Elektromobilität dank Telefonsäulen

Telekom stellt in Bonn neue Ladesäulen für E-Autos vor

Bonn. Das Auftanken für E-Autos gilt als langwierig und umständlich. Das soll sich ändern. Die Telekom will das Lade-Netz in Deutschland ausbauen und dabei auf die eigene Infrastruktur zurückgreifen.

Die Deutsche Telekom will im öffentlichen Raum Ladestationen für Elektrofahrzeuge schaffen und die eigene Infrastruktur dafür nutzen. In Bonn und in Darmstadt nahm sie am Montag die ersten Ladesäulen in Betrieb. Bruno Jacobfeuerborn, Geschäftsführer der Telekom-Tochter Comfort Charge, stellte auf dem Parkplatz der Bonner Telekom-Zentrale drei technische Lösungen vor, über die E-Autos Strom tanken können.

Da sind zum Beispiel die alten, im Zeitalter von Mobiltelefonen kaum noch beachteten Telefonsäulen. Die silbernen Stelen, von denen es deutschlandweit noch 20 000 gibt, sollen zur Zapfsäule aufgerüstet werden und zudem Wlan bieten können. Aber auch Kabelverzweiger taugen als Basis für Ladestationen. Rund 12 000 dieser grauen Kästen am Straßenrand sollen laut Telekom um eine Ladesäule erweitert werden.

An beiden Stationsarten können bis zu zwei Fahrzeuge gleichzeitig mit elf Kilowatt versorgt werden. Innerhalb einer Stunde soll nach Angaben der Telekom genug Strom für eine Reichweite von 50 bis 75 Kilometern fließen, „je nach Fahrzeugtyp“. Der Strom komme aus regenerativen Energiequellen, so der Bonner Konzern. Zusätzlich entstehen an Telekom-Standorten mit Mittelspannungsanlagen Schnell-Ladesäulen, die leistungsfähiger sind. Die Telekom verspricht die „derzeit schnellste Lademöglichkeit für Elektrofahrzeuge in deutschen Städten“. Ein zehnminütiger Ladevorgang soll für 100 Kilometer Reichweite genügen. Die Anlage besitzt zwei schnelle Anschlüsse; die Ladeleistung beträgt bis zu 150 Kilowatt.

Städte- und Gemeindebund begrüßt Vorhaben der Telekom

500 solcher Stationen will die Telekom aufstellen, 100 davon noch in diesem Jahr. Eine einmalige Ladung an den beiden langsameren Ladestationen kostet stets 7,89 Euro. An der schnellen Ladesäule fallen 14,49 Euro pro Ladung an. Gezahlt wird per Kreditkarte oder anderer bargeldloser Zahlungsmethoden wie Paypal. Darüber hinaus kooperiert die Telekom mit E-Mobility-Providern, die eigene Ladekarten herausgeben. Für diese gibt es unterschiedliche Gebührenmodelle, Basis ist ein Vertrag mit dem E-Autofahrer.

Es ist im Gespräch, dass sich auch die Telekom auf diesem Geschäftsfeld künftig verstärkt engagiert, etwa durch eigene Angebote. Wie viel das Unternehmen nun in den Ausbau der Infrastruktur investiert, dazu machte Jacobfeuerborn keine Angaben. Es gehe jetzt zunächst darum, die technischen Voraussetzungen zu schaffen. „Natürlich müssen wir uns dabei auch mit den Städten verständigen“, sagte Jacobfeuerborn. Schließlich muss an den potenziellen Ladestationen der nötige Parkraum sichergestellt sein.

Der Städte- und Gemeindebund begrüßte auf Anfrage das Vorhaben der Telekom. „Klar ist aber auch, dass die Städte und Gemeinden durch die entsprechenden rechtlichen Rahmenbedingungen in die Lage versetzt werden müssen, die bestehenden Infrastrukturen zu diesem Zweck zu nutzen, den nötigen Parkraum ausschließlich für Elektrofahrzeuge auszuweisen und entsprechende Verstöße, also Falschparken, zu sanktionieren“, so Hauptgeschäftsführer Gerd Landsberg, der einen „engen Dialog“ zwischen Anbietern und Kommunen erwartet.

Kommunen hätten bereits die Handhabe, Falschparker an E-Tankstellen abzuschleppen, sagt Rachid Ait Bouhou, wissenschaftlicher Beirat beim Bundesverband E-Mobilität (BEM). „Konsequent umgesetzt wird das bislang nur in Hamburg.“ Der Experte befürwortete das Engagement der Telekom, relativierte aber deren Reichweiten-Versprechen: Die genannten Distanzen seien bislang nur bei wenigen beziehungsweise erst noch auf den Markt kommenden E-Autos einzulösen, so Rachid Ait Bouhou. Laut BEM gibt es derzeit bundesweit 13 000 Normal-Ladepunkte und 1000 Schnell-Ladepunkte; letztere sind auf mehr als 22 Kilowatt ausgelegt.