Flughafen Köln/Bonn

Garvens will um seinen Job kämpfen

Äußert sich über seine Rechtsanwälte erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: Der beurlaubte Flughafenchef Michael Garvens.

Äußert sich über seine Rechtsanwälte erstmals zu den gegen ihn erhobenen Vorwürfen: Der beurlaubte Flughafenchef Michael Garvens.

Köln/Bonn. Der beurlaubte Geschäftsführer des Flughafens Köln/Bonn wehrt sich gegen die gegen ihn erhobenen Vorwürfe und will an der Aufklärung mitwirken.

Fast vier Tage hat Michael Garvens mit seiner Reaktion gewartet. Das dreiseitige Schreiben, das seine Anwälte Rolf Bietmann (Köln) und Johannes Zimmermann (Düsseldorf) im Auftrag des vorläufig von seinen Aufgaben entbundenen Chefs des Flughafens Köln/Bonn am späten Dienstagnachmittag per Email an die Medien versandte, hatte es dann in sich. Der von einer Wirtschaftsprüfungsgesellschaft und von einem Rechtsanwaltsbüro erstellte Prüfbericht, auf dem seine vorläufige Suspendierung als Airport-Geschäftsführer beruht – kalter Kaffee, überwiegend beruhend auf einem anonymen Schreiben, das seit fünf Jahren bekannt ist. Die Beschuldigungen, die am Montag sogar zu Ermittlungen der Kölner Staatsanwaltschaft wegen des Anfangsverdachts der Untreue führten – allesamt unzutreffend und ihn als Geschäftsführer des Flughafens „in nicht zu akzeptierender Weise“ schädigend.

Punkt für Punkt treten Garvens und seine Anwälte den Vorwürfen aus dem Prüfbericht des Aufsichtsrats entgegen. Im Schlusssatz stellt der vorläufig geschasste Airport-Manager klar, dass er keineswegs bereit ist, die Bühne sang- und klanglos zu räumen: „Unser Mandant wird seine Aufgaben als Vorsitzender der Geschäftsführung der Flughafen Köln/Bonn GmbH weiter mit Engagement und Erfolg erfüllen“ – ein deutlicher Hinweis, dass Garvens um seinen Job in der Wahner Heide kämpfen will.

Lebenswerk steht auf dem Spiel

Schließlich ist es sein Lebenswerk, um das es geht. Auch das wird aus der Stellungnahme klar. Quintessenz: Vor nun fast 16 Jahren, als der studierte Betriebswirt die Geschäftsführung in Köln/Bonn übernahm, sei der Rheinland-Airport „in vielen Teilen ein Sanierungsfall“ gewesen. „Die wirtschaftliche Existenz des Flughafens stand auf dem Spiel“, heißt es in dem Schreiben. Heute dagegen sei der Airport Job- und Wirtschaftsmotor der Region, mit direkt und indirekt fast 16 000 Beschäftigten, einem Umsatz von 320 Millionen Euro pro Jahr, einer Wertschöpfungskette von knapp unter zwei Milliarden Euro. Kurzum, Garvens sei Dank, „eine Erfolgsgeschichte für die Wirtschaftsregion Rheinland“.

Die Anwälte weisen zudem darauf hin, dass Garvens in seiner Tätigkeit für den Flughafen „stets darauf geachtet hat, dass für Zahlungen des Flughafens Gegenleistungen zu erbringen waren“. Ihm sei nicht bekannt, dass es „Fälle fehlender sachwidriger Gegenleistungen“ gegeben habe. Die Geschäftsführung habe weder bei der Bestellung von Wirtschaftsprüfern manipuliert noch bei Brandschutzmängeln Verschleierung betrieben. So obliege die Bestellung der Wirtschaftsprüfer einer vierköpfigen Vergabekommission, die „in enger Abstimmung mit den Gesellschaftervertretern“ handele. Der Abschlussprüfer sei einstimmig bestellt worden.

Kontrolle der Dokumente sei einfach gewesen

Vehement geht Garvens auch gegen Vorwürfe vor, er habe private Flüge nicht richtig abgerechnet. Schon 2012 seien Privatflüge Gegenstand des anonymen Schreibens gewesen – „und in Gesprächen mit dem Aufsichtsratsvorsitzenden entkräftet worden“, schreiben Garvens‘ Anwälte. Als Inhaber einer Privatpilotenlizenz habe er von der Möglichkeit der Nutzung eines Flugzeugs Gebrauch gemacht. Die Kosten seien jedoch „stets in vollem Umfang von seinem privaten Konto bezahlt worden“. Aus Aufsichtsratskreisen wurde dem GA bestätigt, dass dies auch auf eine Tour an die Nordsee im Sommer 2015 zutrifft.

Dem Kontrollgremium war in der Sitzung am Freitag eine Rechnung in Höhe von 1400 Euro gezeigt worden, die der Flughafen von dem Dienstleister Nayak erhalten hatte. Es ging um Flüge von Köln/Bonn nach Sylt, Wyk auf Föhr, auf einen dänischen Flugplatz, weitere kurze Flüge und wieder zurück nach Köln/Bonn. Wie der GA weiter erfuhr, hat Garvens den Beleg über die Abbuchung dieses Betrags von seinem privaten Konto Aufsichtsratsmitgliedern gezeigt. Das mache deutlich, mit wie wenig Aufwand es möglich gewesen wäre, solche Dokumente zu überprüfen, hieß es in den Kreisen. Doch das sei offenbar nicht gewollt gewesen.

Bezeichnend sei, schreiben Garvens' Rechtsanwälte, „dass der Sprecher der Geschäftsführung des Flughafens in der Aufsichtsratsitzung nicht angehört wurde, obwohl bekannt war, dass Herr Garvens wenige Meter neben dem Sitzungssaal in seinem Büro auf die Möglichkeit wartete, eine Stellungnahme im Aufsichtsrat zu offenen Fragen abgeben zu dürfen“.