Erfolgreiche Firmen aus Bonn

Vom Goldbären bis zum Marmeladenglas

BONN. Wie sah die Gründerszene vor 100 Jahren in Bonn und der Region aus? Welche Unternehmer wagten mit ihrer Geschäftsidee den Sprung in die Selbstständigkeit?

Einige der im 19. und 20. Jahrhundert gegründeten Firmen haben sich zu weltbekannten Herstellern entwickelt. Andere Unternehmen verlagerten ihre Produktionsstätten in die Region, von wo aus sie auch heute noch ihre Waren in den weltweiten Export schicken.

Haribo

Im Firmennamen und Akronym HaRiBo verewigte Hans Riegel nicht nur seinen eigenen Namen, sondern auch Bonn als Ursprung des Süßwarenunternehmens. Am 13. Dezember 1920 lässt der Friesdorfer die Firma in das Handelsregister der Stadt Bonn eintragen. Seine erste Produktionsstätte richtet der Jungunternehmer in einem Haus an der Bergstraße in Bonn-Kessenich ein. 1922 entwickelt der gelernte Bonbonkocher den Tanzbären, den Vorläufer des heutigen Goldbären.

Im Vergleich zur heutigen Form war dieser schlanker und größer. Drei Jahre später beginnt Riegel mit der Lakritzherstellung, unter anderem auch die der Lakritzschnecke. In den 1930er-Jahren erlebt das Unternehmen zwei große Erneuerungen: Zum einen wird der Hauptbau der Produktionsanlage in Bonn fertiggestellt, zum anderen wird der bekannte Slogan „Haribo macht Kinder froh und Erwachsene ebenso“ Teil der Marke.

Nach dem Tod von Hans Riegel 1945 übernehmen zunächst seine Frau Gertrud Riegel und später die Söhne Hans und Paul die Leitung der Geschäfte. Das Familienunternehmen wächst in den 1950er-Jahren auf fast 1000 Mitarbeiter an. Heute wird Haribo in der dritten Generation geführt. Mittlerweile wird die Produktpalette nicht mehr nur in Bonn, sondern auch an 15 weiteren Standorten in zehn Ländern produziert. Nächstes Jahr soll der neue Standort in der Grafschaft bezogen werden.

Kessko

Im Jahr 1905 gründet Gustav Kessler das Unternehmen „Kessler & Comp. Nährmittelwerk“ in Bonn-Beuel. Das Familienunternehmen „Kessko“ produziert seitdem Rohware für Bäckerei- und Gastronomiebetriebe. Zu dem Sortiment gehören neben Nougat, Marzipan, Aromen, Essenzen, Backmittel, Schokolade und Kuvertüren auch Eispasten.

Weck

Die Firma Weck wurde zu Beginn des 20. Jahrhunderts zwar nicht in der Region, sondern in der Stadt Öflingen im Süden Baden-Württembergs gegründet. Dennoch stammen die Einkochgläser mit dem Erdbeerlogo vom Rhein. Genau am 1. Januar 1900 gründeten Johann Weck und der Kaufmann Georg van Eyck das Unternehmen „J. Weck u. Co. in Öflingen“. Während Weck die Firma bereits nach zwei Jahren verlässt, kümmert sich van Eyck um die Geschäfte. Die erste Weck-Glashütte entsteht in Friedrichshain bei Cottbus. Nach dem Zweiten Weltkrieg wird ein neues Glaswerk in Bonn-Dusidorf errichtet. Seit 1950 werden hier Einkochgläser, Getränkeflaschen und Industriekonservengläser hergestellt. Die Produktion von Glasbausteinen wurde hingegen 2004 ausgesetzt.

Bonner Fahnenfabrik

Direkt an der Nordbrücke wehen drei Fahnen im Wind. Neben den deutschen und europäischen Flaggen ist dort auch die französische Tricolore gehisst. Die 1866 gegründete Bonner Fahnenfabrik (Bofa) ist seit 2012 im Besitz der aus Frankreich stammenden Unternehmerfamilie Doublet. Nach einem Insolvenzantrag kauft Doublet die Traditionsfirma, die in der fünften Generation in Familienbesitz ist. Der Standort in der Bonner Römerstraße sowie 80 Prozent der Mitarbeiter bleiben erhalten.

Die hohe Nachfrage an schwarz-weißen Fahnen mit dem Preußenadler und der Wunsch nach gestickten Vereins- und Regimentsfahnen veranlassen Josef Meyer vor 150 Jahren, seinen Bonner Dekorationshandel zu einer Fahnenfabrik auszubauen. In der Kaiserzeit produziert die Bofa als Hoflieferant Fahnen für Bismarcks Geburtstag und andere Anlässe. Ab 1890 werden an der Sterntorbrücke auch Wappen und Firmenschilder hergestellt. Das Werk zieht 1928 vom Bonner Zentrum in ein Kasernengebäude in der Nordstadt. Bereits 1924 eröffnet die Bofa in Beuel eine eigene Tuchweberei. In den vom Krieg teils zerstörten Werken werden ab 1946 wieder Flaggen produziert.

Orgelbau Klais

1882 gründet der Orgelbauer Johannes Klais seine Werkstatt in Bonn. Klais lernt das Handwerk in der Schweiz und in Süddeutschland sowie im Elsass. Ab 1925 führt sein Sohn, Hans Klais, das Unternehmen fort. Diese Tradition übernehmen sowohl der Enkel als auch der Urenkel. Die Orgeln aus Bonn erklingen nicht nur in der Region, sondern auf der ganzen Welt – in Lima, Buenos Aires, Peking, Münster und Hamburg.

Verpoorten

Der Ursprung des Eierlikörherstellers liegt in Heinsberg in der Nähe von Aachen. 1876 legt Eugen Verpoorten dort den Grundstein für das Unternehmen. Danach zieht der Betrieb mehrfach um: Zunächst 1920 nach Berlin und nach dem Zweiten Weltkrieg ins niederbayrische Straubing. 1952 erfolgt die Verlagerung des Hauptstandortes ins Rheinland nach Bonn. Der Standort Berlin wird ebenfalls wieder aufgebaut. Anfang der 1960er-Jahre wird der Werbeslogan „Ei, ei, ei Verpoorten“ kreiert.

Von Bonn aus gehen die Eierlikörflaschen in den weltweiten Export. In den 1990er-Jahren wird der Firmensitz mit Produktions- und Lagerstätten mehrfach erweitert und ausgebaut. 2011 erhalten die Dächer eine 3500 Quadratmeter große Photovoltaikanlage.