Ansturm auf Trikots und WM-Bälle

Sportgeschäfte in der Region warten auf Ware von Adidas

BONN/KÖLN. Begehrter vierter Stern: Binnen zehn Minuten nach Öffnung waren am Montagmorgen im Adidas-Store in der Kölner Schildergasse die 50 neuen Trikots der deutschen Nationalelf ausverkauft. Doch nicht nur dort, auch bei vielen anderen Sportgeschäften in Köln, Bonn und der Region war die Nachfrage nach den Hemden und WM-Fußbällen groß.

Im seinem Internetshop präsentierte WM-Ausstatter Adidas die Trikots mit den vier Sternen - die für die seit Sonntagnacht vier Weltmeistertitel der deutschen Elf stehen - mit dem Hinweis: "ausverkauft". Was so nicht ganz stimmt, denn der bayerische Sportartikelkonzern hatte zwar eine Kleinserie vorab gefertigt, so richtig sind die Nähmaschinen in China aber erst mit dem Abpfiff des Finales angelaufen. Um die Nachfrage möglichst schnell zu befriedigen, sollen die Textilien nicht auf dem Seeweg nach Deutschland kommen, sondern eingeflogen werden.

"Wir hoffen, am Mittwoch die ersten neuen Trikots zu bekommen", hieß es bei der Kaufhof-Sportarena in der Bonner Innenstadt. Bis auch die vielen kleinen Sportläden in der Region mit den neuen Trikots versorgt sind, wird es aber wohl Mitte August werden.

Von den weißen Hemden mit noch drei Sternen hat Adidas laut Vorstandschef Herbert Hainer bis zur WM mehr als zwei Millionen verkauft. Sie kosten im Laden knapp 80 Euro das Stück. Den vierten Stern und das Fifa-Weltmeisterschaftsabzeichen auf den neuen Trikots lassen sich die Herzogenauracher vergolden: Mit knapp 85 Euro ist das neue Trikot fünf Euro teurer als das alte. Übrigens wäre Adidas auch bei einem Sieg der Argentinier auf der sicheren Seite gewesen: Auch die Südamerikaner beziehen ihre Trikots von den Bayern.

Ebenfalls tief in die Tasche greifen müssen Fußballfans für das Spielgerät aus dem Finale, den Fußball Brazuca Final Rio, der knapp 130 Euro kostet. Rund 14 Millionen WM-Bälle hat Adidas bereits verkauft, eine Million mehr als 2010. Der Finalball war bei vielen Sportgeschäften in der Region ausverkauft.

Die Aussicht auf gute Geschäfte mit Fußballartikeln gaben der Adidas-Aktie am Montag an der Börse Auftrieb. Mit einem Plus von mehr als zwei Prozent war der Dax-Wert Tagesgewinner. Deutschland Fußballweltmeister - sollte das vielleicht sogar der Konjunktur insgesamt weiteren Schub geben? Wirtschaftsexperten beschäftigten sich mit den Folgen des kollektiven Taumels. Allzu viel sollte sich Deutschland vom vierten WM-Titel allerdings nicht erhoffen. Der deutsche Leitindex Dax startete am Tag nach dem Sieg zwar mit einem Plus. Doch ob tatsächlich die DFB-Elf für die gute Stimmung der Anleger sorgt, ist fraglich.

"Fußball und Dax haben nichts miteinander zu tun, es ist eines der schönsten Beispiele für eine Scheinkorrelation", sagt Holger Bahr, Volkswirt bei der Dekabank. In einer nicht ganz ernst gemeinten Studie weisen Bahr und seine Autorenkollegen darauf hin, dass sich der Dax in den Jahren 2002 und 2008, als Deutschland WM und EM jeweils im Finale verlor, in der Folge etwa halbierte.

Tatsächlich sorgten aber ganz andere Faktoren für die Kurseinbrüche: Zunächst platzte die Internet-Blase, später erschütterte die Finanzkrise die Weltwirtschaft. Einen nachhaltigen positiven Effekt auf die Konjunktur erwartet Bahr durch den WM-Sieg Deutschlands ebenfalls nicht. "Fußball ist eine der schönsten Nebensachen der Welt, aber für die Konjunktur und den Dax spielen andere Faktoren eine Rolle."

Aber: "Wenn Millionen Menschen ein positives Erlebnis haben, kann sich das positiv auf das ökonomische Verhalten auswirken", sagt Armin Falk, Professor an der Universität Bonn. Der Wirtschaftswissenschaftler hatte beim Sommermärchen 2006 in Deutschland nach jedem Spiel der Nationalmannschaft Bundesbürger nach ihrer persönlichen ökonomischen Situation, der allgemeinen Wirtschaftslage sowie ihren Erwartungen dazu befragt. Das Ergebnis: Mit dem Erfolg der deutschen Mannschaft verbesserten sich die Werte. Insgesamt wurden für die Studie mehr als 3000 Bundesbürger befragt.

"Wenn alle Leute glauben, dass es aufwärtsgeht, kann das die ökonomische Stimmung positiv beeinflussen. Es entsteht ein sich selbst verstärkender Effekt", sagt Falk. Beziffern lasse sich das allerdings nicht.

Auch Heinrich Alt, Vorstandsmitglied der Bundesagentur für Arbeit, rechnet mit positiven Folgen: Die Art, wie Deutschland das Turnier gespielt habe, mache das Land in der Welt sympathisch. Das werde abfärben auf deutsche Produkte und Dienstleistungen und der Wirtschaft zusätzliche Impulse geben.

"Und es wird uns auch die Möglichkeit eröffnen, Arbeitslose von der Reservebank auf das Spielfeld zu schicken."