Kommentar zum Arbeitslosengeld an der Supermarktkasse

Diskretion, bitte!

Viele Zuschauer hat das Bezahlen im Supermarkt.

Viele Zuschauer hat das Bezahlen im Supermarkt.

Arbeitslose konnten Zahlungen in bestimmten Fällen bislang an Kassenautomaten des Jobcenters abheben. Diese sollen nun abgeschafft werden. Stattdessen soll das Geld an der Supermarktkasse erhältlich sein.

Ja – es ist eine gute Idee der Bundesagentur für Arbeit, nach Sparmöglichkeiten zu schauen. Und zwar dort, wo das ohne allzu große Schmerzen geht. Das entlastet letztlich den Steuerzahler. Es ist auch gut, dass Betroffene, die am Monatsende kein Geld mehr haben und dringend einen Vorschuss brauchen, mehr Anlaufstellen bekommen als die bislang 300 Geldautomaten in den Arbeitsagenturen und Jobcentern. Doch, egal wie die Lösung aussieht: Sie darf nicht dazu führen, Arbeitslose weiter auszugrenzen oder bloß zu stellen. Es ist nicht schwer nachzuvollziehen, dass sich Arbeitslose in der Leistungsgesellschaft oft als Menschen zweiter Klasse fühlen. In ihrem Alltag müssen sie genug Offenbarungseide leisten. Beispielsweise der Gang zur Arbeitsagentur, den Jobcentern und ihrem persönlichen „Fallmanager“.

Wir wollen doch auch Diskretion, wenn wir am Bankschalter stehen. Und wir sind froh, dass es mittlerweile Schilder gibt, die den vertrauenssteigernden Abstand an solchen Stellen anmahnen. Diskretion und Abstand würde es für viele Hartz-IV-Empfänger nach den bisherigen Plänen so nicht mehr geben. Sie müssten ihren Offenbarungseid auch an der Supermarktkasse leisten. Das kann nicht die Lösung des Problems sein. Wäre es angemessener, solche Bargeldauszahlungen an Geldautomaten etwa der Sparkassen zu organisieren? Das wäre ein Verfahren, das gut wäre, für alle: Für Arbeitslose und für Steuerzahler.