Gründer mit Herz

Zentrum für soziale Start Ups in Bonn eröffnet

Steffen Preuß und Eleftherios Efthimiadis entwickeln einen Therapieball für Demenzkranke, der leuchtet und Musik abspielt. Spielerisch können damit Kognition und Motorik trainiert werden.

Steffen Preuß und Eleftherios Efthimiadis entwickeln einen Therapieball für Demenzkranke, der leuchtet und Musik abspielt. Spielerisch können damit Kognition und Motorik trainiert werden.

Bonn. Das Social Impact Lab in Bonn öffnete am Freitag seine Türen. Das Zentrum in den Räumen der Aktion Mensch vergibt Stipendien an die Erfinder von sozialen Projekten.

2011 hat Norbert Kunz sein erstes Social Impact Lab (SIL) in Berlin gegründet und war damit seiner Zeit ein wenig voraus. Allen Widrigkeiten zum Trotz öffnete am Freitag, sieben Jahre später, am mittlerweile neunten Standort ein solches Zentrum für Unternehmensgründer im sozialen Bereich seine Türen. In den Räumen der Aktion Mensch in der Heinemannstraße tummelten sich weit mehr als die 250 angemeldeten Gäste. Repräsentativ für die beiden Schwerpunkte des Labors, Soziales und Start-ups, weihten Gründungsexperte Frank Thelen und Mediziner/Multitalent Eckart von Hirschhausen das Zentrum mit ein.

Neben zwei Hauptsponsoren unterstützt vor allem die Aktion Mensch das SIL. Ganz bewusst habe man das Labor in den eigenen Räumlichkeiten angesiedelt, berichtete Armin von Buttlar, Vorstand der Aktion Mensch, „damit wir voneinander profitieren können“. Nach eigenen Angaben ist das SIL das erste inklusive Innovationslabor in der Metropolregion Rhein-Ruhr.

Wie an allen Standortes sollen in Bonn von nun an potenzielle Unternehmensgründer mit Experten, Investoren und ihrer Zielgruppe zusammengebracht werden. Dazu können sich Start-ups um ein Stipendium bewerden, dessen Programm ihnen in neun Monaten alles Essenzielle zum Thema Unternehmensgründung beibringen soll. Die Aussichten danach sind vielversprechend: Aus vier von fünf Start Ups ging ein Unternehmen hervor, von denen fast alle am Markt bestehen, gibt das SIL an.

#stadtsache: App zum Entdecken und Städteplanen

Beste Voraussetzungen für Anke Leitzgen. Die Autorin des Kinderbuchs „Entdecke deine Stadt“ ist eine der ersten sechs Stipendiaten des Bonner Labors. Ausgezeichnet wurde sie aber nicht für ihr Buch, sondern für die daraus hervorgegangene App #stadtsache.

Vor allem Kinder können mit der App ihre Stadt genauer betrachten, indem sie Fragen beantworten wie: „Wo führt der schönste Radweg lang?“ Das Ergebnis können sie als Foto, Ton oder Video hochladen und für andere zugänglich machen. Da die App auf Google Maps basiert, kann sie weltweit genutzt werden.

Doch das Ganze ist nicht bloß Spielerei: In Workshops mit der Stadtverwaltung können die Kinder so die Ergebnisse ihrer Entdeckungen vorstellen und in die Stadtplanung mit einbringen. „Dabei geht es auch um kleine Dinge, wie an welcher Ecke ein Mülleimer aufgestellt wird“, sagte Leitzgen. Zuletzt konnten so die Kleinsten in Erlangen bei der Neugestaltung eines Viertels mitreden. Ende des Jahres sollen die Abläufe dieser Teilhabeprojekte soweit entwickelt sein, dass sie auf größerer Basis angewandt werden können, gab Leitzgen an.

Ichó: Mit Musik gegen Demenz

Wie es für ihr Projekt weitergehen könnte, zeigte das Team von ichó. 2016 durchliefen sie im Duisburger SIL das Stipendienprogramm. Im Kommunikations- beziehungsweise Informatikstudium an der Hochschule Düsseldorf hatten Steffen Preuß, Mario Kascholke und Eleftherios Efthimiadis sich kennengelernt. Alle drei einte eine traurige Gemeinsamkeit: Ihre Großeltern waren an Demenz erkrankt. Und so suchten die Studenten nach einer Möglichkeit, ihnen zu helfen.

Heraus kam der Therapieball ichó (griechisch für Echo), der auf Druck und Bewegung mit Leuchten, Vibration oder Musik reagiert. „Je nachdem, wie du mit ihm umgehst, erzeugst du ein anderes Echo“, erklärte Efthimiadis den Namen. Demenzkranke können damit ihre Motorik und Kognition trainieren. Als seine Oma ichó das erste Mal in der Hand hielt und daraus ihr Lieblingssänger Roy Black ertönte, sei das Leuchten in ihre Augen zurückgekehrt, erinnerte sich Preuß. Die Arbeiten am Prototyp seien fast abgeschlossen, Anfang 2019 soll der Ball auf den Markt kommen.