Heimat auf dem Butterbrot

Grafschafter Krautfabrik in Meckenheim wird 125 Jahre alt

Meckenheim. Das Meckenheimer Familienunternehmen Grafschafter Krautfabrik feiert in diesem Jahr sein 125-jähriges Bestehen. Heute ist das Unternehmen berühmt für seinen Rübenkraut - dabei startete man mit etwas ganz Anderem.

Die roten Backsteinmauern der Grafschafter Krautfabrik in Meckenheim erinnern noch heute an ihre Ursprünge. Vor 125 Jahren baute Firmengründer Josef Schmitz an dem Standort eine Feldbrandziegelei auf. Erst elf Jahre später kochte er an der Wormersdorfer Straße den ersten Rübensirup, der sich als äußerst dauerhafte Geschäftsgrundlage für das Familienunternehmen erweisen sollte.Am Freitag feierte die Krautfabrik mit mehr als 200 Gästen in Meckenheim ihr Jubiläum. NRW-Landwirtschaftsministerin Ursula Heinen-Esser betonte die Rolle des Traditionsunternehmens als „festen Partner für die landwirtschaftlichen Betriebe in der Region“.

18.000 Tonnen süße Brotaufstriche jährlich

Heute produziert Grafschafter mit insgesamt 135 Mitarbeitern jedes Jahr 18.000 Tonnen süße Brotaufstriche, vor allem Rüben- und Apfelkraut. Dazu kommen 35 000 Tonnen Sirup als Süßmittel für die Lebensmittelindustrie.

Das zähflüssige braune Rübenkraut wird aus Meckenheim bis ins Ausland geliefert. Als „Rheinisches Zuckerrüben- und Apfelkraut“ ist der Brotaufstrich neben Kölsch und Bornheimer Spargel in der EU sogar als geografische Ursprungsbezeichnung geschützt.

Für die Meckenheimer ist der „Goldsaft“ ein Stück Heimatgeschichte. „Uns stört es überhaupt nicht, wenn wir als Krautfresser bezeichnet werden“, sagte Bürgermeister Bert Spilles bei seiner Gratulationsrede. Auch Geschäftsführer und Inhaber Stefan Francescini verwies auf die Enge Verbundenheit Meckenheims zur Krautfabrik. Er dankte den Anwohnern dafür, während der Rübenkampagne im Herbst regelmäßig die typischen Gerüche des „Krautkochens“ zu tolerieren.

Franceschini ist als Urenkel des Firmengründers im elterlichen Betrieb groß geworden. Im Jahr 2002 trat er in die Geschäftsführung ein. Dort unterstützte er seinen 2016 verstorbenen Vater Ernst Frances-chini, der sich über das eigene Unternehmen hinaus als Interessenvertreter der Wirtschaft in der Region stark engagiert hatte.

Ziegelfertigung neben Sirupgeschäft

Ernst Franceschini hatte die Produktion der Meckenheimer seit Ende der 60er Jahre deutlich breiter aufgestellt. Der gebürtige Österreicher stieg als Schwiegersohn in das Familienunternehmen ein. In den 70er Jahren erweitert er durch Kooperationen mit anderen Unternehmen die Produktpalette der Meckenheimer. Neben dem klassischen Rübenkraut verkauft Grafschafter nun Brotaufstriche wie „Birnenschmaus“, „Lütticher Delikatesse“ und „Heller Sirup“. Durch die Übernahme eines Unternehmens in Herchen an der Sieg folgt bald auch Apfelkraut im Programm. Über Jahrzehnte läuft die Ziegelfertigung neben dem Sirupgeschäft weiter, bis sie 1989 mangels Rentabilität eingestellt wird. Früher wurden die Arbeiter im Sommer wegen der Nachfrage am Bau zur Ziegelfertigung eingesetzt, im Winter kochten sie Rübenkraut.

Noch heute sind viele Gebäudeteile des Meckenheimer Werks aus eigenen Ziegeln gebaut. Neben den modernen Metallspeichern für den Sirup stehen alte Lagerhallen mit Gerüsten aus Holzbalken. Traditionsbewusstsein ist in der Krautfabrik vom Produkt bis zu den alten Laternen am Eingang offensichtlich.

Aber ohne Veränderungen wären 125 Jahre Unternehmensgeschichte kaum denkbar. 1990 beginnt die Krautfabrik mit der Herstellung von Zuckersirup für die Industrie und kauft dazu einen Betrieb in Aldenhoven bei Jülich. Dazu kommen wenig später ein Werk im niederländischen Beesel. In Hamburg beteiligen sich die Meckenheimer an einer Zuckerraffinerie. Im Konzentrationsprozess kann sich das Unternehmen mit dieser Strategie behaupten.

Neue Verpackung zum Jubiläum

Von ehemals rund 500 industriellen Rübenkraut-Herstellern in Deutschland sind heute nach Unternehmensangaben nur noch wenige übrig. Zum Jubiläum will Grafschafter die Verpackungen leicht überarbeiten. Der gelbe Becher bleibt. Natürlich. Schließlich dient er dem Unternehmen seit 1954 als Markenzeichen, um sich von der Konkurrenz im Marmeladenglas abzuheben. Und auch die Tomburg bleibt als Bild auf dem Etikett – auch wenn sie in Rheinbach und nicht in Meckenheim steht.