Konrad Adenauer hat die Kundennummer 2133

Am 1. Juli 1897 nimmt Städtische Sparkasse zu Honnef an Bahnhofstraße Betrieb auf - Panzerschrank gehört erst seit 1910 zum Mobiliar der Bank - Zehn Jahre später erfolgt Umzug an die Weyermannallee

Bad Honnef. Zunächst bezog sie einen kleinen Raum im Rathaus. Das reichte aus, als am 1. Juli 1897 die "Städtische Sparkasse zu Honnef am Rhein" ihren Betrieb aufnahm.

Um vor 110 Jahren sein Erspartes aus dem Strickstrumpf auf die Bank zu bringen, standen zunächst nur zwei Vormittage zur Verfügung. Der erste Rendant besorgte die Geschäfte damals ja auch lediglich gegen eine geringe Vergütung. So richtig traute manch einer der Sache offensichtlich nicht. So sah sich denn die Honnefer Volkszeitung bemüßigt, "volksaufklärerisch" zu wirken.

In dem Blatt war zu lesen, dass die Bücher mit den Spargeldeintragungen keinesfalls von der Steuereinschätzungskommission eingesehen würden. Vielmehr herrsche strengste Verschwiegenheit bei allen Mitgliedern der Sparkassenverwaltung unter Vorsitz von Bürgermeister Theodor Waechter.

Ab 1908 stand die Sparkasse täglich für Ein-und Auszahlungen zur Verfügung. Damals wurde auch ein Gegenbuchführer angestellt. Und den Sparkassen wurde durch den Reichsgesetzgeber die "passive Scheckfähigkeit" zuerkannt. So sollte der Zahlungsverkehr, der bis dahin immer noch einen großen Umfang an Goldmünzen erforderte, "entgoldet" werden.

In der HVZ machte die Sparkasse in diesem Zusammenhang auf das Ende der Annahmefrist alter Taler aufmerksam. Viel Betrieb also in dem einen Raum im Rathaus. Es wurde eng. Vom eigenen Sparkassengebäude wurde zwar geträumt, aber so viel Geld lag für diesen Zweck dann doch noch nicht auf der hohen Kante. Stattdessen wurde 1910 die untere Etage des Hauses Nummer 4b an der Bahnhofstraße angemietet.

Zwar gehörte nun ein Panzerschrank zum Mobiliar. Aber die Sicherheit ließ dennoch zu wünschen übrig. Die Aufsichtsbehörde meldete berechtigte Bedenken an, ob denn die Bar- und Wertbestände gut aufgehoben wären. Der Betrieb blühte mittlerweile, die Geschäftszweige wurden ausgedehnt.

Insbesondere der bargeldlose Zahlungsverkehr und die Aufbewahrung und Verwaltung von Wertpapieren stellten das Personal vor enorme organisatorische Hindernisse - der Platz reichte einfach nicht aus, um einen reibungslosen Betriebsablauf zu bewerkstelligen. Aber im Jahre 1920 wurde ein geeignetes Gebäude in bester Lage erworben - das Weegsche Anwesen an der Ecke Hauptstraße/Weyermann-Allee.

Das Stadtverordneten-Kollegium genehmigte den Umbau. Umfangreich war schon in jener Zeit nach dem Ersten Weltkrieg das Paket der Dienstleistungen: Die Annahme von Spareinlagen, die Vergabe von Hypotheken, Darlehen, Kontokorrentkrediten, Übernahme von Steigprotokollen, der An- und Verkauf von Wertpapieren, die Aufbewahrung und Verwaltung sämtlicher Wertpapiere, die Ausgabe und Einlösung von Reisekreditbriefen, die Vermietung feuer- und diebessicherer Schrankfächer, die Aufbewahrung von Wertsachen oder Koffern in der Stahlkammer der Sparkasse gehörten dazu.

Interessant der Zahlenvergleich: 1897, im ersten Jahr des Bestehens, waren auf der Stadtsparkasse 331 Konten eröffnet worden mit einer Einlage von 118 480 Reichsmark. Zum Jahrtausendwechsel waren es bereits 760 Konten, auf denen 327 000 Reichsmark verzeichnet waren. 1905 war die Millionen-Hürde übersprungen: Auf 1 754 Konten hatten die Honnefer 1 012 000 Reichsmark gebunkert.

Ende 1921 gab es bei der Stadtsparkasse 6  100 Konten. Im Juni jenes Jahres war sie in ihr erstes eigenes Domizil eingezogen. Hier beging sie ihren 25. Geburtstag. Aber die Zeiten waren für Feste wenig geeignet. Lange vorher hatte die Entwertung des Geldes begonnen, 1923 führte die galoppierende Inflation zu chaotischen Verhältnissen. Die Geschäftsleute trugen ihre Tageseinnahmen in Körben zur Bank.

Zwei Geldzähler sortierten, zählten und bündelten die vielen Scheine. Die Stadt gab Notgeld aus. Am 20. November 1923 wurde eine Billion Mark einer Rentenmark gleichgestellt, die 1924 von der Reichsmark abgelöst wurde. Langsam ließen sich auch die Honnefer wieder vom "Wunder des Sparens" überzeugen. Ende der zwanziger Jahre brachten sie ihr Geld verstärkt zur Kasse.

Es folgten die Bankenkrise 1931, die Weltwirtschaftskrise, mit dem Ergebnis, dass die Sparkassen aus den Kommunalverwaltungen ausgegliedert wurden. Im Zweiten Weltkrieg wehrten sich die Honnefer erfolgreich gegen die Fusionsüberlegungen der Landesregierung.

Und immer hielt die Stadtsparkasse, mitten im Fusionsfieber auch der jüngeren Vergangenheit, an ihrer Eigenständigkeit fest, wie sie auch ihrem Standort treu geblieben ist, der mehrfach und gerade erst wieder um- und ausgebaut sowie modernisiert wurde. Die 1929 in Rhöndorf gegründete Zweigstelle besteht heute noch, ebenso wie die Filialen in Selhof und Aegidienberg und die Anlaufstelle im Hit-Markt.

Viel passierte in den vergangenen 60 Jahren. Die Währungsreform 1948 ließ die Einlagenbestände von 25 Millionen RM auf knapp 1,6 Millionen DM schrumpfen. Ab 1960 firmierte das Geldinstitut als "Stadtsparkasse Bad Honnef am Rhein", zuvor wurde ein neues Sparkassengesetz mit Auswirkungen auf die Verwaltung in Kraft gesetzt.

Zunächst blieben die Beamten und Angestellten der Kasse aber noch Dienstkräfte der Stadt. Die neue Technik setzte sich durch: 1984 hatte die Sparkasse den ersten Geldautomaten. Wenige Jahre vor dem 100. Geburtstag überstieg die Bilanzsumme erstmals die 500-Millionen-DM-Grenze. Zum runden Jubiläum schenkte die Stadtsparkasse ihren Bürgern die "Sparkassen-Stiftung".

Jüngste Zahl für soziales Engagement ist die Spendensumme von 100 800 Euro im Jahr 2006, in dem die Bilanzsumme auf 456 Millionen kletterte. Euro, versteht sich, seit 2001. Heutzutage hat die Stadtsparkasse 125 Mitarbeiter im Vergleich zum "Ein-Personen-Stück" von 1897. Ihr bedeutendster Kunde? Das war wohl Bundeskanzler Konrad Adenauer. Kundennummer: 2133.