GA-Serie "Lehrstellen-Check"

So sieht die Arbeit eines Pferdewirts aus

Pferde-Pflege: GA-Mitarbeiterin Marie Schneider (rechts) hilft Felicitas Dold.

Pferde-Pflege: GA-Mitarbeiterin Marie Schneider (rechts) hilft Felicitas Dold.

Bonn. GA-Mitarbeiterin Marie Schneider lernt in Weilerswist den Beruf des Pferdewirts kennen.

Ein leichter Wind weht und treibt den Geruch von Pferdeställen schon von weitem zu mir herüber. Große Weiden und Paddocks, dahinter ein kleines Waldstück, prägen die Voreifel-Landschaft. Auf den Wiesen stehen friedlich grasende Pferde. Rund 100 leben auf der 17 Hektar großen Reitanlage Starck in Weilerswist. Rund 200 Menschen kümmern sich um die Tiere, darunter einige Pferdewirte. Einen Tag lang ziehe auch ich Handschuhe, einen Reithelm und Schuhe mit Stahlkappen an, um mich in diesem Beruf zu versuchen.

Im Sommer zieht Felicitas Dold um 6 Uhr morgens die erste Tür zu einer Pferdebox auf. Die 21-Jährige ist im dritten Lehrjahr ihrer Ausbildung zur Pferdewirtin mit dem Schwerpunkt „Pferdehaltung und Service“. Im Winter muss sie um 7 Uhr mit dem Füttern der Tiere anfangen. Sie arbeitet an fünf Tagen pro Woche und besucht zudem an einem Tag die Berufsschule. Gegen halb zwei hat sie meist Feierabend, doch oft kommt noch eine Abendschicht zum Füttern der vielen Wallache, Stuten und des einzigen Hengstes auf der Reitanlage hinzu. Und grundsätzlich gilt: „Ich habe frei, wenn alle Pferde versorgt sind“, so Felicitas Dold.

Gemeinsam schieben wir den Futterwagen durch den Stall und halten an jeder Box. Schon beim Öffnen der Türen merke ich, wie kräftezehrend der Beruf sein muss, denn die schweren Tore lassen sich nur mühsam öffnen. Ich versuche, mich am Pferd vorbeizuschlängeln und das Futter in den Trog zu schütten. Doch das Tier ist schneller. Schon steckt es seinen Kopf in den Eimer und frisst seine Ration Futter in wenigen Minuten auf. „Das ist nicht schlimm, aber das würde mir jedes Mal viel zu viel Zeit kosten“, erklärt Felicitas und lacht. Bei ihr sind die Bewegungen viel flüssiger: Sie lässt sich nicht wie ich von der Größe und Stärke der Pferde beeindrucken. Schnell merke ich, dass sie die Tiere sehr gut kennt und weiß, wie sie mit ihnen umgehen muss.

Pferdeliebe reicht nicht aus

„Die Liebe zum Pferd ist eine wichtige Bedingung. Aber ich würde sagen, dass sie nur 20 Prozent der Voraussetzungen ausmacht“, berichtet Daniela Starck, Ausbilderin und Besitzerin der Reitanlage. Seit vier Jahren bildet Starck in ihrem Betrieb junge Frauen und Männer zum Pferdewirt aus und merkt meist schnell, ob sie tatsächlich für den Beruf geeignet sind. „Die Leute haben oft falsche Vorstellungen. Nur ein Interesse an Pferden zu haben, reicht nicht. Es ist ein sehr körperlicher Beruf, die Azubis müssen viel Durchhaltevermögen mitbringen“, so die Ausbilderin. Neben Fleiß, Hilfsbereitschaft und Teamfähigkeit seien auch eine gute körperliche Konstitution gefragt. Daher hätten etwa übergewichtige Bewerber keine Chance.

