Rollenklischees

Mechthild Upgang: "Er hat das Geld, sie ist bescheiden"

BONN. Warum viele Frauen sich nur ungern um Geld kümmern und welche Risiken sie damit eingehen, erklärte die Bonner Frauen-Finanzberaterin Mechthild Upgang.

Gibt es typische Frauenfehler bei der Geldanlage?
Mechthild Upgang: Frauen beschäftigen sich häufig nicht gerne mit Geld. Sie überlassen das Thema, wenn sie in Partnerschaften leben, oft den Männern. Viele haben auch angesichts ihrer niedrigen Rentenansprüche einfach resigniert und sich damit abgefunden, im Alter von Hartz IV zu leben.

Das heißt, manche Frauen legen gar kein Geld zurück?
Upgang: Die Sparquote von Frauen in Deutschland war in den vergangenen Jahren rückläufig. Sie verdienen im Schnitt 23 Prozent weniger als Männer in vergleichbaren Positionen. Das bedeutet auch, dass sie später niedrigere Renten erhalten. Sie müssten also eigentlich mehr sparen. Aber wegen des geringeren Verdienstes sparen sie weniger. Aber auch die Finanzbranche und der Gesetzgeber tragen an dieser Entwicklung eine Mitschuld. Viele Produkte zur Altersvorsorge sind so intransparent und schwer nachvollziehbar, dass sie Anlegerinnen und Anleger abschrecken.

Betrifft das auch gut qualifizierte Frauen?
Upgang: Ich nennen mal ein typisches Beispiel. Die Akademikerin arbeitet fünf bis sechs Jahre. Dann heiratet sie, bekommt Kinder. Es folgt die Elternzeit, dann arbeitet sie in Teilzeit. Sie ist verheiratet mit einem Selbstständigen. Mit 50 Jahren lassen sie sich scheiden. Gegenüber dem Ex-Mann hat die Frau keinerlei Rentenansprüche. Durch die Teilzeit sind ihre eigenen Ansprüche viel zu gering.

Wie können Frauen vorbeugen?
Upgang: Wer als Frau Teilzeit arbeitet, sollte unbedingt darauf achten, dass die geringeren Rentenansprüche durch private Altersvorsorge ausgeglichen werden. Darauf achten allerdings nur wenige.

Warum? Können Frauen nicht mit Geld umgehen?
Upgang: Frauen ist das Thema Geld oft unangenehm. Das ist geschichtlich bedingt. Früher sorgte die sittsame Hausfrau für die Haushaltskasse und der Gatte kümmerte sich um die Familienfinanzen. Die gleichen Bilder existieren heute noch. Sie werden zum Beispiel in Fernsehsendungen à la Rosamunde Pilcher transportiert. Er hat das Geld, sie ist bescheiden, und alle sind glücklich. Die Frau, die selber viel Geld hat, bekommt den Märchenprinzen nie ab.

Welche Rolle wird Altersarmut für Frauen spielen?
Upgang: Das Problem wird sich verschärfen. Die Lebenserwartung steigt. Dadurch sinken Renditen aus der privaten Altersvorsorge. Um das Niveau zu halten, müssten die Frauen also vor dem Pensionsalter noch mehr sparen. Dazu kommen die erhöhten Scheidungszahlen.

Wer ist besonders gefährdet?
Upgang: Besonders gefährdet sind die Frauen, die heute älter als 50 Jahre sind. Viele von ihnen leben noch mit der falschen Vorstellung, dass die gesetzliche Rentenversicherung ausreicht. Außerdem hat diese Altersgruppe noch eine geringere Sparbereitschaft. Sie sehen die Notwendigkeit nicht. Sie glauben, der Staat werde ihnen schon helfen. Außerdem überschätzen sie ihre Ansprüche nach einer Scheidung. Viele jüngere Frauen dagegen wissen, dass sie sich selber um ihre Altersvorsorge kümmern müssen.

Hat die Finanzbranche für sie die richtigen Produkte?
Upgang: Leider treffen immer mehr profitorientierte Berater auf immer mehr ahnungslose Kunden. Oft laufen Geschäfte nach der "Aua"-Methode: Anhauen, umhauen, abhauen.

Was müsste sich an den Rahmenbedingungen ändern?
Upgang: Es gibt mehrere Ansätze. Die viel diskutierte Quote würde mehr Frauen zu besser bezahlten Jobs verhelfen. Gleichzeitig müssten die Angebote zur Kinderbetreuung verbessert werden, damit Mütter überhaupt die Möglichkeit haben, zu arbeiten. Leider läuft politisch einiges in genau die falsche Richtung: Das geplante Betreuungsgeld soll Frauen belohnen, die nicht arbeiten und dadurch später noch weniger Rente erhalten.

Kann sich Deutschland das leisten?
Upgang: Nein. Wir haben bereits einen Fachkräftemangel und fördern durch ein Anreizsystem vom Ehegattensplitting bis zum Betreuungsgeld, dass Frauen zu Hause bleiben. Das ist als ob man einen Porsche mit einem Tempomat von 100 Stundenkilometern ausstattet.