Chef des Bonner Prozesskostenfinanzierers Foris

Bonner Manager spielt mit Musikern bekannter Bands

Als Chef des Bonner Unternehmens Foris finanziert Müller Prozesse, die sich Kläger eigentlich nicht leisten können.

Als Chef des Bonner Unternehmens Foris finanziert Müller Prozesse, die sich Kläger eigentlich nicht leisten können.

Bonn. Der Chef des Bonner Prozesskostenfinanzierers Foris, Hanns-Ferdinand Müller, spielt mit Musikern bekannter Bands. Sein Unternehmen finanziert Prozesse, die sich Kläger ansonsten nicht leisten könnten.

Hanns-Ferdinand Müller wollte zur Bundeswehr, um Musik zu machen. Was zunächst ungewöhnlich klingt, kann der Manager logisch erklären. „Ich wollte entweder Fußballer oder Musiker werden.“ Wie die meisten Eltern waren auch seine der Meinung, weder von dem einen noch von dem anderen könne er leben. Die Bundeswehr sollte ein Mittelweg zwischen künstlerischem Beruf und Sicherheit sein. Also, bewarb sich Müller mit 17 Jahren dort für ein Musikstudium. Die Kameraden hätten ihn auch genommen. Doch wegen eines falschen Instruments kam alles anders. Heute ist der Ex-RWE-Manager und Betriebswirt seit etwas mehr als eineinhalb Jahren Vorstand des Bonner Prozesskostenfinanzierers Foris.

Bei der Bundeswehr wollte Müller im Orchester eigentlich Klavier spielen. Doch es gab zu wenige Stellen für Pianisten. „Sie können Trompete oder Posaune studieren, sagten sie damals zu mir.“ Das wollte er nicht. Zur Bundeswehr ging er trotzdem und entschied sich stattdessen für die Laufbahn des Luftwaffenoffiziers und studierte Wirtschaft- und Organisationswissenschaften. Musik studierte er dann eben noch nebenher. Auch heute schafft er beides parallel: Seinen Job als Vorstand und daneben spielt Müller mit Musikern, die ansonsten mit Größen wie Sting oder Sarah Connor auf der Bühne stehen.

Bei Foris steht er auch nicht alleine auf der Bühne. Den Vorstand teilt er sich mit Volker Knoop. Gemeinsam leiten sie ein Unternehmen, das Prozesse finanziert, die sich Kläger ansonsten nicht leisten könnten. „Man tut eigentlich etwas Gutes“, findet Müller. Die Kunden von Foris zahlen im Erfolgsfall allerdings eine Prämie. Finanziert werden aus wirtschaftlichen Gründen nur Prozesse ab einem Streitwert von über 100 000 Euro. Ein Job, der Müller Spaß macht, wie er sagt. Genauso wie sein Vorheriger. Müller spricht in Zusammenhang mit seiner Arbeit immer wieder von Träumen. Früher während seiner Zeit bei RWE träumte er von Stromtankstellen, für die er gemeinsam mit seinem Team damals Stecker entwickelt hat. „Jetzt träume ich von Prozesskostenfinanzierung.“ Er sei „schnell entflammbar für Neues“, sagt er über sich selbst.

Als der gebürtige Trierer im Februar 2017 seinen Job in Bonn antrat, war Prozesskostenfinanzierung ein komplett neues Feld für ihn. Jetzt erzählt er voller Begeisterung von Neuerungen im Unternehmen. Seit Kurzem duzen sich alle, man müsse schließlich mit der Zeit gehen.

Umsatz deutlich gestiegen

Seit Müller die Aktiengesellschaft führt, ist der Umsatz wieder deutlich gestiegen. Aber der Vorstand blieb immer zurückhaltend. Dass die Zahlen stark schwanken, hänge damit zusammen, dass es immer darauf ankomme, wie viele Prozesse pro Jahr abgeschlossen werden und in welcher Größe.

Müller macht es Spaß, Dinge weiter zu entwickeln. Deshalb haben die Mitarbeiter in der Schuhmannstraße auch gerade neue Arbeitsplätze bekommen. Ein Umzug im Haus. Alle noch einmal „neu zusammen mischen“ um „neue Perspektive anzunehmen“. Privat kann er das in der Musik ausleben, wenn der Manager, der in der Eifel groß geworden ist, eigene Stück komponiert. Wie er selbst sagt, etwas in die Richtung „kitschige Filmmusik“. Zuletzt schrieb er ein Klavierkonzert für Franz Xaver Ohnesorg, den ehemaligen Intendanten der Kölner Philharmonie. Anlass war dessen 70. Geburtstag im März. Stolz war Müller vor allem darauf, dass es an diesem Abend die russischen Pianistin Elisabeth Leonskaja spielte. Ein Video einer Probe hat er auf seinem Facebook-Profil gepostet.

Wenn Müller die Musik auf seinem Handy abspielt, wiegt er zur Musik, die Hände fahren mit der Melodie durch die Luft, fast als würde er das Orchester dirigieren. Auch wenn er seinen Job gerne macht, Musik ist seine Leidenschaft. Die meisten seiner Stücke, die er selbst komponiert, sind allerdings weniger Klassik. Es geht vielmehr in die Richtung Pop. Viele davon spielt er mit Rhani Krija, ein Kölner Percussionist, der schon mit Sting um die Welt tourte. Aber auch der Schlagzeuger von Sarah Connor oder Bandmitglieder von Xavier Naidoo haben schon seine Kompositionen gespielt.

Müller kommt aus einer musikalischen Familie, fängt mit vier Jahren an Klavier zu spielen, mit neun Jahren komponierte er sein erstes Stück. Seine achtjährige Tochter spielt Geige und komponiert ebenfalls erste Stücke, erzählt er stolz.

Schon früh Geld mit Musik verdient

Mit Musik verdiente der Manager auch schon früh Geld. Zu Beginn seines Studiums war er öfter als Barpianist unterwegs. Dieses kleine Detail griff die Süddeutsche Zeitung mal in einem Porträt über Müller auf und kreierte die Schlagzeile: „Der Barpianist von RWE“. „Das war damals ein Schock für mich“, erklärt er heute. „Ich gehöre noch zu einer Generation, die gegen die Bild-Zeitung demonstriert hat“. Aber mittlerweile sieht er die Schlagzeile gelassener. Sein damaliger Musikprofessor, der damals selbst an einer Bar auf St. Pauli beteiligt war, habe ihm die ersten Auftritte als Musiker verschafft. Außer der Musik hat Müller aber noch eine weitere tiefe Leidenschaft: der Fußball und der 1. FC Köln. „Meine Frau sagt immer, du stirbst irgendwann im Müngersdorfer Stadion.“

Wegen seiner Frau verließ er auch die Bundeswehr irgendwann. Anstatt Zeitsoldat zu werden, was mit vielen Ortswechseln verbunden gewesen wäre, entschied er sich für eine Familie in Köln. „Und da will ich auch nie weder weg.“