Bayer-Aufsichtsrats-Chef im Interview

„Monsanto macht, was die Natur vormacht“

Der Aufsichtsratsvorsitzende von Bayer, Werner Wenning, äußert sich im Interview zur umstrittenen Übernahme des Gentechnik-Konzerns Monsanto und kritisiert dabei bestimmte Nicht-Regierungs-Organisationen.

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Bayer steckt für die Übernahme des Gentechnik-Konzerns Monsanto gerade viel Kritik ein. Ist Agrochemie die neue Atomkraft, sehen Sie eine neue gesellschaftliche Bewegung?

Werner Wenning: Nein, überhaupt nicht. In Nord- und Südamerika, wo Monsanto 80 Prozent des Geschäfts macht, gibt es diese grundsätzliche Kritik nicht. In den USA zählt Monsanto sogar zu den beliebtesten Arbeitgebern. Die Ablehnung der grünen Gentechnik ist eher ein Thema in Europa, vor allem in Deutschland. Das liegt auch an dem Geschäftsmodell einiger Nicht-Regierungs-Organisationen, das vor allem darin besteht, Ängste vor einzelnen Technologien und Produkten zu schüren, selbst wenn es dafür – wie auch beim Herbizidwirkstoff Glyphosat – überhaupt keine wissenschaftliche Grundlage gibt.

Und wenn die Gesellschaft eine Technologie ablehnt?

Wenning: Dann muss man das letztendlich akzeptieren und kann nicht auf Dauer dagegen kämpfen, selbst wenn die Fakten eine ganz andere Sprache sprechen. Das zeigt auch das Beispiel Atomkraft: China baut neue Atomkraftwerke, Deutschland hat sich für den Ausstieg entschieden. Das muss so akzeptiert werden. Und so lange die deutsche Gesellschaft die grüne Gentechnik ablehnt, werden wir sie hier auch nicht mit Monsanto an Bord einführen.

Monsanto gilt als einer der unbeliebtesten Konzerne. Fürchten Sie nicht einen nachhaltigen Imageschaden?

Wenning: Nein, ich habe Monsanto auch ganz anders kennengelernt. Monsanto macht als Biotech-Unternehmen das, was die Natur und der Mensch seit Jahrhunderten vormachen – Saatgut weiterentwickeln und verbessern. Damit hilft Monsanto, die Ernährung der wachsenden Weltbevölkerung zu sichern. Das sage ich auch den Kritikern.

Dennoch bleibt der Deal eine gesellschaftliche Herausforderung.

Wenning: Natürlich, wir müssen aufklären und transparent sein. Wir werden auch mit Monsanto die Bayer-Standards einhalten und leben – ohne Wenn und Aber. Es darf einem Unternehmen nie nur um Profitoptimierung gehen. Nur mit einem nachhaltigen Geschäftsmodell kann man bestehen. Das beherzigen wir auch, wenn es um den Bereich Gesundheit geht.

Pflanzenschutz ist ein anderes Geschäft.

Wenning: Wirtschaft wird immer dann akzeptiert, wenn die Menschen erkennen, wo der Mehrwert der Produkte für sie liegt. Das ist bei Arzneien einfacher zu vermitteln als beim Pflanzenschutz. Doch nur weil Europa noch kein Ernährungsproblem hat, verschwindet das Problem ja nicht. Hier vergessen viele, dass weltweit etwa 800 Millionen Menschen hungern. Wenn man zum Beispiel Pflanzen entwickelt, die mit weniger Wasser auskommen und mit den Folgen des Klimawandels besser umgehen können, hilft das auch afrikanischen Kleinbauern, ihre Ernten zu verbessern. Da finde ich es bedenklich, wenn die europäische Wohlstandsgesellschaft manchmal Techniken zu Lasten Dritter verurteilt.

Seit 2016 zieht sich die Übernahme hin. Hat Bayer die Bedenken der Kartellhüter unterschätzt?

Wenning: Dem Aufsichtsrat wie dem Vorstand war klar, dass es intensive Prüfungen geben wird. Es war auch von vornherein klar, dass wir bestimmte Produkte abgeben müssen.

Nun hat die EU grünes Licht gegen Auflagen in Aussicht gestellt. Ist es denkbar, dass Sie die Fusion abblasen, wenn die Auflagen zu hoch ausfallen? Hat Bayer einen Plan B?

Wenning: Wir haben einen glasklaren Plan A, und der lautet: Wir wollen Monsanto übernehmen. Wir freuen uns über die Signale aus Brüssel und warten zuversichtlich die Entscheidungen der Behörden weltweit ab.

Sind solche Deals auch so schwierig durchzusetzen, weil die Manager-Elite in der Bevölkerung einen katastrophalen Ruf genießt?

Wenning: Von einem katastrophalen Ruf würde ich nicht sprechen. Aber es gibt leider Einzelfälle von unmoralischem Verhalten, und diese Fälle werden dann generalisiert. Dabei ist die große Mehrheit der Manager geradlinig, ehrlich und vernünftig. Wichtig ist es, wie man mit Verfehlungen Einzelner umgeht. Hier gibt es manchmal noch Nachholbedarf.