Recticel

Deutliche Einschnitte bei Rheinbreitbacher Automobil-Zulieferer

Die Rheinbreitbacher Recticel-Firmenzentrale, gesehen durch eine Metallskulptur des Siebengebirges in einem Verkehrskreisel vor dem Gebäude.

RHEINBREITBACH. Die Rheinbreitbacher Recticel Automobilsysteme GmbH plant einen massiven Stellenabbau. Bis zum Jahr 2015 sollen 150 von 178 Mitarbeitern in der Produktion ihren Job verlieren. Das bestätigte gestern Recticel-Geschäftsführer Martin Kruse.

Als Ursache nannte er den Verlust eines Großauftrages von Mercedes Benz. Mit den verbliebenen rund 25 Mitarbeitern solle bis 2017 ein anderer Auftrag des Stuttgarter Automobilkonzerns abgearbeitet werden. Eine komplette Schließung des Produktionsstandortes Rheinbach hoffe Kruse nach eigenen Angaben verhindern zu können. "Von der Auftragserteilung bis zur Produktion dauert es in unserer Branche drei Jahre", sagte er. "Da könnten schließlich noch Orders kommen."

Den derzeitigen Recticel-Mitarbeitern dürfte die Aussicht wenig Mut machen. Anfang 2014 sollen die ersten rund 110 Stellen gestrichen werden. Weitere Kürzungen folgen in mehreren Schritten bis Oktober 2015. Die Unternehmensführung werde mit dem Betriebsrat einen Sozialplan aushandeln, sagte Kruse.

Nach Angaben aus dem Betriebsrat treffen die Streichungen die Recticel-Mitarbeiter besonders hart, da in der Produktion viele ältere, langjährige Beschäftigte tätig sind. Sie befürchten, keine neue Arbeitsstelle mehr zu finden.

Das deutsche Tochterunternehmen des belgischen Recticel-Konzerns fertigt Oberflächen für Autoteile wie Türverkleidungen oder Handschuhkästen aus dem Kunststoff Polyurethan. In Rheinbreitbach hat auch die Deutschlandzentrale von Recticel mit weiteren rund 50 Beschäftigten ihren Sitz.

Diese Arbeitsplätze sollen laut Kruse erhalten bleiben. 2012 setzte Recticel in Deutschland 55 Millionen Euro um. Das Unternehmen betreibt hier zwei weitere Standorte: in Schönebeck an der Elbe (57 Beschäftigte) und im bayerischen Wackersdorf (109 Beschäftigte).

Diese Standorte sind nach Unternehmensangaben nicht in Gefahr. Hier will die Geschäftsleitung Zeitarbeit reduzieren und die Stellen den von den Streichungen in Rheinbreitbach betroffenen Mitarbeitern anbieten. Außerdem produziert Recticel in Tschechien. "Wir planen keine Komplettverlagerung der Produktion nach Osteuropa", sagte Kruse.

Der Geschäftsführer räumte jedoch ein, dass die geringeren Kosten dort eine Konkurrenz für die deutschen Fertigungsstandorte darstellen. Weltweit produziert Recticel mit 1.400 Mitarbeitern an zehn verschiedenen Standorten in Europa, Asien und den USA.