Traditionsunternehmen läuft wieder

Karp gelingt der Neustart nach der Insolvenz

Maßanfertigungen aus Metall: Karp-Geschäftsführerin Margit Antosch vor einem Stahlring in der Mondorfer Werkshalle.

Maßanfertigungen aus Metall: Karp-Geschäftsführerin Margit Antosch vor einem Stahlring in der Mondorfer Werkshalle.

Niederkassel. Durch den Einstieg eines Investors konnte der Maschinenbauer Karp die Insolvenz noch abwenden. Inzwischen verzeichnet der Betrieb wieder eine gute Auftragslage.

Für Margit Antosch ist die Niederkasseler Maschinenbau Karp GmbH weit mehr als ein Arbeitsplatz. „Als Dreijährige schon habe ich meinem Großvater im Betrieb das Frühstück gebracht“, erinnert sich die Geschäftsführerin.

Dass sie eines Tages in das 70 Jahre alte Familienunternehmen einsteigen würde, „das stand immer fest“. Umso schwerer war es für Antosch, als sie im vergangenen Jahr die Reißleine ziehen musste.

Im Juni beantragte sie am Amtsgericht Bonn die Eröffnung des Insolvenzverfahrens. „Ein schwerer Gang“, erinnert sich die 56-Jährige, die das Unternehmen gemeinsam mit ihrem Mann Wolfgang führt.

Heute läuft der Betrieb in den Werkshallen wieder, Antosch sitzt in ihrem alten Büro – jetzt allerdings als Angestellte. Ein Investor hat Karp vor wenigen Wochen übernommen, die ehemaligen Eigentümer sind zwar weiterhin Geschäftsführer, aber ihnen gehört nur noch eine Minderheitsbeteiligung.

Wie bei Karp muss eine Insolvenz nicht immer das Aus bedeuten: „Wenn die Schwierigkeiten rechtzeitig erkannt und der Insolvenzantrag früh genug gestellt wird, gibt es oft gute Chancen, Betriebe fortzuführen“, sagt der Bonner Rechtsanwalt Markus Lehmkühler, der auch das Insolvenzverfahren der Firma Karp betreut hat.

„Sind erst einmal Lohnrückstände entstanden, wird es schwierig“, sagt der Experte. „Dann gehen die Mitarbeiter, und die Produktion bricht zusammen.“

Schieflage durch Billigkonkurrenz und Finanzkrise

Bei Karp sind die meisten Beschäftigten geblieben. 47 Menschen arbeiten hier, vor der Insolvenz waren es 63. „Die Auftragslage ist gut“, sagt Antosch.

Aus immer weiterem Umkreis meldeten sich Unternehmen, die oft ausgefallene Wünsche haben. Karp liefert Metallteile für Maschinenbauer. In den knapp 5000 Quadratmeter großen Mondorfer Werkshallen entstand bereits eine Walze mit Messern zum Zerhacken von Zuckerrohr, große Metallräder zum Bewegen von Skiliftseilen und riesige Metallreifen zum Abstützen von Bergwerkwänden in Russland.

Vom Reparaturbetrieb für Rheinschiffe des Großvaters Heinrich Karp hat sich das Unternehmen zum Lohnfertiger für den Maschinenbau entwickelt. „Immer mehr Firmen verlegen ihre Lohnfertigung aus anderen Ländern nach Deutschland zurück, weil sie fürchten, dass ihre Technologien kopiert werden“, sagt Antosch.

Früher war es umgekehrt. Mit Billigkonkurrenz aus Osteuropa habe die Schieflage des Unternehmens begonnen. Hinzu seien die Nachwirkungen der Finanzkrise gekommen. „Wir haben immer gehofft, dass es im nächsten Monat besser wird“, erinnert sich Antosch.

„Aber als es dann wirklich besser wurde, war es für uns schon zu spät.“ Der neue Investor, die privat geführte Navigator Capital GmbH, bringt neben Geld auch die Verbindung zu zwei weiteren Metallbau-Unternehmen mit. „Davon können wir vielleicht auch profitieren, etwa beim Vertrieb“, sagt Antosch.

Für Insolvenzverwalter Lehmkühler ist mit dem Einstieg des Investors „die Zukunft des Traditionsunternehmens gesichert“. Dass die Insolvenzzahlen in der Region immer weiter sinken, ist für ihn nicht nur ein Ausdruck der guten Konjunktur: „Die Unternehmen profitieren stark von den niedrigen Zinsen.“ Sollte das Geld einmal weniger günstig zur Verfügung stehen, würden wieder mehr Firmen in die Insolvenz getrieben.