„Aktionäre betreiben Psychoterror“

Chaos bei Essener Industriekonzern Thyssenkrupp

Heinrich Hiesinger

Heinrich Hiesinger

Essen. Der Thyssenkrupp-Aufsichtsrat übt scharfe Kritik. Finanzvorstand Kerkhoff könnte an die Spitze aufsteigen.

Ulrich Lehner ist eigentlich ein ruhiger Zeitgenosse. Der Aufsichtsratsvorsitzende von Thyssenkrupp tritt öffentlich nie polternd auf. Doch das Chaos beim Essener Industriekonzern hat offenbar auch bei ihm Spuren hinterlassen. Im Interview mit der „Zeit“ platzte dem Manager nun der Kragen: „Wir sprechen nicht nur in der Hauptversammlung, sondern in vielen Treffen mit unseren Aktionären.

Bedauerlicherweise beschreiten einige aber auch andere Wege, die teilweise schon als Psychoterror bezeichnet werden könnten“, sagte Lehner in dem vorab veröffentlichten Gespräch. Lehner erhob schwere Vorwürfe gegen Cevian und Elliott, ohne diese jedoch explizit zu nennen. Einige aktivistische Investoren seien dafür bekannt, dass jene Manager, die sie loswerden wollten, später in psychiatrische Behandlung gemusst hätten. Eine Zerschlagung des Konzerns mitsamt seiner florierenden Aufzugssparte schloss er aus. Beiden Investoren wird Interesse an einer Aufteilung des Mischkonzerns nachgesagt.

Es ist derzeit Lehners wichtigste Aufgabe, einen Nachfolger für den vergangene Woche überraschend zurückgetretenen Vorstandschef Heinrich Hiesinger zu finden. Dem Vernehmen nach soll es bereits eine Liste mit mehreren Namen geben. Doch für die Auswahl benötigt Lehner Zeit. Die will er offenbar durch eine Interimslösung bekommen. Derzeit mehren sich die Zeichen, dass schon am Freitag ein Interims-Vorstandsvorsitzender ernannt werden könnte.

Das sagten mehrere Personen aus Konzernkreisen unserer Redaktion und bestätigten einen Bericht des „Handelsblatts“. Finanzvorstand Guido Kerkhoff soll die Aufgabe übernehmen. Dabei hatte sich das verbliebene Vorstandstrio, dem neben Kerkhoff Personalvorstand Oliver Burkhard und Rechtsvorstand Donatus Kaufmann angehören, am Montag noch vor die Belegschaft gestellt und erklärt, wie Hiesingers Aufgaben nun aufgeteilt würden. Der Konzern erklärte auf Anfrage, man beteilige sich nicht an Personalspekulationen.