Interview zur Entwicklung des Bitcoin

„Seriöse Bitcoin-Börsen verlangen eine Kopie des Personalausweises“

Viktor Becher

Viktor Becher

Bonn. Viktor Becher glaubt an die digitale Währung Bitcoin allen Warnungen herkömmlicher Finanzexperten zum Trotz. Der frühere Softwareingenieur kennt die Technologie sehr gut, die dahinter steckt, und hat selbst in die Kryptowährung investiert. Mit ihm sprach Nadine Klees.

Herr Becher, sie haben vor Jahren Geld in Bitcoin angelegt. Sind Sie jetzt reich?

Becher: Naja, reich... Sagen wir mal so: Ich habe im Jahr 2015 investiert. Damals hat ein Bitcoin 200 Euro gekostet, jetzt kostet er zeitweise über 10 000 Euro. Das heißt, mein Einsatz hat sich verfünfzigfacht. Ich war mir immer sicher, dass der Wert steigen wird. Aber dass es so schnell geht, hat mich überrascht.

Wenn jetzt viele, die ihr Geld derart vermehrt haben wie Sie, auf die Idee kommen, ihre Bitcoins wieder in Euro oder Dollar umzutauschen...?

Becher: ...dann würde der Kurs einbrechen, weil er nur an Angebot und Nachfrage gekoppelt ist.

Wie wahrscheinlich ist das Szenario aus Ihrer Sicht?

Becher: Ich wäre vorsichtig. Viele sind vor Jahren beim Kurs von zehn Euro eingestiegen, sitzen jetzt auf ihrem Geld und warten auf eine Gelegenheit zum Verkauf. Aber genauso möglich ist es, dass der Kurs noch weiter steigt. Ich glaube, der Wert wird sich noch vervielfachen.

Bitcoins kann man im Internet auf Tauschbörsen erwerben. Oft hat die Kryptowährung ja einen eher zweifelhaften Ruf. Ist das alles seriös?

Becher: Bei den Tauschbörsen gibt es große Unterschiede. Für die Kontoeröffnung verlangt ein seriöser Anbieter mindestens eine Kopie des Personalausweises und einen Nachweis der Wohnadresse, zum Beispiel mit Hilfe einer Rechnung des Stromanbieters. Dann wird der Antrag bearbeitet. Das kann gerade derzeit etwas dauern, weil alle Börsen stark überlastet sind. Die Überprüfung der Identität ist allerdings wichtig, weil sie vor Geldwäsche und Terrorismusfinanzierung schützen soll. Unseriöse Börsen erkennt man daran, dass sie versprechen, dass alles ohne Nachweise ganz schnell geht oder der Kauf von Bitcoins gebührenfrei ist. Dabei sind die Kosten meist nur gut versteckt.

Das heißt, es kostet Geld, Bitcoins zu erwerben?

Becher: Ja, aber nicht viel. Wer ein Konto bei einer Bitcoin-Börse hat, kann von seinem Girokonto kostenlos Geld dorthin überweisen. Der Tausch in Bitcoins kostet dann weniger als ein Prozent des Einsatzes. Beim Rücktausch in Euro fällt wieder die gleiche Gebühr an.

Man hört immer wieder, dass Bitcoins gehackt werden können...

Becher: Ja, da muss man aufpassen. Man sollte seine Bitcoins nie auf dem Börsenplatz im Internet liegen lassen. Zur Aufbewahrung gibt es sogenannte Wallets. Ein Wallet ist eine digitale Geldbörse, die man sich auf seinem Smartphone oder Computer installieren kann.Viele Anleger lassen ihre Bitcoins allerdings auf dem Börsenplatz liegen, und der ist sehr hackeranfällig.

Wer steckt hinter den Bitcoin-Börsen?

Becher: Im Prinzip kann jeder eine Bitcoin-Börse gründen, er muss sich nur an die Gesetze halten. Die sind in Deutschland allerdings relativ streng. Daher gibt es wohl auch nur eine einzige deutsche Bitcoin Börse, www.bitcoin.de. In anderen Ländern wie Luxemburg oder Großbritannien sind die Auflagen zum Betreiben geringer. Im Gegensatz zu ausländischen Börsen funktioniert bitcoin.de von Nutzer zu Nutzer. Das heißt, wer Bitcoin kaufen will, kauft sie dort direkt einem anderen Nutzer ab und überweist ihm das entsprechende Geld aufs Girokonto.

Der Bitcoin ist ja nur eine von vielen Kryptowährungen...

Becher: Ja, es gibt Tausende. Im Prinzip kann jeder seine eigene Währung generieren, weil es keine Bank gibt, die dahinter steht. Bitcoin funktioniert unabhängig und ist dezentral gespeichert. Ich könnte jetzt mit der entsprechenden Software einen ViktorCoin einführen. Ich müsste nur genug Menschen davon überzeugen, ihn zu nutzen. Dann hätte der ViktorCoin einen Wert.

Hinter dem Bitcoin steht ja kein direkter Wert...

Becher: Das stimmt. Aber der Euro ist doch auch nicht mit Gold hinterlegt. Viele machen den Fehler zu denken, der Euro und der Dollar seien stabil. Aber der Euro ist in diesem Jahr auch um zwölf Prozent gestiegen gegenüber dem Dollar, bei Bitcoin ist es nur extremer.

Aber der Wert des Bitcoins könnte sich von heute auf morgen plötzlich in Luft auflösen?

Becher: Ja, wenn alle ihre Bitcoins verkaufen. Dazu müsste eine Massenpanik ausbrechen. Beim Euro ginge das aber auch: Wenn zum Beispiel drei oder vier EU-Länder plötzlich pleite sind und institutionelle Anleger ihre Euro alle verkaufen. Die Wahrscheinlichkeit, dass der Euro nichts mehr wert ist, ist genauso hoch, wie dass der Bitcoin nichts mehr wert ist. Gut, beim Euro steht eine Institution dahinter, die Europäische Zentralbank. Die könnte den Euro aufkaufen, um ihn zu stützen.

Dafür müsste sie ihre Währungsreserven, zum Beispiel in Dollar und Yen verkaufen. Die sind aber irgendwann aufgebracht. Beim Bitcoin wiederum wären viele Anleger wie ich bereit, ihn aufzukaufen. Das kann den Kurs stabilisieren.