Felicitas berichtet, dass sie seit dem Beginn ihrer Ausbildung rund 20 Kilogramm abgenommen hat. Sie legt bei ihrer Arbeit jeden Tag zwischen 15 und 20 Kilometer zu Fuß auf dem Gelände der Reitanlage zurück. Auch ich spüre allmählich viele meiner Muskeln, nachdem wir in mehreren Ställen die Pferde gefüttert und einen Stall ausgemistet haben.

Das Zusammenlegen des Heus macht sich in den Armen und im Rücken bemerkbar. Doch es gehört zur täglichen Arbeit eines Pferdewirts dazu. Nachdem die Tiere gefüttert und auf die Weide gebracht wurden, geht es für Felicitas in die Boxen zum Ausmisten. „Für eine Box sollte man höchstens zehn Minuten brauchen“, erklärt mir die 21-Jährige während ich noch versuche, die richtige Technik herauszufinden. „Sieben Minuten wären besser“, korrigiert die Ausbilderin.

Nach dem Ausmisten ist es für manche Pferde an der Zeit, wieder in ihre Box gebracht zu werden. Felicitas und ich gehen auf die Weide und suchen die richtigen Pferde. Nach und nach werde ich vertrauter mit den Tieren und freue mich darüber, den Tag bei schönem Wetter in der Natur verbringen zu dürfen. Das war auch einer der Gründe, weshalb sich Felicitas für die Ausbildung entschieden hat: „Man ist den ganzen Tag draußen und macht etwas mit den Tieren. Das ist das Schöne an dem Beruf.“ An den ersten drei Arbeitstagen sei sie angesichts der körperlichen Anstrengung weinend nach Hause gekommen, „aber ich habe die Zähne zusammengebissen“. Sie habe sich schnell an die Arbeit gewöhnt. „Man muss dafür leben“, so die 21-Jährige. Das bestätigt Ausbilderin Starck. „Wer diesen Beruf ausübt, macht es nicht für das Geld.“

Auf der Weide fange ich das Pferd Figaro ein und führe es zum Stall. Was bei mir noch sehr mechanisch aussieht, ist für Felicitas ganz natürlich. Im Stall zeigt sie mir, worauf es beim Putzen ankommt. Zunächst einmal kratzen wir Figaros Hufen aus. Doch Vorsicht, es gibt sensible Punkte wie die Strahlfurche. „Nicht an dieser Stelle kratzen, denn dann tut es dem Tier weh“, warnt die Auszubildende. Anschließend darf ich mit zwei Bürsten über das Pferd streichen, um es zu säubern. Und schon kann es gesattelt werden. Auch hierbei brennen meine Armmuskeln wieder, denn den schweren Sattel auf das große Pferd zu hieven, ist nicht einfach.

Vorerfahrung mit Pferden ist Bedingung

„Wenn ich mal nicht reite, habe ich abends oft Rückenschmerzen“, erzählt mir Felicitas. Der tägliche Reitunterricht sei gut für die Haltung und beuge dadurch Schmerzen vor. Ich merke schon bei meinem ersten „Ausritt“, dass der Rücken automatisch gestreckt wird. Felicitas führt mich nach meinem etwas uneleganten Aufstieg auf das Pferd durch die Reitanlage und versucht, mir das Lenken beizubringen: „Du musst den Oberkörper in die Richtung drehen, in die das Pferd gehen soll.“ Ich drehe mich nach links, doch Figaro bewegt sich keinen Zentimeter.
Eine gewisse Vorerfahrung mit Pferden mitzubringen, ist bei dieser Ausbildung selbstverständlich. „Reiterliches Geschick ist natürlich gefragt“, sagt Starck. Der Umgang mit den Kunden sei in ihrem Beruf ebenfalls von großer Bedeutung: „Man muss Dinge diplomatisch lösen können und immer freundlich zu den Kunden sein.“

Ob Felicitas später einmal tatsächlich als Pferdewirtin arbeiten wird, weiß sie noch nicht. Aber eines hat ihr die Ausbildung auf jeden Fall gebracht: „Ich habe sehr viel Selbstbewusstsein gewonnen.“