joussen optimistisch: Die Türkei-Buchungen lägen in Deutschland derzeit um 50 Prozent über denen des Vorjahres. Vor zwei Jahren waren die Reisebuchungen nach dem Putschversuch in der Türkei um etwa die Hälfte eingebrochen und hatten sich auch im vergangenen Jahr kaum erholt.

Ausbau des Flugangebots

Inzwischen geht Tui wieder mehr Risiko ein: Es bucht Zimmer fest in Hotels, mit denen sonst die Verträge ausgelaufen wären. Das Flugangebot werde ebenfalls kräftig ausgebaut. Aber auch insgesamt lägen die Buchungen bisher um sechs Prozent über denen des Vorjahres, die Umsätze für Reisen im Sommer lägen sogar um acht Prozent darüber, sagte Joussen. Die Strategie des Konzerns, inzwischen weniger Reisen zu vermitteln, zahle sich aus, sagte der Tui-Chef. Der Fokus liege inzwischen auf Hotels und Kreuzfahrten.

So haben die Hannoveraner stärker in Kreuzfahrtschiffe und Hotels investiert, der Betriebsgewinn der Hotels und Resorts verdoppelte sich zwischen Oktober und Dezember, um ein Drittel legte er in der Sparte Kreuzfahrtschiffe zu. So will Tui nun ein weiteres bauen, die „Mein Schiff 7“ biete Platz für 2894 Passagiere. 2023 soll sie übergeben werden. Außerdem will der Konzern seine Kunden stärker und individueller betreuen – und dadurch auch seine Einkünfte steigern.

Mangold bleibt länger

Für Kritik auf der Hauptversammlung sorgte die Personalie Dieter Zetsche: Der Daimler-Chef wurde zwar als einfaches Mitglied in den Aufsichtsrat gewählt, er sollte eigentlich im Oktober den noch amtierenden Aufsichtsratschef Klaus Mangold beerben. Doch Aktionärsberater monierten die Ämterhäufung. So erklärte sich Mangold bereit, solange an der Spitze des Aufsichtsrats zu bleiben, bis Zetsche dieses Amt mit seinen Aufgaben bei Daimler in Einklang bringen könne.

Zetsches Vertrag in Stuttgart läuft bis Ende 2019. Gesetzlich steht der Berufung des Daimler-Chefs an die Aufsichtsratsspitze zwar nichts im Weg. Da darf ein Manager zehn Aufsichtsratsmandate innehaben oder fünf Kontrollgremien führen – eine Regelung, die die Aktionärsschützer der DSW, der Deutschen Schutzvereinigung für Wertpapierbesitz, seit Jahren kritisieren.

Das Honorar als Aufsichtsrat benötigt Zetsche sicher nicht. Zuletzt teilte Daimler mit, dass der Vorstandschef im vergangenen Jahr 8,6 Millionen Euro verdient hat – eine Million mehr als 2016.