Thema Tagungstourismus

So war der Bonner Wirtschaftstalk

Honestis-Vorstand Dirk Iserlohe, Hotelier Fritz-Georg Dreesen, Moderator Christian David, Christina Esser vom WCCB und Veit Lawrenz von Tourismus NRW.

Honestis-Vorstand Dirk Iserlohe, Hotelier Fritz-Georg Dreesen, Moderator Christian David, Christina Esser vom WCCB und Veit Lawrenz von Tourismus NRW.

BONN. Beim Bonner Wirtschaftstalk drehte sich alles um den Tagungstourismus in der Region. Mehr als 32.000 Veranstaltungen mit einer durchschnittlichen Dauer von zwei Tagen finden in der Region statt.

Christina Esser gab sich betont zufrieden. Die Veranstaltungsmanagerin des Bonner WCCB beantwortete die Frage nach der Auslastung des Konferenzzentrums rund um den ehemaligen Plenarsaal des Deutschen Bundestags mit durchaus beeindruckenden Zahlen: Mehr als 170.000 Besucher habe man im Schnitt in den beiden Jahren seit der Eröffnung an über 340 Veranstaltungstagen begrüßt. Neben den bundesweit wahrgenommenen Kongressen der Vereinten Nationen oder von Parteien sowie Tagungen von Dax-Konzernen oder Verbänden finden mehr als 32.000 weitere Veranstaltungen mit einer durchschnittlichen Dauer von zwei Tagen in der Region statt.

„Preise im Keller“

Iserlohe, seines Zeichens CEO des Hotel- und Immobilieninvestors Honestis und Dorint-Aufsichtsrat, kommentierte Essers Zahlen mit der Bemerkung, dass er eigentlich geglaubt habe, ihr Konferenzzentrum sei ein „Elefant auf einem Bein“, weil das zugehörige Marriot-Hotel zu geringe Kapazitäten für große Tagungen habe. Außerdem brachte er in der Runde die Probleme der Branche auf den Punkt: Das Hauptproblem sei, dass die Preise in Deutschland sich im Keller befänden: „Wir zerstören uns über eine Geiz-ist-geil-Mentalität mit Preisen von 59 Euro“, befürchtet er. Unter den günstigen Wochenpreisen hätte die ohnehin viel zu niedrige Auslastung an den Wochenenden dann noch zusätzlich zu leiden.

Um der zu begegnen, regte Lawrenz an, Businessveranstaltungen mit Kulturprogrammen zu kombinieren: In solchen als „Bleisure“ – einer Kombination aus dem englischen Business und Leisure für Freizeit – bezeichneten Programmen, sieht der Produktmanager von Tourismus NRW zumindest eine Möglichkeit die Auslastung an den Wochenenden zu erhöhen.

Uneinig war sich die Runde in Hinblick auf die Rolle der Bundesstadt für die Attraktivität des Kongress- und Tagungstourismus’ der Region: Während Hotelier Fritz Dreesen in seiner Funktion als Vorsitzender des IHK-Ausschusses für Kultur und Tourismus die Hauptstadtvergangenheit oder Beethoven als unentbehrlich empfindet, „wenn man die Leute ins WCCB holen will“, glaubt Iserlohe, dass man den Standort unabhängig davon entwickeln solle: „Service wird die Droge der Zukunft sein“, glaubt er. Auch, wenn es hierzulande sehr schwierig sei, Menschen zu finden, die sich für die Branche als Arbeitgeber interessierten.

Visitenkarte der Stadt

„Ein Hotel, das ein Ausländer zum ersten Mal betritt, ist die Visitenkarte der Stadt“, meint Dreesen: Bonns Internationalität sei doch ein echtes Pfund: „Wir waren Multi-Kulti-Stadt, als der Rest der Republik noch nicht einmal wusste, wie man das schreibt“, sagte er. Mit Blick auf den Service stimmte er Iserlohe zu: Gerade für die Mittelständler sei der persönliche Kontakt zu den Gästen das beste Kundenbindungsprogramm.

Beim nächsten Bonner Wirtschaftstalk soll es am 26. Juni unter dem Titel „Geld 4.0“ um die Themen Digitalisierung und Innovation gehen.